Halbes Jahr Kameras am Kö: Polizei zieht Bilanz

Videoüberwachung Königsplatz. Foto: Patrick Bruckner
 
15 derartige Videokameras wurden rund um den Königsplatz installiert. Zwei Wochen lang werden die Filme gespeichert. Nicht gefilmt werden private Balkone und Hauseingänge. Foto: Monika Grunert Glas

Jahrelang beobachtete die Polizei die Kriminalitätsentwicklung am Königsplatz. Sie gab Anlass zur Sorge, die Anzahl der Straftaten stieg. Seit Dezember vergangenen Jahres wird der Bereich von 15 Kameras auf neun Masten überwacht. Nun zog die Polizei Halbjahres-Bilanz.

15 Schilder - dass es so viele sind, ist der Absprache mit dem Landesbeauftragten für Datenschutz geschuldet - weisen auf dem Kö darauf hin, dass dieser videoüberwacht wird. In den Büros von vier Beamten laufen die Aufzeichnungen rund um die Uhr im Hintergrund. Fällt ein Tumult auf oder geht ein Notruf aus dieser Zone ein, kann der Polizist sofort sehen, was Sache ist. Doch auch im Nachhinein erleichtern die Aufzeichnungen so manche Fahndung. Wird beispielsweise, so wie Anfang Februar, der Diebstahl eines Geldbeutels gemeldet, kann man das Material sichten. In diesem Fall ging aus den Aufnahmen hervor, wie der Täter eine Person antanzte und dann in deren Tasche griff.

Während der Pressekonferenz am Dienstag berichteten der Leiter der Videoüberwachung, Christian Mergel, und Polizeidirektor Robert Kühnel von der Inspektion Mitte, in deren Zuständigkeit das Umsteigedreieck fällt, von einigen Vorkommnissen. Videos zeigten sie nicht, denn diese dürfen nur Polizei und Justiz sehen.

Eine bewusstlose Person in der Grünanlage fiel einem Beamten beim Blick auf den Monitor Mitte Juni auf. Er schickte eine Streife hin, diese holte den Rettungsdienst. Später spulte man zurück und entdeckte, warum es dem Mann schlecht ging: Er hatte sich Drogen geholt. Das half auch dem Notarzt bei der Behandlung, zudem wurde der Dealer festgenommen.

Identifiziert werden konnten auch zwei Täter, die im Januar um sechs Uhr früh einen 21-Jährigen bewusstlos schlugen und noch auf diesen eintraten, als er schon am Boden lag.

Die Qualität der Bilder ist auf dem neuesten Stand, die Technik kann jedoch keine biometrischen Daten abgleichen. Allerdings spielt man gegebenenfalls die Videos den Sachbearbeitern vor und diese kennen oft "ihre Pappenheimer", wie Christian Mergel meinte. Auch Fahnder, die im Partyleben unterwegs sind, haben oft Fotos von Gesuchten dabei. Dass Täter nun eher ermittelt werden als früher, hilft den Geschädigten auch, wenn es um Schadenersatz und Schmerzensgeld geht.

Gastronomie im Freien wird nicht automatisch überwacht

Mergel betonte, die Polizei strebe danach, die Sicherheitslage am stark frequentierten Königsplatz zu verbessern. Die Videoüberwachung ersetze jedoch nicht die Präsenz vor Ort. Ab September will man mindestens zweimal pro Monat die Mobile Wache am Kö stationieren.

Die Überwachung erlaube einen objektiveren Blick auf die tatsächlich stattfindenden Straftaten. Denn ohne die Dokumentation würden viele Ereignisse erst gar nicht angezeigt - die Polizei spricht von einer "Aufhellung des Dunkelfelds" - oder die Beweissicherung wäre schwieriger. Auch der präventive Aspekt spielt eine Rolle, erhofft man sich doch, dass potenzielle Straftäter abgeschreckt werden. Bisher ist keine Verlagerung in andere Bereiche der Stadt erkennbar.

Das Gesamtpaket aus hoher Polizeipräsenz, intensiven Kontrollen und beweiskräftigen Videoaufnahmen spiegle sich in den Fallzahlen des ersten Halbjahrs wieder. Es gibt nicht mehr Taten, aber man erkennt diese nun. Zwischen Januar und Juni wurden im überwachten Ausschnitt 183 Delikte gezählt. 2017 waren es 198. Im vorigen Jahr kam man auf 118. Viele Taten stehen in direktem Zusammenhang mit der polizeilichen Kontrolltätigkeit, wie etwa 45 Drogendelikte (2018 waren es acht) sowie 32 Beleidigungen.

Außerdem wurden seit Einführung der Videoüberwachung 59 Strafverfahren wegen Körperverletzungsdelikten eingeleitet (2017: 37). Besonders bei Schlägereien konnten dank der Videomitschnitte Täter, Mittäter und Opfer klarer erkannt werden als das ohne möglich wäre nach den manchmal doch recht widersprüchlichen Angaben der Beteiligten.

Lediglich zwei Wochen statt der erlaubten zwei Monate speichern die Augsburger Gesetzeshüter laut eigenen Angaben die Bilder. Und nicht immer schaut Big Brother zu, was sich am Kö so ereignet. 59 mal schaltete die Einsatzzentrale die Kameras aufgrund von Versammlungen ab. Das ist vom Gesetz so vorgeschrieben.

Private Zonen wie Hauseingänge oder Balkone werden automatisch dauerhaft verpixelt. Die Freiluftgastronomie hingegen wird zwar verpixelt, kann aber im Nachhinein freigeschaltet werden - etwa, wenn sich von dort aus eine Schlägerei entwickelt. 
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