Sexueller Missbrauch in Augsburger Grundschule: Ist der Täter schuldunfähig?

An der Wittelsbacher Grundschule soll der 21-Jährige im Oktober ein neun Jahre altes Mädchen missbraucht haben. Foto: Kristin Deibl

Augsburg - Das Entsetzen war groß, als im Oktober vergangenen Jahres bekannt wurde, dass ein 21-Jähriger in der Wittelsbacher Grundschule nahe Kongresshalle eine Neunjährige auf der Schultoilette vergewaltigt hatte. Jetzt attestiert ein Gutachter dem Täter, dass dieser schuldunfähig ist. Derzeit ist der Beschuldigte einstweilig in einer psychiatrischen Klinik untergebracht.

Der Vorwurf: Es geschah in den Mittagsstunden. Der junge Mann sprach das Mädchen auf dem Gang an und folgte ihm dann in die Schultoilette. Dort vergewaltigte und missbrauchte er das Kind. Wie die Polizei damals mitteilte, schrie die Kleine um Hilfe, und eine Mitschülerin reagierte genau richtig. Sie wandte sich sofort an einen Lehrer. Diesem gelang es, den Täter zu überwältigen. Er hielt ihn fest, bis die Polizei eintraf.

Der 21-Jährige wurde anschließend in den Polizeiarrest gebracht und dann vom Ermittlungsrichter in Untersuchungshaft geschickt. Weil sich dort aufgrund des Verhaltens des jungen Mannes gewisse Vermutungen ergaben, kam er Mitte Dezember in ein Bezirkskrankenhaus. Im Unterbringungsbefehl werden dem Beschuldigten außer der Vergewaltigung und des schweren sexuellen Missbrauchs des Kindes noch weitere Delikte zur Last gelegt. Ein Gutachter untersuchte ihn und stellte Ende Januar fest, dass er aufgrund einer psychischen Erkrankung die Taten in der Schule im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen habe.

Sicherungsverfahren entscheidet, was mit dem Angeklagten passiert

Derzeit liegen die Akten beim Augsburger Landgericht. "Es wurde eine Abschlussverfügung getroffen", sagt Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai. "Weil diese den Verfahrensbeteiligten noch nicht bekannt ist, kann ich keine weiteren Auskünfte erteilen - auch wenn andere Medien, was unüblich ist, schon etwas verbreiten." Die genaue Diagnose des 21-Jährigen sei im Übrigen nichts, was der Öffentlichkeit mitgeteilt werde, denn das verstoße grundsätzlich gegen jedes Persönlichkeitsrecht, so der Oberstaatsanwalt.

Der 21-Jährige wird der Drogenszene zugerechnet. Es ist Sache des Landgerichts, im Rahmen eines Sicherungsverfahrens zu entscheiden, was mit dem Verdächtigen passieren soll. In Frage käme die dauerhafte Unterbringung in einer geschlossenen Abteilung für Straftäter. 14 solche Einrichtungen mit forensischer Psychiatrie gibt es im Freistaat. Die Dauer des sogenannten Maßregelvollzugs ist nicht festgelegt. Jedes Jahr muss ein Gericht prüfen, ob im Falle einer Entlassung noch immer eine potenzielle Gefährdung für die Allgemeinheit bestehen würde. Wann die Verhandlung stattfinden wird, steht noch nicht fest, sie wird jedoch voraussichtlich in weiten Teilen nichtöffentlich vor dem Jugendschutzgericht geführt.

Der Vorfall auf der Toilette war Anlass, die Sicherheitskonzepte aller Schulen zu überprüfen. Ergebnis: Schulen, deren Gelände frei zugänglich ist - beispielsweise das Rudolf-Diesel-Gymnasium - sollen eingezäunt werden.

Bildungsreferent Hermann Köhler meinte damals, die Schulen seien selbst dafür zuständig, für größtmögliche, individuelle Sicherheit zu sorgen. Allerdings: Wenn jemand hinein wolle, könne man das nie verhindern.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.