Wie löste sich der Armbrust-Pfeil? Prozess um Kopfschuss an der A8 geht weiter

Der Prozess um einen Kopfschuss an der Kapelle St. Salvator an der A8 geht weiter. (Foto: Symbolbild: Sebnem Ragiboglu-123rf.com)

Fast zwei Jahre liegt die Tat nun zurück: Im Juli 2017 schoss der Angeklagte einem 19-Jährigen an der Kapelle St- Salvator an der A 8 in den Kopf. Ende April begann der Prozess, und der Angeklagte erzählte, wie es aus seiner Sicht zu dem Schuss gekommen war. Gestern sagten nun mehrere Zeugen vor Gericht aus.

Am ersten Prozesstag hatte der 41-jährige Angeklagte ausgesagt, dass der 19-Jährige ihn zu dem Pendlerparkplatz gelockt hatte, um ihm seine beiden legalen Waffen zu stehlen. Die habe der Angeklagte wegen eines Umzugs nach Brasilien verkaufen wollen. Er glaubte, auf einem Online-Portal einen Käufer gefunden zu haben.

Doch als er am vereinbarten Treffpunkt ankam, habe er nur den 19-Jährigen vorgefunden, der ihm seine Armbrust verkaufen wollte. Er sei zunächst davon ausgegangen, dass ein Dritter beide dort hingelockt hatte. Auf der Rückfahrt habe ihn dann ein Anruf des 19-Jährigen erreicht: Sein Auto springe nicht an, er bräuchte Starthilfe.

Pfeil löste sich nicht zufällig

Weil er ein mulmiges Gefühl gehabt habe, hätte der Angeklagte eine der beiden Waffen, die er eigentlich verkaufen wollte - eine Glock 17 Pistole - in die eine Hosentasche, ein Magazin mit drei Patronen in die andere gesteckt. Als er vor der Motorhaube des anderen Mannes stand, habe der plötzlich eine Armbrust in der Hand gehabt und damit auf ihn gezielt. Als der Angeklagte die Waffe wegschlug, sei ein Pfeil direkt an seinem Kopf vorbei geflogen. In dem Moment sei ihm klar gewesen, dass der 19-Jährige ihn auch töten würde, um an seine Waffen zu kommen.

Zufällig hätte sich der Pfeil der Armbrust nicht lösen können, sagte gestern der Waffensachverständige Axel Manthei. Die Waffe hat nach dem Spannen eine automatische Sicherung, die erst einmal gelöst werden muss. Zum Schießen muss dann der Abzug betätigt werden. Ein Schlag mit der Hand, wie vom Angeklagten beschrieben, hätte den Schuss laut Manthei nicht auslösen können.

"Kein Widerspruch zur dargestellten Situation"

Laut der Beschreibung des 41-Jährigen rang ihn der 19-Jährige nach dem Schuss zu Boden. Aus Todesangst habe er dann seine Waffe geladen und dem 19-Jährigen in den Kopf geschossen. Der Sachverständige hatte auch die Pistole des Angeklagten untersucht. "Das, was wir an Spuren gesehen haben, ist kein Widerspruch zur dargestellten Situation", sagte Manthei zur Aussage des Angeklagten.

Auch Beamte der Spurensicherung sagten aus. Sie hatten den abgeschossenen Pfeil der Armbrust vor einem Maisfeld in der Nähe sichergestellt.
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