"Hemmungslose Gewaltorgie": Was zur Prügelattacke in der Augsburger Innenstadt führte

Sieben Männer stehen wegen versuchten Mordes vor dem Augsburger Landgericht. (Foto: Symbolbild/Sebnem Ragiboglu/123rf.com)

Wegen versuchten Mordes stehen in Augsburg seit Montag sieben Männer vor dem Landgericht. Sie sollen auf drei wehrlose Passanten, darunter auch eine Frau, losgegangen sein, aus Frust, weil sie zuvor aus einer Kneipe in der Innenstadt geworfen wurden. Zu siebt sollen sie auf ihre bereits am Boden liegenden Opfer eingeschlagen und eingetreten haben. Die Staatsanwaltschaft spricht in der Anklage von einer „hemmungslosen Gewaltorgie“. Gestern haben sich einige der Angeklagten zu den Vorwürfen geäußert.


Mit sieben Angeklagten, acht Verteidigern und mehreren Dolmetschern ist es ungewöhnlich eng auf der Anklagebank. Die Männer, die alle aus demselben Dorf in Rumänien stammen, sollen der Anklage zufolge in jener Samstagnacht im Februar 2018 in einer Bar in der Augsburger Innenstadt gefeiert haben. Einer der Angeklagten sei schließlich mit einem weiteren Gast aneinander geraten. Die Auseinandersetzung wurde handgreiflich und das Sicherheitspersonal verwies daraufhin alle Sieben der Bar. Weil die Männer sich das nicht gefallen lassen wollten, hätten mehrere von ihnen einen Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes attackiert und ihn zu Boden gedrückt, woraufhin er mit dem Kopf gegen eine Türkante prallte. Die Männer hätten ihm anschließend mehrere Schläge gegen den Hinterkopf und den Rücken versetzt.

Als sie die Männer nach draußen befördert hatten, verschlossen die Sicherheitsmitarbeiter die Tür. Die Angeklagten hätten daraufhin geplant, ihren Frust über den Rauswurf „ungebremst und durch massivste Gewaltanwendung abzureagieren“, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Sie hätten es sich gezielt zunutze gemacht, „dass ein überraschender Angriff auf Passanten ihnen ein wehrloses Opfer bescheren würde, welches als dankbare Zielscheibe für ihre hemmungslose Gewaltorgie, die ein Töten des Opfers miteinschloss, fungieren sollte“.

So soll einer der Angeklagten einen zufällig vorbeikommenden Mann von hinten angegriffen und zu Boden gebracht haben. Im Anschluss hätten die Beschuldigten zu siebt auf ihr wehrloses Opfer eingetreten. Dieses verlor durch die massive Gewalteinwirkung das Bewusstsein. Der Geschädigte erlitt unter anderem eine Nasenbeinfraktur, einen Bruch der Augenhöhlenwand, Risswunden am Oberlid, die operiert werden mussten, eine Quetsch-Riss-Wunde an der Wange sowie Hämatome am Rücken und am Schienbein.

Als die beiden Begleiter des Opfers, ein Mann und eine Frau, diesem zu Hilfe kommen wollten, sollen die Angeklagten auch sie attackiert haben. Der Geschädigte erlitt eine Gehirnerschütterung, eine Nasenbeinfraktur, Hämatome im Gesicht und an den Beinen sowie mehrere Frakturen der Zähne. Die Frau trug starke Schmerzen an Kopf, Nacken und Rücken davon, außerdem Beulen, Schürfwunden und eine aufgeplatzte Oberlippe. Auf sie waren die Männer losgegangen, als sie laut um Hilfe schrie und die Polizei verständigen wollte.

Die Täter hätten versucht, ihre Opfer „heimtückisch sowie aus niederen Beweggründen zu töten“, wirft die Staatsanwaltschaft den Männern vor. Die Anklage lautet daher auf versuchten Mord und vorsätzliche gefährliche Körperverletzung.

Vor Gericht wollen sich einige der Angeklagten, die zwischen 21 und 31 Jahre alt sind, nicht zu den Vorwürfen äußern. Diejenigen, die es doch tun, stellen die Ereignisse jenes Abends deutlich harmloser dar, als in der Anklageschrift geschildert. „Ich habe zweimal mit der Faust zugeschlagen, aber nicht ins Gesicht. Und das tut mir leid“, fasst etwa einer der Männer seine Beteiligung am Geschehen zusammen. Ein weiterer berichtet, wie er noch schlichtend habe eingreifen wollen, als es zur Auseinandersetzung mit dem Bargast gekommen sei.

Richter und Sachverständige haken immer wieder detailliert nach, wie viel Alkohol die Angeklagten in dieser Nacht getrunken hatten und wie sich dieser auf ihr Verhalten auswirkte. Zum Teil widersprechen die Männer in ihren Aussagen früheren Angaben, die sie bei der Polizei gemacht hatten. Die Beamten sollen ebenfalls noch als Zeugen vor dem Landgericht erscheinen, wie der Vorsitzende Richter ankündigt. Der Prozess gegen die sieben Rumänen soll bis Mitte Februar andauern. Der nächste Verhandlungstermin ist für Donnerstag angesetzt.
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