Nach dem Polizistenmord: Wie sehr leidet Diana K.?

Rudolf Rebarczyk und sein Bruder Raimund Mayr wurden wegen des Mordes an dem Polizisten Mathias Vieth zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. (Foto: Archiv)

Vor mittlerweile mehr als sechs Jahren wurde der damals 41-jährige Polizist Mathias Vieth im Dienst erschossen. Seine Kollegin Diana K., die während des Angriffs ebenfalls verletzt wurde und noch Jahre danach mit vor allem psychischen Folgen der Tat zu kämpfen hat, verklagt die beiden Täter Rudolf Rebarczyk und Raimund Mayr auf 40 000 Euro Schmerzensgeld. Anfang Mai wird der Prozess vor dem Augsburger Landgericht fortgesetzt.

Vieth und seine damals 30-jährige Kollegin beobachteten am 28. Oktober 2011 gegen 3 Uhr am Kuhsee zwei verdächtige Männer. Als die Streifenpolizisten die beiden kontrollieren wollten, flüchteten diese mit ihrem Motorrad. Die Beamten forderten über Funk Verstärkung an und nahmen die Verfolgung auf. In einem Waldstück geriet das Motorrad ins Schleudern. Als die Polizisten die Verdächtigen stellen wollten, eröffneten diese das Feuer. Vieth wurde mehrfach an Hals und Kopf getroffen und verstarb noch am Tatort. Diana K. erlitt einen Streifschuss an der Hüfte und einen schweren Schock.

Die Täter flüchteten zu Fuß. Eine 40-köpfige Sonderkommission übernahm die Suche nach den beiden, die Polizei setzte eine Belohnung in Höhe von 100 000 Euro für Hinweise aus, der Fall wurde in der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY ungelöst" thematisiert.

Der Mord war eine "regelrechte Exekution"

Der damals 56-jährige Rudolf Rebarczyk aus Lechhausen und sein Bruder, der 58-jährige Raimund Mayr aus Friedberg wurden schließlich im Dezember 2011 als Tatverdächtige festgenommen. Rebarczyk hatte bereits eine 19-jährige Haftstrafe abgesessen, weil er 1975 den damals 30-jährigen Polizisten Bernd-Dieter Kraus erschossen hatte. Ab Februar 2013 stand er erneut vor Gericht. Mord, versuchter Mord, schwerer Raub und Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz lauteten diesmal die Anklagepunkte gegen ihn und seinen Bruder.

Vor dem Landgericht stritten die beiden alle Vorwürfe ab. Das Gericht sah ihre Schuld aufgrund von Indizien wie DNA-Spuren dennoch als erwiesen an und verglich den Mord an dem Polizisten mit einer "regelrechten Exekution" mit einer Salve aus einem Kalaschnikow-Schnellfeuergewehr, als der Beamte bereits angeschossen am Boden lag. Beide sitzen nun eine lebenslange Haftstrafe ab, Rebarczyk soll danach in Sicherungsverwahrung bleiben.

Für Diana K. aber war der Fall mit dem Urteil nicht abgeschlossen. Obgleich sie nur leicht verletzt wurde, seien es vor allem die psychischen Folgen der Tat, unter denen sie noch immer leide, sagte sie zu Beginn des Schmerzensgeld-Prozesses im Dezember 2016 aus. Sie habe ein Knalltrauma, also eine Schädigung des Innenohrs, und eine posttraumatische Belastungsstörung erlitten. "Ich hatte Tag und Nacht Angst, konnte nicht mehr alleine sein und habe schlecht geschlafen", schilderte sie dem Gericht die Zeit nach dem Erlebnis. Sie habe wieder arbeiten wollen, sei aber immer erschöpfter gewesen und habe schließlich ihren Alltag nicht mehr bewältigen können.

Nach einem stationären Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik und einer Wiedereingliederung arbeitet K. mittlerweile wieder bei der Polizei, allerdings nur noch im Innendienst. Die Panikattacken habe sie aber nach wie vor, erzählte sie.

Im Januar 2017 entschied das Zivilgericht, dass ein psychiatrisches Gutachten eingeholt werden soll. Es soll klären, inwiefern die Polizistin durch die Tat beeinträchtigt ist. Die Kosten dafür in Höhe von 3000 Euro muss Diana K. selbst tragen. Am 9. Mai wird der Prozess fortgesetzt. (
Von Kristin Deibl)
1
Einem Autor gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.