1,5 Millionen für Mitarbeiter der Gersthofer Backbetriebe: Serafin kritisiert Gewerkschaft

Keine besinnliche Adventszeit für die Beschäftigten der Gersthofer Backbetriebe: Während andere Glühwein tranken und über den Christkindlesmarkt schlenderten, demonstrierten sie am vergangenen Freitag für ihren Dezemberlohn und eine angemessene Abfindung. Foto: Patrick Bruckner

Augsburg - Rund 1,5 Millionen Euro will die Serafin-Unternehmensgruppe, Gesellschafter der insolventen Gersthofer Backbetriebe, für die rund 500 Mitarbeiter zur Verfügung stellen, die kurz vor Weihnachten erfuhren, dass sie ihren Job verlieren werden. Das hatte die Unternehmensgruppe in der vergangenen Woche beschlossen, kurz bevor die Mitarbeiter am Freitag in Augsburg für ihren Dezemberlohn und eine angemessene Abfindung demonstrierten. Nun kritisiert Serafin die NGG. Durch ihr Verhalten habe die Gewerkschaft in Kauf genommen, dass Lohn und Weihnachtsgeld nicht mehr im Dezember ausgezahlt werden können.

Die Gewerkschaft zeigte sich mit dem angebotenen Betrag nicht zufrieden. Das Angebot sei auch kein Verhandlungsangebot, stellte Serafin in einer Pressemitteilung klar. Vielmehr handle es sich bei den über 1,5 Millionen Euro um eine freiwillige finanzielle Unterstützung der Mitarbeiter. "Diese Unterstützung hat nichts mit den Sozialplanverhandlungen zu tun und stellt im Falle von Insolvenzen eine seltene Ausnahme dar", schreibt das Unternehmen.

Die Sozialplanverhandlungen mit dem Insolvenzberater am Freitag habe die NGG abgebrochen. Die Serafin-Unternehmensgruppe nimmt an diesen Verhandlungen nicht teil. Das sei für Gesellschafter in einem solchen Verfahren auch nicht vorgesehen. In den Verhandlungen müssen sich Betriebsrat und Insolvenzverwalter einigen, wie die Beschäftigten angemessen für den Verlust ihres Arbeitsplatzes entschädigt werden können.

"Wenn die Verantwortlichen nicht zu einem Abschluss der Sozialplanverhandlungen kommen, dann wird der Insolvenzrichter eine Entscheidung treffen", schreibt Serafin. Die "Blockadehaltung" der Gewerkschaft führe dazu, dass die Mitarbeiter erst später ihre Zahlungen erhalten. Diese Verzögerung habe die Gewerkschaft nun auch in Bezug auf das Weihnachtsgeld und den von den Backbetrieben geschuldeten Dezemberlohn billigend in Kauf genommen, kritisiert die Unternehmensgruppe.

Durch das Hinauszögern der Verhandlungen hätten sie aufs Spiel gesetzt, dass das Geld nicht mehr in diesem Jahr ausgezahlt werden könnte. "Nur durch eine schnelle Lösung in Zusammenarbeit mit dem Insolvenzberater und Serafin konnte dies abgewendet werden", lobt sich der Gesellschafter. In Gesprächen mit der Agentur für Arbeit sei ihnen bestätigt worden, dass die Mitarbeiter erst dann Arbeitslosengeld beantragen können, wenn sie sich arbeitslos melden. Solange die Sozialplanverhandlungen nicht abgeschlossen sind, kann ihnen aber nicht gekündigt werden. Deshalb sind die Mitarbeiter bislang nur freigestellt. Auch die Vermittlung von Jobs sei erst nach den Verhandlungen möglich.

"Keine konstruktiven Verhandlungen möglich"

Die Vorwürfe Serafins gegen die Gewerkschaft NGG wiegen schwer: Sie sei nie an Lösungen für die Mitarbeiter interessiert gewesen, stattdessen stehe immer die Selbstdarstellung in der Öffentlichkeit im Vordergrund, behauptet der Gesellschafter. Die Gewerkschaft habe bereits seit einem Jahr von der schwierigen finanziellen Lage der Backbetriebe gewusst. "Dennoch waren zu keinem Zeitpunkt konstruktive Verhandlungen möglich", so Serafin. Die Unternehmensgruppe hat inzwischen 1,5 Millionen Euro auf ein Treuhandkonto überwiesen.

Rund eine halbe Million Euro soll für den Dezember-Lohn und das Weihnachtsgeld zur Verfügung stehen, der Rest sei für weitere Zahlungen an die Arbeitnehmer vorgesehen, in Abstimmung mit der Agentur für Arbeit und dem Betriebsrat. Mit diesem Betrag übt Serafin auch Druck auf die Gewerkschaft aus: Das Geld werde vom Treuhänder erst dann ausgezahlt, wenn die Sozialplanverhandlungen zwischen Insolvenzverwalter und Betriebsrat abgeschlossen sind.

Währenddessen hat die NGG gestern zu einer weiteren Demo in München aufgerufen. Die angebotenen 1,5 Millionen Euro hält sie für unzureichend. Die Serafin-Unternehmensgruppe, die die Backbetriebe 2014 übernommen hatte, sieht die Gewerkschaft in der sozialen Verantwortung, den Mitarbeitern auch eine angemessene Abfindung zu zahlen. Die nächste Sozialplanverhandlung soll heute stattfinden.
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