Kinderpornos auf dem Handy: 27-jähriger Augsburger vor Gericht

Bei einer Verkehrskontrolle wurden auf dem Handy eines Drogenabhängigen Kinderpornos gefunden. Der 27-jährige Augsburger musste sich nun vor Gericht verantworten. (Foto: Sebnem Ragiboglu, 123rf.com)

Seinen zehnjährigen Sohn hat er seit Monaten nicht gesehen. Das Kind glaubt, der Papa arbeite im Ausland. Dass dieser wegen Drogen im Gefängnis sitzt, soll der Bub nicht wissen. Nun wird es noch länger nichts mit einem Wiedersehen, denn der Vater wurde zu einer weiteren Haftstrafe verurteilt: Ein Jahr wegen Besitzes von kinderpornografischen Schriften, lautete das Urteil von Richter Ralf Hirmer am Amtsgericht Augsburg.

Ob sich der Angeklagte je das unermessliche Leid, das hinter derartigen Aufnahmen steckt, vor Augen geführt hat? Was mit einem Mädchen passiert, das im Alter von zwei Jahren von einem Mann vergewaltigt wird? Einer Zehnjährigen, die irgendwo in Asien für widerlichste Aufnahmen posieren muss? Das bleibt das Geheimnis des 27-Jährigen, der am Mittwoch auf der Anklagebank saß. Er gestand zwar, mehrere Hundert Dateien mit Kinderpornografie auf seinem Handy und seinem Laptop gespeichert zu haben, doch zu mehr wollte er sich nicht äußern. Er habe keinerlei pädophile Neigungen, beteuerte er. Eine Therapie sei unnötig. Warum er dann derartige Bilder hatte? "Ich kann und werde den Hintergrund nicht schildern, sonst mache ich mich noch mehr strafbar." Handelte er etwa damit?

Dem 27-Jährigen kam man nur durch Zufall auf die Spur. Im November 2015 fiel er einer Streife der Polizei auf, weil er nachts ohne Licht Auto fuhr. In seiner Jackentasche entdeckten die Beamten Marihuana. Außerdem stellten sie sein Handy sicher. Im Februar 2016 wurde der Mann wegen des Drogenbesitzes und unerlaubter Abgabe von Betäubungsmitteln zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Er erreichte nach einiger Zeit eine vorläufige Aussetzung der Vollstreckung, da er sich in Therapie begab. In der Zwischenzeit war sein Handy ausgewertet worden. Er wusste, welche Fotos sich darauf befanden. Dennoch lud er weitere Kinderpornos auf seinen Laptop. Und er nahm wieder Drogen. So kam er zurück ins Gefängnis. Kurz darauf stellte die Polizei den Computer bei einer Durchsuchung seines Zimmers in der Wohnung seiner Mutter sicher.

Staatsanwalt Stephen Soßna wertete zwar das Geständnis zugunsten des 27-Jährigen, fand jedoch sonst wenig, was für diesen sprach. Dass er, obwohl er wusste, man war ihm auf der Spur, weitere Dateien speicherte, zeuge von mangelndem Unrechtsbewusstsein. Soßna forderte eine Haftstrafe von einem Jahr und vier Monaten. Verteidiger Ralf Schönauer betonte, er kenne den Angeklagten schon länger, pädophil sei dieser nicht. Angesichts von 20.000 bis 30.000 auf den Geräten gespeicherten Bildern seien die mit "unschönen Dingen" eine verschwindend geringe Menge. Er meinte, mit einer neunmonatigen Bewährungsstrafe sei der Gerechtigkeit genüge getan. Er forderte die Aussetzung der Haft, da sein Mandant eine erneute Drogentherapie anstrebe.

Richter Ralf Hirmer sah bei dem 27-Jährigen keinen Anhalt für eine günstige Sozialprognose und deshalb keine Möglichkeit für eine Bewährungsstrafe. Er verurteilte ihn zu einem Jahr Haft, das nun zu der Strafe, die er aktuell verbüßt, dazu kommt. Als seine neue Lebensgefährtin, die im Zuschauerraum die Verhandlung verfolgte, das hörte, begann sie zu weinen. Sie hat übrigens zwei kleine Kinder.
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