Aufenthaltserlaubnis erlogen: Nigerianer behauptet Menschen getötet zu haben

Ein 25-jähriger Nigerianer stand am Donnerstag vor Gericht. Er gab fälschlicherweise an, von Boko Haram gezwungen worden zu sein, Menschen umgebracht zu haben. (Foto: Sebnem Ragiboglu-123rf.com)

Ein nigerianischer Staatsbürger kam 2015 nach Deutschland. Er gab bei seinem Asylverfahren an, dass er in seinem Heimatland von Boko Haram gezwungen wurde, Menschen zu töten. Nun saß er wegen Vortäuschens einer Straftat auf der Anklagebank.

In einem schwarzen T-Shirt und eng anliegender dunklen Jeans wartet ein dunkelhäutiger junger Mann vor dem Gerichtssaal auf seine Verhandlung. Er trägt eine moosgrüne Basecap und an seinem linken Handgelenk eine große Uhr. Er soll eine Straftat vorgetäuscht haben. Darum musste sich am Donnerstag ein 25-jähriger Nigerianer vor dem Amtsgericht Augsburg verantworten. Dazu kam es nur, weil er Einspruch gegen den gegen ihn erlassenen Strafbefehl eingelegt hat.

Der junge Mann arbeitete in seinem Heimatland an der Rezeption in einem Hotel und flüchtete nach Deutschland, wo er im Juli 2015 ankam. Der Angeklagte war kurz wegen psychischer Probleme in einer Klinik untergebracht, besuchte anschließend sechs Monate eine Schule und ist seit 2016 bei einer Fastfood-Kette angestellt. Im Oktober 2016 stellte er einen Asylantrag. Im Zuge dessen fand eine Befragung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) statt.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, in diesem Gespräch fälschlicherweise angegeben zu haben, dass er in Nigeria Menschen erschossen hat.

Der Angeklagte erscheint ohne Anwalt vor Gericht und verteidigt sich selbst. Nur eine Dolmetscherin sitzt neben ihm. Über diese erklärt er, dass es Verständigungsprobleme mit dem Übersetzer des BAMF gab. Er hätte diesem lediglich gesagt, von der Boko Haram trainiert worden zu sein, mit Schusswaffen und Bomben umzugehen. Seine Mission sei auch nicht zu Ende gewesen, erzählt er weiter, denn er sei für einen Selbstmordanschlag eingeteilt worden.

Richterin Ulrike Ebel-Scheufele verliest, was der Angeklagte gegenüber den BAMF-Mitarbeitern sagte. Laut diesem Protokoll sei er von Boko Haram entführt und gezwungen worden, mitzuarbeiten. Andernfalls würde die Terrormiliz ihn und seinen Bruder umbringen. Er sei im Umgang mit Schusswaffen und Sprengstoff ausgebildet worden und für Anschläge eingeplant gewesen. Nachdem er Menschen erschossen habe, flüchtete er mit einem weiteren Mann nach Niger. Dieser erzählte dem 25-Jährigen, dass er nicht zurück in sein Heimatland könne, denn er werde verfolgt, liest Richterin Ebel-Scheufele vor.

Über Niger sei er nach Lybien geflohen und 2015 in Deutschland angekommen. Der Angeklagte gibt an, dass alles stimme, außer der Teil, in dem steht, dass er jemanden ermordet habe.

Ermittler stoßen auf Widersprüche in der Geschichte des Angeklagten

"Die Sache kann nicht so abgelaufen sein, wie er sagt", berichtet ein als Zeuge geladener Polizist. Die Ermittler seien auf Ungereimtheiten gestoßen. Zu den angegebenen Zeiträumen habe er sich nicht dort aufgehalten, wo er es behaupte und er kenne sich auch nicht mit Waffen aus, denn er konnte keine beschreiben, führt der Zeuge aus. Auf Nachfrage der Richterin erklärt er weiter, dass es keinerlei Probleme in der Kommunikation zwischen Übersetzer und Angeklagtem während des Verhörs bei der Polizei gegeben habe.

Gefasst sitzt der 25-Jährige da und bekommt von der Dolmetscherin das Urteil übersetzt. Richterin Ulrike Ebel-Scheufele bezeichnet die Ausführungen des Angeklagten als "völlig unglaubwürdige Schutzbehauptung" um einen "zu unrecht positiven Asylbescheid zu bekommen". Obwohl es angeblich Probleme mit dem Übersetzer des BAMF gegeben habe, stimme trotzdem das restliche Protokoll, bis auf "den entscheidenden Satz".

Ebel-Scheufele kommt den Forderungen der Staatsanwaltschaft nach und verhängt wegen Vortäuschens einer Straftat eine Geldstrafe von 2.400 Euro, das Doppelte der im Strafbefehl geforderten Summe.
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