Augsburg kann auch boxen: Erste WM im Curt-Frenzel-Stadion

Eine großartige Box-Weltmeisterschaft, leider von vielen nicht bemerkt, ging am Samstagabend im Curt-Frenzel-Stadion über die Eisfläche. Foto: Alfred Haas
 
Die "Shopping-Queens", Cornelia Kranzfelder, Sabrina Schmidtmann und Veronika Rothe (von links) sind auf persönliche Einladung von Nikki Adler hier.

Augsburg - "Hoi, was ist hier los", fragt eine junge Frau ihren Begleiter beim abendlichen Spaziergang in Augsburg. "Vielleicht verkaufen die Panther ihre Dauerkarten für die neue Saison - keine Ahnung", versucht der junge Mann die anstehende Menschenschlange vor dem Eisstadion zu erklären. Dass am Samstagabend im Curt-Frenzel-Stadion eine Weltmeisterschaft im Boxen, die erste übrigens überhaupt, stattfindet, hat sich offensichtlich nicht überall herumgesprochen. Die Hauptattraktion, das main event, ist der Kampf zwischen Lokalmatadorin Nikki Adler und ihrer belgischen Gegnerin Femke Hermans.

"Wir sind viel zu früh dran", stellt eine Blondine im grünen Rock und schwarzer Lederjacke gegen 16.50 Uhr fest. Einlass ist erst um 17 Uhr, planmäßig. Aber was läuft schon nach Plan? Die Blondine ist bekannt hier. Der ansonsten strenge Sicherheitsmann umarmt sie und gibt ihr ein Bussi auf die Wange. Rein darf sie trotzdem nicht. Und so bildet sich eine ansehnliche Menschenmenge, die darauf wartet, bis sich die Tore öffnen. Die Damen sind aufgestylt, enge Hosen, High Heels selbstverständlich, und reizvolle Blusen, so als würden sie gleich ihre Spezialloge in der Staatsoper beziehen.

"Das Frauenboxen war mal gut, als die", er muss ein wenig überlegen, bis ihm der Name wieder einfällt, "als die Halmich noch boxte". Jetzt sei es nicht mehr so gut. "Aber Nikki Adler ist natürlich schon ein Hammer." Georg Krautwein aus Wertingen hat 63 Euro für sein Ticket bezahlt. "Ein stolzer Preis. Aber vielleicht sieht man auch ein paar Promis", hofft er. Die Eintrittspreise liegen zwischen 25 und 88 Euro.

Plötzlich steht Cornelia Kranzfelder da. Ganz in Weiß, knallrote Lippen, passende Sonnenbrille und pechschwarze Haare. Sie und ihre Freundinnen Veronika Rothe und Sabrina Schmidtmann wurden von Nikki persönlichen eingeladen. Zusammen waren sie in der Fernsehserie "Shopping Queen" in Augsburg unterwegs. Sie drücken Nikki Adler natürlich ganz besonders die Daumen.

Erwartungsfroh ist auch Anton Beltle. In jungen Jahren war er beim TSV Schwaben selbst im Boxverein. Mit seinem Freund Klaus Herzig fachsimpelt er gerne. Es ist das erste Mal, dass sie beim Frauenboxen live dabei sind. Sie wollen sich überraschen lassen. Und da ist noch einer, der selbst auch schon geboxt hat, "aber eher privat, abends auf dem Plärrer", lacht er spitzbübisch.

17.35 Uhr, endlich öffnen sich die Tore für die Schlange. Warum die Verspätung, das spricht sich nicht herum. Es ist auch kein Problem, niemand regt sich auf. Die Schlange ist auch nicht so groß. 1200 Karten sind zu diesem Zeitpunkt etwa verkauft, weiß die freundliche Dame an der Kasse. Bis Nikki Adler am späten Abend die Fäuste auspacken darf, sind es etwa 100 bis 200 mehr. Die Stadt hatte die maximale Besucherzahl auf 2700 begrenzt.

Vom warmen Sonnenlicht draußen, müssen sich die Augen erst an das grelle, blaue, grüne und gelbe Kunstlicht, das überall herumflattert, gewöhnen. Ein frisches Radler tut jetzt vielen gut. Sehr viel Show gibt es, bis Sarah Bormann, alias Baby-Face, in den Ring steigen darf. Erster Kampf. Sie würde gerne lostraben, das sieht man ihr an, muss aber hinter dem Kameramann herschleichen, der rückwärts in die Arena gelenkt wird, um die Boxerin gut in Szene setzen zu können. So boxt sie sich schon ein wenig warm, linke und rechte Haken andeutend. Um 18.11 Uhr fliegen dann die Fäuste wirklich.

Baby-Face lässt ihrer Gegnerin Claudia Ferenczi aus der Slowakei nicht den Hauch einer Chance. In der siebten Runde wird ihre Kontrahentin erlöst und ausgeknockt. "Eine Superstimmung in Augsburg", verteilt die neue Europameisterin dann Lob statt Schläge an das Publikum. Viele Familien mit Kindern sind darunter.

Nikki Adler ist im achten Kampf an der Reihe. Zwischendrin kämpfen nur Männer. Die meisten sind schon spannend, einige aber auch langweilig. "Das ist schon traurig", meint beispielsweise Sebastian Stallinger, als er seinen Gegner schon in der ersten Runde zweimal auf die Bretter schickt und K.o. schlägt. Er hätte gerne noch etwas mehr von seinem Können gezeigt. Einer gab in der dritten Runde auf, weil ihm angeblich eine Rippe gebrochen wurde und einer hatte nach Ansicht seines Gegners "einfach keine Lust mehr" und warf das Handtuch. Und Nikki Adler? Zur Enttäuschung der Augsburger verliert sie ihren Kampf. Aber trotzdem war schon Schmackes drin. Georg Krautwald jedenfalls ist zufrieden. Er bereut nicht, 63 Euro für sein Ticket ausgegeben zu haben "Das war es mir wert."

Augsburg wäre also bereit für mehr Boxmeisterschaften im Curt-Frenzel-Stadion. Allerdings dürften es gerne auch noch mehr Zuschauer sein. (
Von Alfred Haas)
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.