Hitler-Bilder an Freunde verschickt: 63-Jähriger vor Gericht

Drei Mal hat ein 63-Jähriger aus dem Landkreis Augsburg Hitler-Bilder mit dem Handy verschickt. (Foto: Symbolbild: anyaberkut -123rf.de)

Hitler-Bilder hat ein 63-Jähriger aus dem Landkreis Augsburg verschickt. Dafür schickte ihm die Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl in Höhe von 3600 Euro, den der Angeklagte partout nicht bezahlen wollte. Zusammen mit seiner Verteidigerin Manuela Vogg pochte er auf einen glatten Freispruch. Den gab es vor dem Amtsgericht nicht. Aber Richter Thomas Müller-Froelich gewährte eine gehörige Portion Nachlass.

Laut Staatsanwältin Andrea Kavacs hat der selbstständige Unternehmer zwischen April 2017 und Januar 2018 mit seinem Handy verschiedene Video- beziehungsweise Bilddateien verschickt, auf denen unter anderem das Konterfei von Adolf Hitler zu sehen war. Auf einem Foto habe Hitler ein iPhone 4S in der Hand gehalten, wobei das S als Siegrune ausgestaltet war. Auf einem verschickten Video springt überraschend eine alte Frau auf und prostet "Heil Hitler". Damit ist die Staatsanwältin noch nicht fertig. Auf einer weiteren Bilddatei soll ein Phantasierevolver zu sehen gewesen sein, dessen Laufmündung auf den Schützen gerichtet ist. Die Bildunterschrift lautet: "Sachsen will Migranten bewaffnen".

Diese Vorwürfe räumte der 63-Jährige unumwunden ein, zeigte sich jedoch völlig uneinsichtig, dass er damit gegen das Gesetz verstoßen haben könnte. Mit der rechtsradikalen Szene habe er nichts am Hut, beteuerte er. "In keinster Weise." Er habe viele Bilder an seine Freunde und Bekannte verschickt. Witzige Kätzchen, schöne Landschaftsbilder oder auch spaßige Unfälle. "Wenn du lustige Bilder hast, schicke sie uns", sei er von seinen Freunden aufgefordert worden. "Das habe ich getan. Die Hitler-Bilder waren in meinen Augen einfach lustig". Das Foto mit dem Revolver habe er als Karikatur gesehen. "Im Osten waren gerade Krawalle, das hat gepasst", rechtfertigte er sich vor dem Gericht.

Drei verschickte Dateien in neun Monaten, das hielt Rechtsanwältin Manuela Vogg "objektiv gesehen" für "nicht so massiv", dass man dafür bestraft werden müsste. Mit Engelszungen versuchte sie, die ganze Sache zu verharmlosen. "Ich selbst könnte nicht mit absoluter Sicherheit sagen, ob ich nicht auch schon ähnliche Bilder verschickt habe", wollte sie das Gericht von einem Freispruch überzeugen. Ihr Mandant wisse schon, dass die verschickten Bilder "problematisch" seien. Aber er habe nie im Sinn gehabt, "irgendwelches Gedankengut" zu verbreiten. "Ich will einfach nicht, dass er bestraft wird", meinte sie trotzig.

Dass die ganze Sache nicht so lustig ist, wie sie Verteidigung und Angeklagter darstellen wollen, machte Richter Thomas Müller-Froelich klar. "Adolf Hitler mit einer Siegrune und Heil-Hitler-Rufe, die Intention ist doch zu sehen, dass ein Bezug zur SS hergestellt werden soll", betonte er. Klipp und klar machte er deutlich, dass ein Freispruch in weiter Ferne sei. Im Gegenteil, "es kann auch mehr werden", stellte er in den Raum. Die Staatsanwältin empfahl Angeklagten und Verteidigerin den Einspruch zurückzunehmen. "Die Faktenlage ist eindeutig."

Nach einer minutenlangen Verhandlungspause teilte die Rechtsanwältin schließlich mit: "Zähneknirschend beschränken wir unseren Einspruch auf die Tagessatzhöhe." Den reduzierte das Gericht auf 25 Euro, "geringer geht es nicht". Insgesamt lautet der Strafbefehl jetzt auf 2250 Euro, das sind 90 Tagessätze. (Von Alfred Haas)
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Alfred Wengenmaier aus Augsburg - Nord/Ost | 12.09.2018 | 13:39  
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