Aldi-„Pop up Bistro“: Stadträte beklagen "kommerzielle Verschandelung der Innenstadt"

In Augsburg hat Aldi Süd einen Standort am westlichen Königsplatz angefragt. (Foto: Katharina Schwarzott)

Für einen Zeitraum von acht bis zehn Wochen möchte der Discounter Aldi ein „Pop up Bistro“ auf dem Königsplatz aufbauen. Die Mitglieder des Augsburger Bauausschusses stehen dem Vorschlag ablehnend gegenüber. Das letzte Wort hat nun das Ordnungsreferat.

Das temporäre Gebäude besteht aus zusammenmontierten Seefrachtcontainern und bietet bei einer Größe von 15 mal 17 Metern Platz für bis zu 50 Personen auf zwei Etagen verteilt. Auf dem Dach befindet sich eine Terrasse. In Augsburg hat Aldi Süd einen Standort am westlichen Königsplatz, in der Nähe der Fußgängerquerung in Richtung Bahnhofstraße, angefragt. Wenn es nach Aldi geht, soll entweder von Anfang Mai bis Mitte Juli oder von Mitte Juli bis Ende September dort das Bistro vorübergehend errichtet werden.

Das Konzept, dass Gastronomien nur zeitweise an einem Ort gastieren, setzte sich in den vergangenen Jahren immer weiter durch und so erfreuen sich auch in Deutschland sogenannte Food-Trucks und Streetfood-Märkte immer größer werdender Beliebtheit. Und so war das Aldi Bistro bereits in mehreren Städten wie zum Beispiel in Köln und München zu Gast.

Acht Euro kostet ein drei Gänge Menü. Das Konzept der billigen Preise überzeugte den Bau- und Konversionsausschuss der Stadt Augsburg allerdings nicht. Das Gremium lehnte das Vorhaben von Aldi am Donnerstag ab.

„Aldi stellt einen 260 Quadratmeter Klotz hin und verschachert das Essen“ verurteilte Leo Dietz (CSU) das Marketingkonzept des Discounters. Ein weiteres Gegenargument war unter anderem, dass am angefragten Standort vier stark frequentierte Wegeverbindungen für Fußgänger und Radfahrer zusammen laufen. Vom Bahnhof kommend stellt der Ort, an dem das Bistro errichtet werden soll, den Zugang zur Fußgängerzone dar. Dieser sei mit großem Aufwand bewusst so gestaltet worden, dass der Zugang sich räumlich öffne und von Imbissbuden frei gehalten ist.

Ein "Ausbluten der Innenstadt"

Beate Schabert-Zeidler (Pro Augsburg) sprach in diesem Zusammenhang von einem „Ausbluten der Innenstadt“. Aldi würde alle Touristen, die vom Bahnhof kommen, abfangen und niemand würde bei den Imbissen, die danach kommen, noch etwas kaufen. Der Bereich um den Thormannbrunnen und die Baumrondelle biete ein wichtiges nicht kommerzielles Aufenthaltsangebot im öffentlichen Raum. Durch das Bistro würde dieser Gemeingebrauch empfindlich beeinträchtigt. Die Grünen bezeichneten das Vorhaben gar als „kommerzielle Verschandelung der Innenstadt“.

Des Weiteren darf Bewirtung in der Innenstadt ausschließlich aus einem Lokal heraus erfolgen. Eigenständige Bewirtungseinrichtungen wie Container, Wagen und Pavillons sind unzulässig. Die Genehmigung des Aldi-Bistros würde als Präzedenzfall diese Regelung aufweichen. Schabert-Zeidler gab zu bedenken, dass „nächstes Jahr Lidl kommt und es auch mal probieren will“ und dann ebenfalls eine Sondergenehmigung erteilt werden müsse.

Der einzige Fürsprecher war Wilhelm Leichtle von der SPD, der die Angelegenheit dem Stadtrat übergeben wollte, aber dann doch einer Diskussion im Bauausschuss zustimmte. „Wenn ich über den Platz gehe, strahlt er eine gewisse Öde aus. Man kann es doch zumindest einmal ausprobieren“, sagte Leichtle.

Unabhängig von der negativen Beurteilung des CSU geführten Ausschusses könnte das Ordnungsreferat das Pop up Bistro genehmigen. Den ursprünglich gewählten Standort Aldis auf dem Stadtmarkt hat das Referat aber bereits abgelehnt.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.