Plünderung während Bomben-Evakuierung an Weihnachten 2016 - Gericht verurteilt Angeklagten

Während der Bomben-Evakuierung in Augsburg an Weihnachten 2016 räumte ein 51-Jähriger die Wohnungen seiner Nachbarn aus (Foto: Markus Höck)

Im Fall eines 51-Jährigen, der sich vor Gericht wegen einer Plünderung während der Bomben-Evakuierung zu Weihnachten 2016 verantworten musste, ist nun ein Urteil gesprochen worden.

Der Prozess begann bereits am vergangenen Mittwoch und wurde schließlich um eine Woche vertagt. Drei Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes (BKA) wurden für den Fortsetzungstermin als Zeugen geladen, ihre Aussagen sollten das genaue Ausmaß der vom Angeklagten entwendeten Gegenstände beleuchten.

Der 51-Jährige, der – so die Anklage – die Abwesenheit der anderen Mieter seines Wohnhauses genutzt habe, um in deren Wohnungen einzubrechen und diverse Elektrogeräte, Uhren und Parfums zu entwenden, wird, im Unterschied zum letzten Mal, nicht in Handschellen in den Saal geführt. Er ist seit wenigen Stunden aus der Haft entlassen und stellt sich nun direkt dem Urteil des Schöffengerichts. In dem entsprechenden Wohnhaus sei er am Morgen gewesen, erzählt er, dort wohne er ab jetzt auch wieder. Nicht allzu lange, wie wenig später klar wird.

Die Anhörung der drei Beamten des BKA ist schnell vorüber. Nur einer von ihnen war aktiv an der Spurensicherung beteiligt und auch dort nur in den Wohnungen der Geschädigten, wie er aussagt. Der 38-Jährige und sein Kollege seien am Abend des 25. Dezembers hinzugezogen worden, nachdem der Angeklagte in der Sperrzone unter anderem mit einem Fernseher aus der Wohnung seines Nachbars angetroffen worden war.

Gegenstände aus zweiter Wohnung konnten beim Angeklagten nicht gefunden werden

Als sie im Haus die Spurensicherung durchführten, hätten sie zwar die Wohnungen der Geschädigten, allerdings nicht die des Angeklagten untersucht. „Man hat also nicht geschaut, ob in der Wohnung des Angeklagten etwas von den entwendeten Gegenständen zu finden war?“, hakt die Richterin nach. Das bejaht der Zeuge, es seien auch „dubiose Umstände“ gewesen und so habe er sich nur auf die beiden geplünderten Apartments konzentriert. Auch auf Nachfragen der Richterin und der Verteidigung ergeben sich keine neuen Erkenntnisse. Ob und welche der verschwundenen Gegenstände sich zu diesem Zeitpunkt in der Wohnung des Angeklagten befunden haben, kann nicht mehr nachvollzogen werden. Bestätigen kann der Beamte nur, dass bei einer Überprüfung, die schließlich eine Woche nach der Befragung der Geschädigten erfolgte, keine der fehlenden Habseligkeiten gefunden werden konnten.

Das Vorgehen der Beamten kritisiert der Verteidiger in seinem Plädoyer heftig. „Hätte die Polizei an dem Abend sauber gearbeitet, hätte das meinen Mandanten eventuell entlastet“, führt er an. Er bezieht sich damit auf die Aussage des 51-Jährigen, eine Gruppe weiterer Personen habe die Apartments aufgebrochen und geplündert, er selbst habe nur etwas aufgeräumt und schließlich den Fernseher, Verstärker und eine Fernbedienung von einem der Geschädigten mitgenommen. Dazu passe, laut der Verteidigung, das kaputte Schloss der Haustür des Gebäudes: „Wenn man wirklich mal mitdenkt, hatte mein Mandant doch keinen Grund, dieses Schloss aufzubrechen“. Denn als Hausbewohner hat er einen Schlüssel. Auch die Aussage des zweiten Geschädigten, sein Fernseher wäre viel zu schwer, um von einer Person alleine getragen zu werden, sei bestätigend für die Aussage des Angeklagten. Er fordert schließlich fünf Monate Freiheitsentzug für den Diebstahl der drei Elektrogeräte, die der Besitzer bereits zurückerhalten hat.

Staatsanwältin fordert zweieinhalb Jahre Freiheitsentzug

Anders sieht das die Staatsanwaltschaft. Die Aussage des Angeklagten hält sie für „ziemlich unglaubwürdig“. Die Spuren am Schloss seien lediglich Kratzer und keine „Einbruchsspuren“. Damit könne der „ominöse Dritte“ ausgeschlossen werden. Das Motiv habe sich der Angeklagte zudem selbst geliefert: Er habe die Gegenstände gegen Heroin tauschen wollen, um seine Sucht zu befriedigen. Er sei daher mit zwei Jahren und sechs Monaten Freiheitsentzug zu bestrafen.

Der 51-Jährige wirkt ruhig, als er den Gerichtssaal wenig später zur Urteilsverkündung hinter seinem Verteidiger betritt. Auch als das Gericht ihn für schuldig befindet und eine Haftstrafe von zwei Jahren anordnet, bleibt er gefasst. Sie schließe gar nicht aus, dass Dritte an den Einbrüchen beteiligt waren, erklärt die Richterin. Zweifelhaft sei aber, warum diese aus einer der Wohnungen sämtliche Elektrogeräte entwenden würden, inklusive der elektrischen Zahnbürste – „die ja vermutlich benutzt war“ – in der anderen allerdings den Fernseher stehen ließen. „Sicher ist, der Angeklagte war dabei.“
1
Einem Autor gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.