Schlägerei beim Eishockey: Drei Täter vor Gericht

(Symbolbild) (Foto: David Libossek)

Eigentlich hätte es nur ein einfacher Familienausflug zum Eishockey-Spiel der Augsburger Panther gegen den ERC Ingolstadt im vergangenen Jahr werden sollen. Für einen 44-Jährigen und seinen 23-jährigen Sohn hatte der Tag nun ein Nachspiel vor Gericht – gefährliche Körperverletzung lautete der Vorwurf. 

Vater und Sohn sollen einen 26-jährigen ERC-Fan im Bereich der Gästetoilette des Curt-Frenzel-Stadions grundlos niedergeschlagen und daraufhin weiter auf ihn eingeschlagen haben. Hierdurch erlitt er eine Nasenfraktur, zwei abgesplitterte Zähne und eine Platzwunde an der Lippe, wodurch er an starken Schmerzen litt und zweimal an der Nase operiert werden musste. Doch der Abend war für den Ingolstadt-Fan und seinen 19-jährigen Bruder an diesem Spieltag noch nicht vorbei. Ebenfalls vor Gericht stand deshalb ein 29-jähriger ehemaliger AEV-Ultra, der dem 19-Jährigen nach Spielende mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben soll. Daraufhin floh der Täter, konnte jedoch von der Polizei gestoppt werden.

„Es sollte nur ein Weihnachtsgeschenk sein“

Der 23-jährige Angeklagte war zusammen mit seiner ganzen Familie beim Spiel im Curt-Frenzel-Stadion. Sie seien eigentlich keine Fans und hatten seinem Vater die Karten nur als Familienausflug zu Weihnachten geschenkt. Dass sie aufgrund dieses Abends vor Gericht stehen würden, hätte keiner der beiden Angeklagten gedacht. „Es herrschte bereits eine aggressive Stimmung, als ich in der ersten Drittel-Pause das Gästeklo des Stadions aufsuchte“, beschreibt der 23-Jährige den Beginn des Vorfalls vor Gericht. Es befanden sich bereits mehrere Fans des AEV und des ERC im Raum, die sich gegenseitig provozierten. Unter ihnen war auch das 26-jährige Opfer. Wohl aufgrund eines Missverständnisses im Gerangel der Menge soll der ERC-Fan den Angeklagten am Bart gepackt und weggeschubst haben. Vollkommen überfordert von der Situation, habe der Angeklagte dem 26-Jährigen daraufhin mit der Faust ins Gesicht geschlagen, gibt er zu. Dies habe er aber nur zum Schutz getan. „Ich wollte einfach nur raus.“

„Ich wollte nie jemanden verletzen, ich wollte nur meinem Sohn helfen“

Der mitangeklagte Vater war bereits kurz vor seinem Sohn auf die Toilette gegangen und wurde erst durch die Schreie und das Gerangel auf seinen Sohn aufmerksam. „Das ist mein Sohn“, schrie der angeklagte 44-Jährige immer wieder, als er sich, nach eigenen Angaben, einen Weg durch die volle Gästetoilette bahnen wollte. Hierbei habe er mehrere Leute aus dem Weg gestoßen, darunter auch den 26-Jährigen. Die Polizei löste schließlich die Schlägerei auf. Am selben Abend ereignete sich für das Opfer und seinen 19-jährigen Bruder noch ein weiterer gewalttätiger Vorfall. Als sie nach Spielende auf ihr Taxi warteten, stürmte auf einmal der dritte Angeklagte, ein Fan der Panther, auf den 19-Jährigen zu. Da dieser eine Fan-Jacke des ERC Ingolstadt trug, schlug der 29-Jährige ihn im Vorbeirennen, woraufhin der 19-Jährige gegen einen Briefkasten flog. Hierdurch erlitt der Ingolstadt-Fan eine Gehirnerschütterung.

Der Angeklagte wisse auch nicht so genau, wie es so weit kommen konnte und betont, dass er den 19-Jährigen nicht gezielt verletzen wollte.  Die weiteren Zeugenaussagen tragen wenig bei zur Klärung des Falls: Der damalige Alkoholkonsum und der lange Zeitraum zwischen Aussage und den Vorfällen trübte die Erinnerung der Zeugen. Immerhin einigen sich beide Parteien, auf eine Zahlung von 3500 Euro von Vater und Sohn an den 26-Jährigen. Im Fall des dritten Angeklagten kam es bereits vor der Verhandlung zwischen dem 19-jährigen Opfer und dem Täter zu einem „Täter-Opfer-Ausgleich“, worin sich der Angeklagte mit einem Brief für die Vorfälle entschuldigte. Außerdem wurde ein Schmerzensgeld in Höhe von 500 Euro vereinbart.

„Ich bin überzeugt, dass sie so etwas nie wieder tun würden“

„Ich war selten so überzeugt davon, dass jemand es nicht wieder tun würde, wie bei meinem Klienten“, betont der Verteidiger das Schuldbewusstsein des 23-Jährigen. Alle drei Angeklagten habe das Verfahren sehr belastet und die Verteidigung geht davon aus, dass die drei daraus gelernt haben. Dennoch verweist die Richterin bei der Urteilsverkündung auf die folgenschweren Auswirkungen der gefährlichen Körperverletzung für die beiden Opfer.

Da sowohl der Vater als auch der Sohn keinerlei Vorstrafen besitzen und ein stabiles Sozialleben haben, verurteilt die Richterin den 23-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Monaten auf Bewährung und den 44-jährigen Vater zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung, von ebenfalls drei Jahren. Des Weiteren müssen beide je 3500 Euro für einen gemeinnützigen Zweck bezahlen. Der dritte Angeklagte erhielt, aufgrund seiner drei Vorstrafen wegen Körperverletzung, eine Freiheitsstrafe von zwölf Monaten auf Bewährung. Auch er muss 2000 Euro an einen guten Zweck zahlen. Abschließend betont die Richterin noch einmal, dass gewaltsames Verhalten bei Sportveranstaltungen nichts zu suchen habe und deshalb auch dagegen vorgegangen werden müsse.
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