Schwester sexuell genötigt: 24-Jähriger vor Gericht

24-Jähriger muss für ein Jahr ins Gefängnis. Weil er ein Geständnis ablegte, blieb ihm eine härtere Strafe erspart. (Foto: gorosi/123RF.com)

Weil er sich an seiner Schwester vergriffen und sie mit einem Küchenmesser bedroht haben soll, musste sich am Freitag ein 24-Jähriger vor einem Augsburger Schöffengericht verantworten.

„Es war eine unschöne, geschmacklose Tat, die keine Schwester dieser Welt erleben möchte“, fasste der Vorsitzende Richter, Dominik Wagner, zusammen. Der Angeklagte zeigte Reue und war geständig. Das ersparte ihm eine höhere Strafe. So muss er jetzt für ein Jahr hinter Gitter.

Gefängnis – das ist für den 24-Jährigen keine neue Erfahrung. Wegen einer „anderen Sache“ wurde er bereits in Handschellen aus der JVA Gablingen vorgeführt. Dass der gebürtige Wiener die Tat einräumte, rechnete ihm das Gericht hoch an. Denn ohne Geständnis wäre es vermutlich nur unter sehr schwierigen Umständen zu einem Urteil gekommen, „wenn überhaupt“, sagte der Richter. Zumal die Mutter des 24-Jährigen die Aussage verweigerte. Immerhin wurde bereits im zweiten Anlauf verhandelt. Das hat seinen Grund: Die Hauptzeugin, die Schwester des Angeklagten, hat Einreiseverbot. Sie ist für das Gericht nicht greifbar.

Bevor richtig verhandelt wurde, handelten Gericht, Staatsanwältin Julia Ehlert und Verteidiger Thomas Reitschuster hinter verschlossenen Türen einen Deal aus.

Bei einem umfänglichen Geständnis wurde dem 24-Jährigen ein Haftrahmen zwischen elf Monaten und einem Jahr und vier Monate zugesichert. Auf diesen Handel ließ sich der gelernte Elektro-Techniker ein. Er gestand, dass er im August vorigen Jahres seiner damals 28-jährigen Schwester ohne Vorankündigung die Beine auseinanderschob und ihr von oben in die Hose sowie in die Unterhose griff. „Es kam zu einer leichten Berührung der Vagina“, hielt ihm Staatsanwältin Ehlert vor. Die überraschte Schwester sei ins Schlafzimmer geflüchtet und habe ihrer Mutter von dem Vorfall erzählt. Auch wenn es für den jungen Mann „sehr schwer“ war, sich auszudrücken, räumte er die Vorwürfe ein.

Dass er anschließend aber seine Schwester und seine Mutter mit einem 25 Zentimeter langen Küchenmesser bedroht haben soll, bestritt er vehement. „Ich habe das Messer nur gegen mich selbst gerichtet.“ Der Anklagepunkt wurde schließlich wegen Geringfügigkeit eingestellt.

Inzestuöse Vorlieben seien nicht im Spiel gewesen. Er habe, so versuchte er zu erklären, die 28-Jährige als Frau attraktiv und anziehend gefunden, nicht als Schwester.

Wie es zu der Tat gegen zwei Uhr morgens in der Küche kam, wollte das Gericht wissen. „Wir waren vorher in der Kneipe und hatten was getrunken“, erklärte der Angeklagte. „Ich kann nicht viel vertragen, aber ich trinke gerne“. Schon in der Pubertät habe er sich Sexfilme angeschaut. Die hätten ihn animiert. „Das Ganze hat vielleicht zehn Sekunden gedauert, wenn es hochkommt“, teilte er auf Nachfrage mit.  Seit seinem 16. Lebensjahr rauchte der Angeklagte regelmäßig Cannabis. Und seit 2013 hat er sich zudem dem Alkohol verschrieben. Zunächst war es nur Bier, dann wurde es Schnaps. „Ich ging morgens besoffen zur Arbeit und abends besoffen heim“, gab er bereitwillig Auskunft. Mittlerweile habe sich das aber geändert, er sei clean. „Ich hatte sehr viel Zeit, mich mit meinen Gedanken zu unterhalten“, erklärte er. Dass ihm seine Mutter zudem eine Radikalisierung zum Islam hin unterstellte, kam bei der Verhandlung eigentlich nur vom Angeklagten selbst zur Sprache. „Ich hatte lediglich einen Facebook-Account, sonst war da gar nichts“, hob er hervor.

Da der Angeklagte bereits dreimal – Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz, Körperverletzung und Räuberischer Diebstahl – mit dem Gesetz in Konflikt kam, kam für Staatsanwältin Julia Ehlert eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung nicht mehr in Frage. Sie beurteilte die Tat als „besonders ekelhaft“.

In Handschellen wurde der 24-Jährige zurück in seine Zelle in Gablingen geführt. (Alfred Haas)
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.