Physiotherapeut aus dem Kreis Augsburg missbraucht Patientin

Der Mann aus dem Augsburger Land wurde vor Gericht wegen sexuellen Missbrauchs und sexueller Nötigung unter Ausnutzung eines Behandlungsverhältnisses zu 7800 Euro Geldstrafe verurteilt. (Foto: gorosi/123rf.com)

Ein Physiotherapeut kommt seinen Patienten sehr nah. Die Grenzen eindeutig überschritten hat ein 47-Jähriger aus dem Kreis Augsburg. Er wurde wegen sexuellen Missbrauchs und sexueller Nötigung unter Ausnutzung eines Behandlungsverhältnisses nun zu 7800 Euro Geldstrafe verurteilt. Richterin Melanie Koch sagte, der Mann habe auf verwerfliche Weise das Vertrauensverhältnis zu einer Patientin ausgenutzt.

Der Therapeut zeigte sich von Anfang an geständig. Dadurch ersparte er der jungen Frau, der gegenüber er sich übergriffig gezeigt hatte, die Aussage vor Gericht.

Der verhängnisvolle Tag ereignete sich im Dezember vergangenen Jahres. Mit seiner Patientin verband den Physiotherapeuten ein freundschaftliches Verhältnis. Allerdings ein platonisches - jedenfalls ging die verheiratete Frau davon aus. So entsetzte es sie um so mehr, als der Therapeut ihr während einer Massage plötzlich in den BH faste. Sie schlug seine Hand weg, rappelte sich auf, da fasste er sie und zwang ihr einen Kuss auf. Trotz ihrer Gegenwehr gelang es ihm, die Flüchtende noch gegen die Tür zu drücken und erneut zu bedrängen. Noch heute ist die zierliche Patientin von den Vorfällen traumatisiert.

Zu Prozessbeginn regte Verteidiger Moritz Bode ein Gespräch hinter verschlossenen Türen an. Davon versprach er sich eine "verfahrensbeschleunigende Verständigung". Zumal sein Mandant sich reuig zeigte, gelang das Vorhaben. Richterin Melanie Koch erklärte im Anschluss an der Gespräch, man habe sich auf eine Strafe im Bereich von 90 bis 150 Tagessätzen geeinigt. Eine große Rolle spielte dabei der sogenannte Täter-Opfer-Ausgleich. Der Physiotherapeut hatte 4000 Euro Schmerzensgeld an die Patientin gezahlt. Das lief über den SKM. Dieser bietet die Möglichkeit, dass sich Täter und Opfer treffen und das Geschehen aufarbeiten. Während der Masseur sich gerne persönlich entschuldigt hätte, lehnte die Patientin eine Begegnung mit ihrem Peiniger ab. Sie ist noch Monate später so traumatisiert, dass sie unter Schlafstörungen leidet. Also wirkte der SKM lediglich als Vermittler der finanziellen Entschädigung.

Zumal die junge Frau bereits die Vernehmung bei der Polizei als sehr belastend empfand, hatte sie darum gebeten, dass ihr die Aussage vor Gericht erspart werde. Sie verfolgte den Prozess als Zuhörerin, wurde zunächst aber gebeten, vor dem Saal zu warten - falls man sie doch noch als Zeugin gebraucht hätte. Der 47-Jährige erklärte, er habe zur Tatzeit private Probleme gehabt. Er habe gemeint, zu der Frau könnte eine "mehr als freundschaftliche Beziehung" möglich sein. Immerhin habe man sich mit Wangenküsschen begrüßt. Er bedauere seine Verfehlung. In seiner hoch verschuldeten Praxis beschäftigt er mehrere Mitarbeiter. Er gab seinen Verdienst mit netto 1800 bis 2000 Euro an.

Staatsanwalt Nicolas Pfeil erklärte, da das Geständnis der Patientin die Aussage erspare, sei es hoch zu werten. Dennoch stehe fest, dass der Physiotherapeut die hilf- und wehrlose Lage der leicht bekleideten Frau auf seiner Liege ausgenutzt habe. Deshalb könne man nicht von einem minderschweren Fall ausgehen, als den Verteidiger Bode das Verhalten des Angeklagten gerne gewertet gesehen hätte. Aufgrund des Täter-Opfer-Ausgleichs reduzierte sich der Strafrahmen jedoch zugunsten des Therapeuten von einem Jahr auf drei Monate. Pfeil plädierte auf eine Strafe von 150 Tagessätzen zu je 70 Euro.

Rechtsanwalt Moritz Bode sagte, aufgrund des freundschaftlichen Verhältnisses zwischen Therapeut und Patientin könne man nicht von der Ausnutzung einer hilflosen Lage ausgehen. Allerdings habe der 47-Jährige "einen unglaublichen Bockmist verzapft". Er plädierte auf 90 Tagessätze zu je 50 Euro Geldstrafe.
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