„Moneytransfer-Masche“: Polizei nimmt nach Razzia zahlreiche Verdächtige fest

Die Polizei durchsuchte insgesamt 17 Örtlichkeiten (Symbolbild). (Foto: Udo Herrmann,123rf.com)

Die Augsburger Polizei hat nun mutmaßliche Callcenter-Betrüger dingfest gemacht. Wie das Präsidium Schwaben-Nord am Freitag in Absprache mit der Staatsanwaltschaft Augsburg mitteilt, sei am Mittwoch von der Kriminalpolizeiinspektion mit Zentralen Aufgaben (KPI/Z) eine Durchsuchungsaktion an insgesamt 17 Örtlichkeiten in der Stadt Augsburg, dem Landkreis Augsburg und dem Landkreis Aichach-Friedberg durchgeführt worden.

Es seien umfangreiche Unterlagen und zahlreiche Mobiltelefone der Beschuldigten als Beweismittel sichergestellt worden. Unter den mutmaßliche Betrügern seien auch sechs Frauen. Die Verdächtigen seinen Deutsche, Türken, Syrer, Afghanen, Iraker und eine Polin.

Gegen zwei Beschuldigte seien bereits im Vorfeld von der Staatsanwaltschaft Augsburg erwirkten Haftbefehle wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs vollzogen werden.

"Hintergrund dieser Aktion war eine seit Juli 2018 verstärkt feststellbare Aktivität von Telefonbetrügern mit einer neuen Vorgehensweise, der sogenannten Moneytransfer-Masche", erklärt die Polizei. Bei dieser Masche geben sich Anrufer aus Callcentern in der Türkei als Bankmitarbeiter aus. Angerufen werden die Opfer mit manipulierten beziehungsweise unterdrückten Rufnummern. Die angeblichen Bankmitarbeiter bedienen sich vorwiegend zweier Lügengeschichten: Wegen der unlängst geänderten EU-Datenschutzrichtlinien müssten persönliche Daten und Kontodaten abgeglichen und somit beim Opfer telefonisch erfragt werden, beziehungsweise wegen der Ausstellung einer neuen Bank-, EC- oder Kreditkarte müssten die Bankdaten abgeglichen werden.

Im Erfolgsfall rufen dann die meist akzentfrei deutsch sprechenden Täter beim Kreditinstitut des Geschädigten an. Dort geben sich die Betrüger als das ausgespähte Opfer aus und veranlassen Überweisungen. Zu Untermauerung der Glaubwürdigkeit erscheint meist die „gespoofte“, also die vorgetäuschte, Telefonnummer des Geschädigten im Display der Bankangestellten.

Vermögensschaden durch Masche liegt bei circa 170.000 Euro

Bei den bisher festgestellten unberechtigt überwiesenen Geldern handelt es sich meist um Einzelbeträge zwischen 1.000 und 5.000 Euro, berichtet die Polizei. Der bislang eingetretene Vermögensschaden belaufe sich auf circa 170.000 Euro. Weitere betrügerische Transaktionen in einer Gesamthöhe von rund 150.000 Euro habe durch polizeiliches Einschreiten verhindert beziehungsweise rückgebucht werden können.

Aktuell werden durch die Staatsanwaltschaft Augsburg rund 150 Fälle wegen Überweisungsbetrugs und Geldwäsche gegen die Gruppierung geprüft. Die beiden im Zuge der Razzia festgenommen Männer im Alter von 21 und 22 Jahren wurden bereits dem Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Augsburg vorgeführt, der die bestehenden Haftbefehle eröffnete und in Vollzug setzte. Die beiden Täter sitzen seitdem in Untersuchungshaft. (pm)
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