Verurteilter Schleuser wird zum Schläger: Schwägerin, Cousin und Tochter verprügelt

Das Urteil lautete schließlich auf ein Jahr und acht Monate. (Foto: icedmocha/123rf.com)

Was genau in dem Mann vorging, als er an drei Tagen binnen eines Monats Anfang vergangenen Jahres erst seine Cousins, seine Schwägerin und schließlich sogar noch seine jüngste Tochter schlug und trat, erfuhren die Zuhörer nicht. Denn im Mittelpunkt der Verhandlung vor Richterin Susanne Scheiwiller stand einmal mehr ein sogenannter Deal.

Hinter verschlossenen Türen besprachen sich Richterin, Staatsanwalt, Nebenklagevertreter und Verteidigerin. Im Falle eines Geständnisses, das den Opfern potenziell belastende Aussagen erspare, werde der Angeklagte nicht mehr als zwei Jahre Haft zu erwarten haben, hieß es.

Der 34-jährige Angeklagte ist kein unbeschriebenes Blatt. Der gebürtige Afghane reiste via Frankreich nach Deutschland ein, nachdem er in dem Nachbarland als Schleuser verurteilt worden war und eine Haftstrafe verbüßt hatte. In und um Augsburg leben einige Verwandte. Doch auch in Deutschland machte er sich strafbar; im November 2015 wurde er erneut wegen Schleusens von Flüchtenden verurteilt. Er bekam eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Drei Jahre lang sollte er sich nichts mehr zuschulden kommen lassen. Das schaffte er nicht.

An einem Dienstag im Februar 2018 drosch er so massiv mit der Faust auf seinen Cousin ein, dass dieser einen Bruch der rechten Augenhöhle, des Jochbeins und der Kieferhöhle erlitt. Warum rastete der Angeklagte dermaßen aus? Das wurde vor Gericht nicht erläutert. Sein Opfer jedenfalls musste operiert werden, ihm wurde für ein Jahr eine Metallplatte eingesetzt. Der Mann trug auch Nervenschäden davon.

Vier Wochen später richtete sich der Zorn des 34-Jährigen gegen seine junge Schwägerin. Er suchte diese in ihrer Wohnung in Schwabmünchen auf, zerrte sie an Schal und Pulli von der Couch, beschimpfte sie und schlug sie bewusstlos. Als die Frau am Boden lag, trat er wie von Sinnen auf sie sein, so dass er - wie er behauptete und es das Gericht glaubte - aus Versehen auch seine dreijährige Tochter traf. Das Kind trug ein blaues Auge davon, die Schwägerin Frakturen im Kopfbereich, die operativ versorgt werden mussten.

Zwei Tage später schlug der Angeklagte wieder einen Mann zusammen. Dieser kam mit weniger tragischen Verletzungen davon. Nach den Taten tauchte er zunächst ab, seit Dezember sitzt er in Untersuchungshaft.

Es tue ihm leid, wandte sich der Afghane gestern an die Verletzten, besonders, dass er auch seine Tochter getroffen habe. Die Schwägerin weinte. Richterin Scheiwiller meinte, bei derart heftigen Schlägen und Tritten habe der 34-Jährige schlimme Folgen, wenn nicht beabsichtigt, so doch zumindest in Kauf genommen. Da er die Taten während laufender Bewährung verübt hatte, kam nur noch eine Freiheitsstrafe in Betracht. Der Staatsanwalt plädierte auf zwei Jahre, die Verteidigerin auf eineinhalb. Das Urteil lautete schließlich auf ein Jahr und acht Monate.
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