Obdachlos trotz Einkommen? - Friedberger zieht vor Verwaltungsgericht

Ein Friedberger Obdachloser zog nun vor das Augsburger Verwaltungsgericht, um gegen einen von der Stadt Friedberg ausgestellten Räumungsbescheid zu klagen (Symbolbild). (Foto: gorosi,123rf.com)

Darf man mit einem festen, geregelten Einkommen immer noch in einer Unterkunft für Menschen ohne Obdach wohnen? Ein Friedberger Obdachloser zog nun vor das Augsburger Verwaltungsgericht, um gegen einen von der Stadt Friedberg ausgestellten Räumungsbescheid zu klagen.

Der Friedberger war lange Zeit ohne Arbeit und Einkommen und hatte in einer Obdachlosenunterkunft Quartier bezogen. Da er nun ein festes Einkommen hat, wurde er bereits mehrfach von der Stadt Friedberg zum Auszug aufgefordert. Dem war der Mann bisher nicht nachgekommen. Der Streit landete gestern schließlich vor dem Augsburger Verwaltungsgericht, wo der Obdachlose gegen die Zwangsräumung klagte. Der Vorsitzende des Gerichts erläuterte gleich zu Anfang, dass die zuständigen Behörden nur dann gesetzlich verpflichtet sind zu helfen, wenn Gefahr für Leib und Leben bestehe. Wer einen Beruf und ein festes Einkommen hat, zählt demnach nicht mehr zu den Obdachlosen.

Laut eigenen Angaben habe der Kläger aber gar keine Chance, eine eigene Wohnung zu beziehen, da die Stadt Friedberg ein psychiatrisches Gutachten über ihn erstellt hätte. Dieses besage, er wäre nicht fähig, alleine zu wohnen. „Wenn ich falsche Angaben mache, mach’ ich mich dann strafbar?“, fragte er das Gericht, um seine Zwickmühle zu verdeutlichen.
Einen Rechtsberater hatte der Mann für seine Klage nicht an seiner Seite. Es habe sich niemand gefunden, um seine Klage vorzubringen, da „kein Anwalt den Mund aufmacht“, erklärte der Friedberger ohne einen der übrigen Prozessbeteiligten zu Wort kommen zu lassen. Der Versuch sich Hilfe zu holen, sei eher hinderlich gewesen, als dass er ihn weitergebracht hätte, verstrickte sich der Obdachlose in Widersprüchen.

Mehr und mehr wurde schließlich klar, dass den Mann bloße Existenzangst vor Gericht getrieben hatte. Er würde seinen Job als Lastwagenfahrer verlieren, sollte er keinen festen Wohnsitz mehr haben.

Als die Verhandlung drohte, sich in den ausführlichen Darstellungen des Klägers, die er hitzig vorbrachte, zu verzetteln, kam ihm der Vorsitzende im Namen der Stadt Friedberg mit einer Vereinbarung entgegen.

Wenn der Obdachlose die Anklage fallen ließe, würden die Gerichtskosten storniert und er bekäme einen letzten Aufschub bis zum 1. Februar 2019, um die Unterkunft zu räumen. Der Friedberger ging schließlich darauf ein.
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