Spendengelder veruntreut: Staatsanwaltschaft Augsburg klagt Vorstandsmitglieder der Kinderkrebshilfe Bayern an

Zwei ehemalige Vorsitzende der Kinderkrebshilfe Bayern müssen sich im kommenden Jahr vor dem Amtsgericht Augsburg verantworten. Sie sollen Spendengelder veruntreut haben. (Foto: Symbolbild: Sebnem Ragiboglu - 123rf.de)

Geworben wurde beispielsweise mit zu Herzen gehenden Fotos und traurigen Geschichten auf der Homepage. So gelang es dem Verein "Kinderkrebshilfe Bayern" über Jahre hinweg, Spenden zu generieren. Unbürokratische Verwendung wurde versprochen. Darunter stellten sich die Spender vermutlich etwas anderes vor, als dann mutmaßlich geschah: Gelder in sechsstelliger Höhe sollen veruntreut worden sein. Die Staatsanwaltschaft Augsburg hat jetzt Anklage gegen zwei Vorstandsmitglieder der Kinderkrebshilfe Bayern mit Sitz in Adelsried erhoben. Eine 49 Jahre alte Frau und ein 38-jähriger Mann sollen sich Anfang nächsten Jahres wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Untreue vor dem Amtsgericht verantworten.

Bei den Angeklagten handelt es sich um die ehemalige Vorsitzende des Vereins und ihren Ex-Mann. Dem Angeklagten wird laut Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai zur Last gelegt, in 152 Fällen zwischen Januar 2016 und Oktober 2017 Spender über die Verwendung der Gelder zur Unterstützung krebskranker Kinder getäuscht und 160 000 Euro für sich verwendet zu haben. Auf die Frau entfallen 80 Fälle. Zudem sollen die beiden zwischen Juli 2015 und April 2017 in 87 (der Angeklagte) beziehungsweise 59 Fällen (die 49-Jährige) Überweisungen vom Konto des Fördervereins in Höhe von mehr als 130 000 Euro für eigene Zwecke vorgenommen haben.

Das Strafgesetzbuch sieht für Betrug und Untreue jeweils Freiheitsstrafe von einem Monat bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe vor. Bei gewerbsmäßiger Begehung erhöht sich der Strafrahmen auf bis zu zehn Jahre.

Die Ermittlungen richteten sich ursprünglich gegen vier Personen. Gegen zwei, darunter eine Seniorin, wurden sie mangels Tatnachweis eingestellt. Dubios mutete beispielsweise an, dass der Verein mit der Geschichte eines an Leukämie erkrankten Geschwisterpaares zu Spenden aufrief, obwohl die Aktion für die betroffene Familie bereits beendet war.

Der Prozess wurde auf die Donnerstage 7. und 14. Februar, jeweils 9 Uhr, Saal 141, terminiert.

Die ehemalige Vorsitzende des Vereins "Kinderkrebshilfe Bayern" - sie wurde Ende 2016 aus dem Amt gewählt - wurde vor gut einem Jahr bereits zivilrechtlich verurteilt. Sie wurde von ihrem Ex-Mann, der ihr als Vereinsvorsitzender nachfolgte, auf Schadenersatz verklagt. Sie sollte demnach rund 39 000 Euro an den Verein zurückzahlen. Das Geld soll sie für die Tilgung eines Privatkredits verwendet haben. Das Paar hatte sich 2015 im Streit getrennt. (mg)
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