Um 275.000 Euro betrogen: Händler verkauft Autos, die er nicht besitzt

Zu 1,6 Jahren auf Bewährung wegen Betrugs wurde ein 43-Jähriger verurteilt, der angeblich versteigerte Autos weiterverkaufte. (Foto: Symbolbild: rclassenlayouts - 123rf.com)

Wegen Betrugs in drei Fällen wurde am Mittwoch am Amtsgericht Augsburg ein 43-Jähriger verurteilt. Der gelernte Schweißer hatte nie in diesem Beruf gearbeitet, sondern stattdessen als Autohändler sein Geld verdient. Im Jahr 2011 gab er an mehrere Autos, die er angeblich ersteigert hatte, an zwei verschiedene Händler in Aichach verkaufen zu wollen. Er verlangte Anzahlungen in Höhe von insgesamt 275 000 Euro, die er auch bekam. Allerdings besaß er die Autos in Wahrheit gar nicht, und lieferte sie darum auch nie aus.

Vor den Betrugsfällen hatte der Angeklagte bereits fünf Jahre lang als Autohändler gearbeitet. Einem der beiden Händler hatte er, laut Angaben von Verteidiger Ralf Schönauer, bereits 800 Autos verkauft. Zu dem Betrug habe der 43-Jährige sich schließlich entschlossen, da er Probleme mit dem Finanzamt hatte und in seiner Heimat in Russland „dubiosen Kreditgebern“ Geld schuldete, die ihn sehr unter Druck gesetzt hätten.

Im August 2011 legte er dem Händler, mit dem er bereits länger Geschäfte gemacht hatte, die Daten von fünf Pkws vor, die er angeblich auf einer Internetplattform ersteigert hatte. Im Laufe der Geschäftsbeziehungen war der Händler dazu übergegangen, die Hälfte des Preises als Anzahlung schon vor Auslieferung der Fahrzeuge zu zahlen. So zahlte er dem Angeklagten auch in diesem Fall die geforderten 150 000 Euro. Der 43-Jährige lieferte die Fahrzeuge allerdings nie aus. In einem weiteren Fall bot er dem selben Händler erneut drei Fahrzeuge an, für welche er eine Anzahlung von 100 000 Euro erhielt. Ein anderer Händler zahlte ihm 25 000 Euro für Autos, die nie geliefert wurden.

Nach einem Rechtsgespräch räumte der Angeklagte alle Vorwürfe ein. Er entschuldigte sich bei den beiden Betrugsopfern, die als Zeugen geladen waren, doch wegen des Geständnisses nicht vor Gericht aussagen mussten. Einer sagte er nehme die Entschuldigung zu Kenntnis, nicht so neutral reagierte der zweite Geschädigte: „Der soll mir aus den Augen gehen, das ist mir zuwider“, sagte er. Der Angeklagte gab außerdem an, er wolle den entstandenen Schaden zurückzahlen. Er habe einen Job in Aussicht, bei dem er monatlich 1800 Euro verdienen würde. 1000 Euro wolle er jeden Monat an die Geschädigten zurückzahlen.

Erst im Jahr 2017 festgenommen wurde der 43-Jährige, da er im Jahr 2012 nach Bosnien zog. Dort arbeitete er in einem Getränkemarkt, kehrte allerdings wegen Schulden nach Deutschland zurück. Nun habe er keine Schulden mehr, gab der Angeklagte an. Er wohnt bei seiner Mutter in Aichach und hat zwei Kinder, die bei ihrer Mutter in Dasing leben.
Die Staatsanwaltschaft hielt dem Angeklagten zu Gute, dass er die Tat umfänglich eingeräumt hatte. Er habe sich außerdem bei den Angeklagten entschuldigt, und diese Entschuldigung könne auch ernst genommen werden. Trotzdem sei er natürlich schuldig und es handelte sich im hohe Summen, eine Freiheitsstrafe von 2 Jahren sei angemessen.

Bei einer positiven Sozialprognose könne diese, auch Aufgrund der Zeit, die seit der Tat vergangen ist, auf Bewährung ausgesetzt werden, mit einer Auflage: Der Angeklagte müsse innerhalb von 18 Monaten jeweils 20 000 beziehungsweise 5 000 Euro an die Geschädigten zurückzahlen. Verteidiger Schönauer forderte aufgrund der besonderen Umstände und der harten Bewährungsauflage eine Haftstrafe von von einem Jahr und sechs Monaten.

Richter Ralf Hirmer verurteilte den Angeklagten schließlich zu einer Strafe von 1,6 Jahren, ausgesetzt zur Bewährung. „Sie sind bereit, den Schaden wieder gutzumachen, deshalb sehe ich hier eine positive Sozialprognose und besondere Umstände“, sagte Hirmer zum Angeklagten. Den verursachten Schaden muss er zurückzahlen, als Bewährungsauflage 25 000 Euro davon in den nächsten 18 Monaten. Das Urteil ist rechtskräftig.
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