Tödliche Attacke am Königsplatz: Polizei nennt weitere Details

Auf einer Pressekonferenz hat das Polizeipräsidium Schwaben Nord einige weitere Details zur schockierenden Gewalttat vom Freitag bekannt gegeben. (Foto: Laura Türk)

Drei Tage nachdem ein 49-Jähriger im Augsburger Zentrum Opfer einer schockierenden Gewalttat wurde, hat das Polizeipräsidium Schwaben-Nord am Montag auf einer Pressekonferenz weitere Informationen zum derzeitigen Stand der Ermittlungen bekannt gegeben.

Zu sehr ins Detail gehen wollte man allerdings nicht, denn obwohl inzwischen alle sieben mutmaßlichen Täter gefasst werden konnten, will das Emittlungsteam der Augsburger Kriminalpolizei etwa verhindern, dass künftige Zeugenaussagen durch öffentliche Informationen verfälscht werden.

"Teilweise unerträgliche Anfeindungen“ gegen Polizei

Polizeipräsident Michael Schwald äußerte sich in diesem Zusammenhang auch deutlich gegen „teilweise unerträgliche Anfeindungen“, die sich das Polizeipräsidium in den vergangenen drei Tagen in den sozialen Medien habe gefallen lassen müssen.

Die unbegründeten Vorwürfe etwa, die Polizei habe absichtlich die Nationalität der Täter geheim gehalten. Fest steht inzwischen: Alle sieben beteiligten, jungen Männer wurden in Augsburg geboren. Sie sind zwischen 17 und 20 Jahre alt. Besonders kurz nach der Tat hätten sich die Zeugenaussagen, was mögliche Nationalitäten der mutmaßlichen Täter angeht, stark unterschieden. Auf den Videoaufnahmen seien die Gesichter der Jugendlichen außerdem kaum zu erkennen gewesen.

Der 17-jährige Haupttäter hat die deutsche, türkische und die libanesische Staatsbürgerschaft. Fünf der Mittäter sind ebenfalls deutsche, teilweise auch gleichzeitig türkische Staatsbürger, einer hat die italienische Staatsbürgerschaft. „Ich möchte versichern, dass wir überhaupt nichts zu verheimlichen und zu vertuschen haben“, sagte Schwald.

Aus ermittlungstaktischen Gründen habe man beschlossen, die Öffentlichkeitsfahndung, und damit auch eine genaue Beschreibung der Täter, bis auf den Sonntag zurückzustellen. Denn schon am Samstag gingen die Ermittler davon aus, dass sie die Täter schnell fassen würden. „Der Ermittlungserfolg gibt uns auch recht“, betonte Schwald.

Feuerwehrmann starb noch im Rettungswagen

Der erste Notruf sei am Freitag um 22.42 Uhr eingegangen. Als um 22.44 Uhr die erste Streife am Königsplatz eintraf und Reanimationsmaßnahmen durchführte, sei es für den 49-Jährigen bereits zu spät gewesen. Der Feuerwehrmann starb noch im Rettungswagen. Seinen 50-jährigen Begleiter verletzten die Jugendlichen schwer im Gesicht. Obwohl die genauen Hintergründe der Tat noch unklar seien, habe sich der Tatablauf auf der Auswertung der Videoüberwachung gut verfolgen lassen.

Der 49-Jährige war mit seiner Frau und einem befreundeten Paar auf dem Weg zurück vom Augsburger Christkindlesmarkt, als die kleine Gruppe auf die sieben Jugendlichen traf. Die beiden Personengruppen seien eine Weile parallel gelaufen und hätten sich dann pfeilförmig aufeinander zubewegt, bis die zwei Paare schließlich an den Jugendlichen vorbei liefen.

Ein Schlag mit verheerenden Folgen

Auf den Videoaufnahmen sei dann zu erkennen, wie sich der 49-Jährige umdrehte und auf die Jugendlichen zuging. Es kam wohl zu einem kurzen Wortwechsel, die sieben jungen Männer umringten das spätere Todesopfer. Dann schlug der 17-jährige Haupttäter zu.

„Der Schlag war unvermittelt, von der Seite und mit voller Wucht und hat so zum Tode geführt“, sagte Gerhard Zintl, der die Ermittlungen der Augsburger Kripo leitet. Die sieben Täter wandten sich dann dem 50-Jährigen zu, der seinem Freund helfen wollte, und verletzten diesen schwer. Die beiden Frauen waren einige Meter voraus gegangen und wurden nicht angegriffen. Insgesamt habe die Tat wohl „nicht mehr als 20 Sekunden“ gedauert, so Zintl.

Videoaufnahmen vom Kö halfen bei der Fahndung

Die schnellen Ermittlungsergebnisse seien unter anderem der Videoüberwachung am Königsplatz zu verdanken, betont die Polizei, aber auch der professionellen Arbeit der Beamten. Noch in der Freitagnacht nahm eine 20-köpfige Mannschaft die ersten Ermittlungen auf. Man wusste, dass es sich bei den Tätern um Jugendliche oder junge Erwachsene handelte, hatte aber unterschiedliche Beschreibungen von Zeugen und Videoaufnahmen, die die Gesichter der Täter kaum zeigten.

In der Nacht auf Sonntag habe man dann den entscheidenden Hinweis von einem „jungen Mann“ erhalten. Die Beamten befragten in den Augsburger Clubs Besucher. Der Hinweis bewahrheitete sich, und die Ermittler hatten den ersten Namen.

Im Laufe des Sonntags konnten sie dann alle sieben Tatverdächtigen festnehmen. Der Haupttäter war der Polizei bereits wegen mehrerer „jugendtypischer“ Delikte bekannt, unter anderem auch wegen Körperverletzung.

Zu einem möglichen Auslöser der Tat wollten die Ermittler am Montag noch keine Angaben machen. Der Feuerwehrmann habe sich allerdings „absolut regelkonform verhalten“, wie auf den Videos zu erkennen sei. Gegen den Haupttäter wurde inzwischen ein Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachtes des Totschlags erlassen, die sechs Mittäter werden wegen Beihilfe zum Totschlag angeklagt. Alle sieben müssen sich außerdem wegen der schweren Körperverletzung an dem 50-Jährigen verantworten.

„Die Tat hat in der Stadt und darüber hinaus Bestürzung und Fassungslosigkeit hervorgerufen“, sagte Schwald. „Das gilt auch für die Polizei. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl gelten den Angehörigen des Opfers und des verletzten Begleiters.“
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