Pferde zu Unrecht gepfändet: Streit um teure Tiere landet in Augsburg vor Gericht

Ein Mann wollte Schulden eintreiben. Die gepfändeten Pferde gehörten aber einer anderen. (Foto: byrdyak/123rf.com)

Vergaloppiert hat sich ein Mann bei der Pfändung zweier Pferde. Der Fall landete schließlich in Augsburg vor Gericht.

Max M. (alle Namen geändert) sah sich am Ende seiner Geduld. Schon länger schuldete ihm Franz S. 70 000 Euro. Also sah er sich im Rahmen der Zwangsvollstreckung auch auf einem Gut im Kreis Weilheim-Schongau um, auf dem zwei Pferde untergebracht waren, von denen er glaubte, diese würden Franz S. gehören. Sie schienen ihm wertvoll. Folglich beauftragte er einen Gerichtsvollzieher damit, die Rösser zu pfänden. Davon bekam nicht nur Franz S. Wind, sondern auch seine Tochter Anja, der die Pferde in Wirklichkeit gehören. Die beiden wiesen Max M. auf die tatsächlichen Eigentumsverhältnisse hin, noch bevor der Gerichtsvollzieher zur Tat schritt. Doch dieser glaubte ihnen nicht und erteilte unbeeindruckt dem Gerichtsvollzieher den Vollstreckungsauftrag, den dieser auch ausführte.

Natürlich wollte Anja S. ihre geliebten Tiere schnellstmöglich zurück. Also setzte die Frau einen Anwalt in Marsch. Jedes Pferd hat einen Pass, der Besitzer außerdem eine entsprechende Eigentümerurkunde. Nachdem der Rechtsanwalt also diese Unterlagen vorlegte, sah Max M. ein, dass die beiden Pferde nicht seinem Schuldner gehören. Er nahm seinen Vollstreckungsauftrag zurück. Der Gerichtsvollzieher gab die beiden Huftiere wieder frei. In der Folgezeit stellte der Anwalt Anja S. als Honorar rund 3600 Euro in Rechnung. Sie bezahlte, wollte aber, dass Max M. ihr das Geld erstattete. Einmal mehr zeigte sich dieser uneinsichtig, deshalb reichte sie vor dem Zivilrichter am Amtsgericht Augsburg Klage ein. Nach mehreren Monaten Wartezeit kam es zur Verhandlung.

Erst informieren, dann pfänden

Dann bekam die Frau Recht. Max M. habe bei der Pfändung der Pferde fahrlässig das Eigentum der Klägerin verletzt und vorschnell gehandelt, so das Urteil. Das Gesetz schreibt vor: Wer eine Pfändung in Auftrag gibt, muss sich vorher davon überzeugen, dass das, was er pfänden lassen möchte, auch wirklich seinem Schuldner gehört. Max M. hätte also vorab Nachforschungen darüber anstellen müssen, ob der Einwand von Vaters und Tochter berechtigt war. Er hätte dann noch vor der Pfändung erfahren können, dass tatsächlich die Frau die Eigentümerin der Pferde war.

Die Honorarforderung des Anwalts sah das Gericht als durch die unrechtmäßige Pfändung verursachten Schaden, den Max M. der Pferdebesitzerin ersetzen müsse. Die Höhe des Anwaltshonorars errechnet sich im Übrigen aus dem Streitwert - und dieser lag bei 70 000 Euro. Der Beklagte ging zunächst gegen das Urteil in Berufung. Anja S. sah fast ein weiteres Jahr kein Geld, bis die Berufung endlich als unbegründet zurückgewiesen wurde. (mg)
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