Trinkgeld veruntreut? Drei Augsburger Wirte sollen 40.000 Euro für sich behalten haben

Drei Augsburger Wirte müssen sich nun vor Gericht verantworten. Sie sollen in mehreren Lokalen Trinkgeld veruntreut haben. (Foto: Symbolbild: Sebnem Ragiboglu-123rf.com)

Das Gesetz regelt es eindeutig: Trinkgeld gehört demjenigen, dem der Gast es überreicht. Oft ist es üblich, wenn alle damit einverstanden sind, dass die Kellner einen gewissen Betrag davon an Mitarbeiter weitergeben, die keinen direkten Kundenkontakt haben. Auf keinen Fall aber gehört Trinkgeld dem Chef. Deshalb nahmen gestern drei prominente Augsburger Wirte auf der Anklagebank des Augsburger Amtsgerichts Platz. Ihnen wird vorgeworfen, 2014 und 2015 in insgesamt rund 1800 Fällen fast 40 000 Euro für sich behalten zu haben.

Zwei der Gastwirte standen, nachdem anonym diverse Vorwürfe gegen sie bei Zoll und Staatsanwaltschaft vorgetragen worden waren, 2017 schon einmal vor dem Strafrichter. Damals ging es um Schwarzarbeit, die Veruntreuung von Arbeitsentgelt. Während der Verhandlung relativierten sich die Vorwürfe. Das Verfahren gegen den einen wurde eingestellt, der andere zahlte eine kleinere Geldstrafe. Weil jedoch in großem Umfang mehreren Lokale und die Privatwohnungen der Wirte durchsucht worden waren, stieß man, sozusagen nebenbei, im Laufe der akribischen Ermittlungen auch auf Verdachtsmomente hinsichtlich der Trinkgeldabrechnung.

Mehrere Kellnerinnen berichteten gestern als Zeuginnen, dass sie ihr Trinkgeld soweit schon behalten konnten. Aber am Ende ihrer Schicht in den Lokalen der Angeklagten waren sie angewiesen, stets ein Prozent vom Umsatz zusätzlich zu den Einnahmen in einen Umschlag zu stecken und in den Tresor zu legen. Das Geld gehe beispielsweise an die Küchenhilfen, wurde ihnen gesagt. Doch kam es dort wirklich an? Das bezweifelt Staatsanwalt Markus Eberhard.

Ein Küchenchef erklärte, er habe nie etwas vom Trinkgeld abbekommen. Da er sich aber gerecht bezahlt fühlte, habe er sich dem Thema nicht intensiver gewidmet. Ein Thekenmitarbeiter jedoch, der das Vertrauen zweier Angeklagter genoss, könnte sich als Schlüsselfigur herauskristallisieren.

Thekenkraft gibt überraschend Unterschlagung zu

Der 62-Jährige sagte im Zeugenstand zunächst, er habe am Monatsende stets das einbehaltene eine Prozent zwischen sich, den sogenannten "Läufern" - Kellnern, die nicht kassieren - und dem oben genannten Küchenchef aufgeteilt, der es an seine Crew weitergeben sollte. Das werde letzterer jetzt aber nicht zugeben, weil er wohl Angst vor dem Finanzamt habe. "Wirklich?", zweifelte der Staatsanwalt, denn normales Trinkgeld ist schließlich steuerfrei.

Dann jedoch zauberte der Verteidiger des einen Wirts, Günter Gollmann, einen handgeschriebenen Brief hervor. Den hatte der Thekenmitarbeiter im August vergangenen Jahres an seinen Chef geschrieben: "Ich habe das Trinkgeld nicht immer korrekt verrechnet, sondern einen Großteil selbst genommen", gesteht er. Er habe finanzielle und familiäre Probleme und sich gedacht, die Köche und Kellner - "die bonieren, rauchen und ratschen, die kassieren sich dumm und dämlich und bescheißen auch noch" - hätten schon genug Geld. "Sie haben also Geld genommen, das zwei der Angeklagten Ihnen für die anderen Mitarbeiter gegeben hatten?", hakte Richter Roland Fink nach. "Ja", bekräftigte der Zeuge. Danach sagte er nichts mehr, denn er weiß: Nun wird auf ihn ein Verfahren wegen Veruntreuung zukommen.

Der Aichacher Rechtsanwalt Marc Sturm, der, wie auch Werner Ruisinger einen der Wirte verteidigt und mit der Steuerkanzlei kooperiert, die die Buchhaltung für seinen Mandanten und dessen Kompagnons erledigt, ist sich sicher, dass die Anklagen nicht haltbar sind. Er wird, verriet er gestern, auf Freispruch plädieren. Das Verfahren wird am Dienstag, 21. Mai, fortgesetzt.
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