Spurensicherung auf Smartphones: Hochschule und Polizei kooperieren

Professor Gordon Thomas Rohrmair (links), Präsident der Hochschule Augsburg, und Michael Schwald, Präsident des Polizeipräsidiums Schwaben Nord, besiegeln die Kooperationsvereinbarung. Foto: Hochschule Augsburg

Das Institut für innovative Sicherheit der Hochschule Augsburg (HSA_innos) und das Polizeipräsidium Schwaben Nord möchten in Zukunft ihre Zusammenarbeit im Bereich der IT-Forensik intensivieren. Das sieht der Kooperationsvertrag vor, der nun von Professor Gordon Thomas Rohrmair, Präsident der Hochschule Augsburg, und Michael Schwald, Präsident des Polizeipräsidiums Schwaben Nord, unterzeichnet wurde.

Ziel des Vertrags ist es, die Zusammenarbeit in Forschung, Entwicklung und Ausbildung im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik zu formalisieren und zu koordinieren.

"Die Entwicklungen gerade im Bereich der IT-Forensik sind enorm und entfalten eine unheimliche Dynamik und Geschwindigkeit. Die Kooperation ermöglicht uns, unsere Forschungen mit einem starken Partner wie der Polizei Schwaben Nord widerzuspiegeln, aktuelle Trends zu analysieren und auf ihren Nutzen hin zu überprüfen", erklärt Rohrmair. Und Schwald ergänzt: "Wir wollen mit der Kooperation den Wissenstransfer zwischen Polizei und Hochschule intensivieren. So haben wir die Möglichkeit, an innovativen Entwicklungen teilzuhaben, diese für die kriminalistische Ermittlungsarbeit zu nutzen und festgestelltes Täterverhalten anonymisiert in künftige Bekämpfungsstrategien einzubringen, um es Straftätern möglichst schwer zu machen."

Die Kooperation sieht beispielsweise vor, dass die Experten der Polizei Schwaben Nord in kontinuierlichem Austausch mit den HSA_innos-Informatikern stehen, um sich über aktuelle Entwicklungen in der IT-Forensik zu informieren und gemeinsam zu diskutieren. Zusätzlich sollen Möglichkeiten für Hospitanzen und Praktika geschaffen sowie passgenau Weiterbildungsmöglichkeiten entwickelt werden.

Im Anschluss an die Vertragsunterzeichnung gab der Leitende Kriminaldirektor Marco Böck, Leiter des Sachgebietes Kriminalitätsbekämpfung, einen Einblick in die Ermittlungsarbeit der Polizei und berichtete anhand aktueller Fallbeispiele über die Möglichkeiten von IT-Forensik zur Verbrechensaufklärung.

Die Anzahl von Smart Devices, also mobile Endgeräte, die an das Internet angeschlossen sind, steigt permanent. Smartphones, Geräte wie Lampen, Steckdosen, Bewegungsmelder an Fenstern und Türen, Küchen- und Haushaltsgeräte sind miteinander vernetzt, stehen im permanenten Austausch untereinander und sammeln aber auch gleichzeitig Daten über den Nutzer. Eigenschaften, die sich bei der Verbrechensaufklärung nutzen lassen.

„Die Einbeziehung von Smart Home Devices bei den Ermittlungsarbeiten erlaubt ganz andere Fragestellungen am Tatort und erweitert unser Spektrum der Aufklärungsmöglichkeiten erheblich“, so Böck.

Wie die Datenauslese bei einem Smartphone aussieht, wenn beispielsweise die üblichen Schnittstellen wie Bluetooth oder USB zerstört sind, erklärte anschließend Peter Schulik, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut HSA_innos. Gemeinsam mit seinem Team arbeitet er an fortgeschrittenen Methoden und Techniken, die Daten von Smartphones und Smart Devices auszulesen und zu rekonstruieren.

„Mobile Endgeräte werden immer komplexer. Die traditionellen Verfahren zur Sicherung und Auswertung von digitalen Spuren stoßen langsam an ihre Grenzen“, erklärt Schulik. So demonstrierte er beispielsweise bei dem Pressetermin ein sogenanntes nicht thermisches Chip-Off-Verfahren: Der wärmeempfindliche Speicherbaustein wird mit einer Fräse und einer Schleifmaschine vorsichtig aus dem Smartphone gelöst, bevor die Rekonstruktion des Speicherabbildes erfolgen und die Analyse der Inhalte stattfinden kann.(pm)
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