Artenschutz steht im Mittelpunkt des Offenen Treffens des BUND Naturschutz e.V. - Ortsgruppe Augsburg

Foto: Klaus Kuhn, "Maikäfer"
Bericht: Franziska Messinger, Claudia Klemencic
Foto: Klaus Kuhn
Am Freitag, 10. August 2018, war es wieder einmal soweit: Der BUND Naturschutz e.V. die Ortsgruppe Augsburg (BN) veranstaltete ihr monatliches Offene Treffen im Anna Café zum Thema Artenschutz und stellte sich den Fragen der interessierten Zuhörer von ca. 16 Gästen.

Insektensterben – Realität oder Panikmache?

Dass das Insektensterben Realität ist, konnte der Entomologe Dr. Klaus Kuhn, der sich seit knapp 40 Jahren mit verschiedensten Insektengruppen beschäftigt aus eigener Erfahrung bestätigen. Schon länger ist bekannt, dass viele seltene Arten immer stärker gefährdet sind und die Roten Listen länger werden. Neu ist die Tatsache, dass auch häufigere Arten in ihrer Menge stark abnehmen. Das haben Krefelder Entomologen in Langzeitstudien festgestellt. Diese Arten sind aber die Nahrungsbasis für viele Vögel, Säugetiere oder Frösche. Kein Wunder, dass auch diese Arten entsprechend seltener werden. Besonders ausgeprägt sind die Insektenrückgänge in der Agrarlandschaft. Eine Ursache ist der Rückgang von Brachflächen und Randstrukturen. Eine weitere Ursache ist die intensivere Nutzung, wie z.B. das häufigere Mähen der Wiesen oder das Wegspritzen von Ackerunkräutern. Der Einsatz von hochwirksamen Insektengiften in den Äckern trägt sicher auch großen Anteil am Insektensterben. „Nur mit Blühflächen lässt sich das Insektensterben sicher nicht bekämpfen. Wir brauchen eine andere Landwirtschaft, die weniger auf maximale Erträge und mehr auf Qualität und Umwelt- und Naturschutz setzt,“ meint der erfahrene Insektenforscher. Irene Kuhn, die Organisatorin des Offenen Treffens und im Vorstand der Ortsgruppe, ergänzte: „Dies funktioniert aber nur, wenn auch wir als Verbraucher diesen Weg unterstützen und auf dem Weg vom Acker zum Teller auch die Lebensmittelverschwendung eindämmen.“
Anschließend gaben Fabienne Lesser, sie betreut für die Ortsgruppe deren Facebook-Seite und Franziska Messinger, sie hat ihre Masterarbeit über Fledermäuse geschrieben, einen Einblick in das Leben der Fledermäuse und deren Gefährdung.

Fledermäuse sind in vielerlei Hinsicht faszinierende Tiere

Sie können sich auf Grund ihrer Echoortung nachts orientieren, schlafen kopfüber hängend ohne herunterzufallen und sind außerdem hochsoziale Wesen. Gerade zu dieser Jahreszeit kann es passieren, dass Augsburger ungewollt Bekanntschaft mit den Fledertieren machen. In der Vergangenheit kam es im August und September in der Augsburger Innenstadt häufiger zu sogenannten Invasionen, bei denen sich ganze Fledermausschwärme durch geöffnete Fenster in Wohnungen verirrt haben. Fabienne Lesser rät „in solchen Fällen heißt es Ruhe bewahren, die Fenster öffnen und das Licht ausschalten und falls dies nicht hilft, den Verein Fledermausschutz Augsburg e.V. kontaktieren.“ Leider stehen auch die Fledermäuse stark unter Druck. Durch das Insektensterben ist die Nahrung knapp. Pestizide und Holzschutzmittel an Gebäuden können zur Vergiftung der Tiere führen. Die Veränderung und Zerschneidung der Landschaft schränkt ihren Lebensraum ein. Zudem finden viele Fledermäuse keine geeigneten Quartiere, da alt- und totholzreiche Wälder selten sind und viele wertvolle Quartiere an Gebäuden bei Sanierungsarbeiten verschlossen werden. Franziska Messinger erwähnt “Auch die Windkraft stellt eine zusätzliche, potentielle Gefahr dar, die jedoch durch den inzwischen üblichen Einsatz anlagenspezifischer Abschaltalgorithmen verringert wird.“ Christine Kamm, von den Grünen und Sprecherin für Europapolitik, Asylpolitik und Integration im Landtag, die inzwischen den Vorstand der BN-Ortsgruppe unterstützt, ergänzt: „In Bayern wird der Fledermausschutz sehr ernst genommen und ergänzend hierzu wurden fachliche Arbeitshilfen (Vogel- und Fledermausschutz) vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) erstellt. Hier werden einschlägige naturschutzfachliche und rechtliche Aussagen des Windenergie-Erlasses konkretisiert. Windkraftanlagen werden bei festgelegten Tageszeiten und Jahreszeiten und bei bestimmten Windgeschwindigkeiten zum Fledermausschutz abgeschaltet.“
Mit einem Austausch über konkretes Handeln der am Naturschutz Interessierten neigt sich der Abend langsam dem Ende zu. Der BN freut sich über potentielle Helfer, die an diesem Abend ebenfalls gekommen waren. Wer sich für Mithilfe beim BN interessiert, kann hier mehr erfahren und sich mit Claudia Klemencic, ebenfalls aus dem Vorstand und zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Ortsgruppe, wenden: https://augsburg.bund-naturschutz.de/ortsgruppen/augsburg/aktiv-werden.html
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