Neuer Prozess gegen pädophilen Kinderarzt: Er missbrauchte 21 Buben

Der Kinderarzt Harry S. war für den Missbrauch von 21 Buben zu dreizehneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. (Foto: Kristin Deibl)

Der Prozess gegen den ehemaligen Kinderarzt  Harry S. hatte für Aufsehen gesorgt: Wegen des Missbrauchs von Kindern hatte ihn die Jugendkammer des Landgerichts Augsburg am 10. März 2016 zu einer Haftstrafe von dreizehneinhalb Jahren mit Sicherungsverwahrung und lebenslangem Berufsverbot verurteilt. Nun wird der Fall neu verhandelt. 

Die dritte Strafkammer unter Vorsitz von Dr. Roland Christiani wird sich ab 12. November, 13.30 Uhr, erneut mit dem Fall des Kinderarztes beschäftigen. Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil gegen Harry S. in Teilen aufgehoben, so dass nun, nach Erholung eines neuen Sachverständigengutachtens, erneut verhandelt werden muss.

19 Verhandlungstage angesetzt

Für die neue Verhandlung sind zunächst 19 Verhandlungstage vorgesehen. Mit einer höheren Strafe muss der Angeklagte wegen des sogenannten Verschlechterungsverbotes nicht rechnen.

S. hatte bereits zu Beginn des Prozesses 2016 ein Geständnis abgelegt. Damit wird es in der erneuten Verhandlung nicht um die Frage gehen, ob er schuldig ist. Stattdessen soll geprüft werden, ob er vollumfänglich schuldfähig war oder sein sexuelles Verlangen so krankhaft war, dass er sich nicht kontrollieren konnte.

Neues Gutachten soll verminderte Schuldfähigkeit klären

Dafür soll nun erneut ein Gutachten erstellt werden. Sollte sich eine verminderte Schuldfähigkeit bestätigen, würde das Urteil wohl deutlich milder ausfallen. Statt der Haftstrafe und der anschließenden Sicherungsverwahrung könnte der 42-Jährige möglicherweise auch in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung untergebracht werden. Auch wenn Pädophilie als nicht heilbar gilt, könnte er dann entlassen werden, wenn er gelernt hat, seinen Drang zu kontrollieren und ein Gutachter bescheinigt, dass er keine Gefahr mehr darstellt.

In der Verhandlung vor der Jugendkammer hatte das Gericht eine verminderte Schuldfähigkeit ausgeschlossen. Während seiner Arbeit als Kinderarzt habe sich S. nichts zuschulden kommen lassen und sei stets für sein Verhalten gegenüber seinen Patienten gelobt worden. Das zeige, dass er sich kontrollieren könne, hatte das Gericht entschieden.
S. Verteidiger hatten die lange Haftstrafe und die Sicherungsverwahrung schon nach dem ersten Urteil als zu hart empfunden. Sie sind von der verminderten Schuldfähigkeit ihres Mandanten überzeugt.

Der Kinderarzt hatte 21 Jungen sexuell missbraucht

Der Kinderarzt hatte seit Ende der 90er Jahre 21 Buben in Garagen, Keller oder Hauseingänge gelockt, bot ihnen kleine Geldbeträge und Playmobilfiguren dafür an, dass sie sich auszogen und er Fotos von ihrem Intimbereich schießen durfte. Einige Jungen betäubte und vergewaltigte er. Ins Visier der Polizei kam S. erst 2014, als er in Hannover einen fünfjährigen Jungen entführte. Der 42-Jährige missbrauchte diesen in seiner Wohnung, und setzte ihn anschließend völlig verstört wieder aus. (mh/kd)
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