Wie sicher sind die Kinder an Augsburgs Schulen?

Ein 21-jähriger Mann betrat die Wittelsbacher Grundschule am Dienstagmittag und missbrauchte ein neunjähriges Mädchen sexuell. (Foto: Kristin Deibl)

Plötzlich schrie ein neunjähriges Mädchen in einer Schule am Wittelsbacher Park um Hilfe. Die Schreie aus der Mädchentoilette wurden von einer Mitschülerin gehört. Sie informierte umgehend einen Lehrer. Dieser überwältigte einen 21-Jährigen in der Toilette.

Der Vorfall ereignete sich nach Angaben der Polizei am Dienstagmittag in der Grundschule am Wittelsbacher Park. Um 12.50 Uhr ging der Notruf bei der Polizei ein, dass an der Schule ein Mann eine Schülerin belästigt habe. Ein 21-jähriger Pole aus dem Landkreis Augsburg hielt sich unbefugt auf dem Schulgelände auf und soll das neunjährige Mädchen zunächst angesprochen haben. Daraufhin sei er mit ihr auf die Mädchentoilette gegangen, wo er das Kind sexuell missbraucht haben soll. Dort wurde er von dem zur Hilfe eilenden Lehrer festgehalten, bis die Polizei eintraf. Auf der Toilette „kam es – ersten Ermittlungen zufolge – offenbar zu einem sexuellen Missbrauch“, erklärt die Polizei. Was sich genau auf der Mädchentoilette zugetragen haben soll, wurde im Hinblick auf das Wohl des Kindes und wegen der laufenen Ermittlungen noch nicht bekannt gegeben.

Tatverdächtiger wegen versuchter Vergewaltigung in Haft

Nachdem der 21-Jährige seit dem Übergriff in Arrest saß, wurde er gestern Mittag dem Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Augsburg vorgeführt, der den von der Staatsanwaltschaft beantragten Haftbefehl wegen versuchter Vergewaltigung und versuchtem schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes erließ und anschließend in Vollzug setzte. Die Neunjährige wurde unmittelbar nach dem Vorfall schulpsychologisch betreut.
In Augsburg ereigneten sich im vergangenen Jahr insgesamt 34 Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern, die der Polizei bekannt sind. Allerdings war der Tatort nie eine Schule.

Wie der mutmaßliche Täter unbemerkt in das Gebäude gelangen konnte, ist nun Gegenstand der Ermittlungen. Seit 2002 gibt es in Bayern Vorschriften zum Schutz der Schüler vor Gefährdungen, auch für den Fall von Amokläufen. Jede Schule erstellt ein individuelles Sicherheitskonzept. Dieses beinhaltet, wie sich im Ernstfall zu verhalten ist und wer wann informiert wird. Damit tritt die Schule an die Polizei heran. Gemeinsam wird das Konzept „abgestimmt und regelmäßig überarbeitet“, sagt Stefan Faller vom Polizeipräsidium Schwaben.

Mehrere Ereignisse an Schulen in Augsburg

Der Missbrauch an der Grundschule ist der extremste einer ganzen Reihe von Vorfällen in der jüngeren Vergangenheit an Augsburger Schulen. Nachdem vor fast einem Jahr die Herrenbachschule aufgrund einer Drohmail evakuiert werden musste, wurden am Donnerstag vergangener Woche die circa 200 Schüler der Heinrich-von-Buz Realschule vorsorglich in Sicherheit gebracht, da ein 31-jähriger Anwohner gegenüber der Schule an seinem Fenster mit einer Waffe hantierte. Zudem kam es am Montag zu einem größeren Polizeieinsatz an einer weiterführenden Schule in der Ulmer Straße, nachdem dort ein 16-jähriger Schüler seinen Mitschülern eine Schreckschusswaffe zeigte. In beiden Fällen stellte sich heraus, dass die Waffen äußerlich kaum von echten Schusswaffen zu unterscheiden waren. Handelte es sich bei dem 31-Jährigen um eine erlaubnisfreie Druckgaswaffe, erwartet den 16-Jährigen eine Anzeige. Man könne dabei aber nicht von einer Häufung sprechen, sondern es sei Zufall, dass diese Fälle gehäuft auftreten, sagt Faller.

Hermann Köhler, Bildungsreferent der Stadt Augsburg, betont, dass alle 70 öffentlichen Schulen im Verantwortungsbereich der Stadt sicher seien. Zugangskontrollen von Schülern oder die Installation eigener Security-Dienste, wie teilweise in den Vereinigten Staaten, seien hierzulande nicht in Planung.
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