Missbrauch einer Neunjährigen auf der Schultoilette: Vergewaltiger muss in die Psychiatrie

Psychiatrie statt Gefängnis: Der 21-Jährige (Dritter von rechts), der im Oktober eine Grundschülerin missbraucht hat, gilt aufgrund seiner paranoiden Schizophrenie als schuldunfähig. Richter Lenart Hoesch (Dritter von links) und seine Jugendschutzkammer am Landgericht Augsburg schicken ihn in den Maßregelvollzug. Foto: Monika Grunert Glas

- Am Ende wendet sich der Vorsitzende Richter der Jugendschutzkammer, Lenart Hoesch, direkt an den Täter: "Sie haben eine durchschnittliche Intelligenz. Wenn die Medikamente angeschlagen haben und Sie keine Stimmen mehr hören, keine Wahnvorstellungen mehr haben, dann beginnt für Sie der Weg erst richtig", redet er dem 21-Jährigen ins Gewissen, der im Oktober vergangenen Jahres eine Neunjährige auf der Toilette ihrer Grundschule vergewaltigt hat. Der junge Mann wird nun auf unbestimmte Dauer in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. Maßregelvollzug statt Gefängnis: Er gilt als schuldunfähig aufgrund seiner paranoiden Schizophrenie. Damit folgte das Gericht den Anträgen, die Staatsanwältin Gudrun Wagner, Nebenklagevertreterin Mandana Mauss und Verteidiger Helmut Linck einvernehmlich gestellt hatten.

Zweimal schon war der 21-Jährige nach weniger gravierenden Taten in der Psychiatrie. Jedes Mal hatte man ihn gut auf seine Medikamente eingestellt und glaubte, ihn wieder der Gesellschaft zumuten zu können. Ein fataler Irrtum, wie sich erwies. Denn er setzte seine Medikamente ab, geriet wieder in den Strudel seiner Wahnvorstellungen und glaubte beispielsweise, er könne über den Verschluss einer Tequilaflasche mit dem Satan kommunizieren. Und so geschah es, dass er am 23. Oktober in die Wittelsbacher Grundschule ging, wo er auf ein neunjähriges Mädchen traf. Er sprach die Kleine an, sie solle ein Video mit ihm anschauen. Als sie ablehnte, schnappte er das sich heftig wehrende und schreiende Kind, trug es in die Toilette und verging sich an ihm. Ein Lehrer, der seine Schülerin gesucht hatte, kam dazu und hielt ihn fest, bis die Polizei eintraf. Dass das Mädchen, dessen Papa die Verhandlung als Nebenkläger verfolgte, die schreckliche Tat zumindest bislang gut verarbeitet hat, ist dem 21-Jährigen nicht zugute zu halten. Das betonte auch sein Verteidiger: Man sei einfach erleichtert darüber.

Die Behandlungsprognose des 21-jährigen Arbeitslosen, dessen Entwicklung schon seit Kindergartentagen schief lief, ist sehr schlecht. Das hatte der psychiatrische Gutachter festgestellt. Denn selbst, wenn er seine Medikamente anders als bislang zuverlässig nimmt und seinen bizarren Wahnideen entkommt, müsste er erst einmal eine gewisse Alltagskompetenz entwickeln.

"Es spricht sehr viel dafür, dass das auf Dauer nur in einer betreuten Einrichtung gelingt", sagt Richter Hoesch. "Sie müssen sich dann um eine Tagesstruktur bemühen, Arbeit finden. Das kann Ihnen niemand abnehmen. Es kommt der Punkt, wo Sie wieder für sich verantwortlich sind und es an Ihnen liegt, wie es weitergeht. Man kann Ihnen nur wünschen, dass Sie auf Ihrem Weg erfolgreich sind." Der junge Mann nickt zu diesen Worten. Er möchte einen Schlussstrich ziehen und akzeptiert den Richterspruch, der damit rechtskräftig wird. (Von Monika Grunert Glas)
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