Augsburger Dult und Turamichele

 
Zum letzten Mal eröffnete Oberbürgermeister Kurt Gribl am Samstag eine Herbstdult. Er tritt bei den Kommunalwahlen 2020 nicht mehr an. Zum Auftakt kamen der Gersthofer Spielmannszug, die historische Bürgergilde und der Doggenclub.
Augsburg – Bevor man noch zu den sensationellen Neuigkeiten kommt, mit denen die Dult heuer im Bereich Gemüse schnippeln und verwerten aufwartet, trifft man ihn, den „billigen Jakob“, gleichermaßen ein Symbol für Augsburgs Traditionsmarkt. Der billige Jakob verkauft seit 42 Jahren Dinge für den täglichen Gebrauch wie Hosenträger, Stopfgarn, Kämme oder Regenschirme. Hosenträger? Aber natürlich. Made in Germany. Die sind wieder „in“, seit auch die ganz Jungen auf der Retro-Welle surfen und sich Hipster nennen.

Dult hat täglich bis 6. Oktober von 10 bis 19 Uhr geöffnet

Dabei heißt er gar nicht Jakob. Der Mann, den man so nennt, heißt Leonhard Pirthauer und stammt aus Rotenburg an der Laaber bei Landshut. Er ist ein waschechter Niederbayer, und vor 45 Jahren hat er seine Irene vom Bodensee geheiratet. Gemeinsam besucht das Paar immer noch zumindest die Märkte, die es am liebsten mag. Neben Memmingen und Miltenberg ist das die Augsburger Dult. Obwohl er von seinem Stammplatz am Vogeltor weichen musste und nun ein paar Meter weiter Richtung Jakobertor aufgebaut hat. Der bald 86-Jährige wäre nicht mehr so fit, wenn er nur noch zu Hause im Sessel säße, ist er überzeugt.

Fest in der Bäckergasse nach Abschluss der Sanierung

Am Samstag eröffneten Oberbürgermeister Kurt Gribl, die Sprecherin der Beschicker, Manuela Müller-Manz, und Stadtpfarrer Florian Geis die 136. Herbstdult. 123 Marktleute bieten nun, verteilt auf gut einen Kilometer Länge, bis 6. Oktober täglich von 10 bis 19 Uhr ihre Waren an. Die Eröffnung begleiteten der Spielmannszug Gersthofen, die historische Bürgergilde und der Doggenclub Augsburg. Gribl lobte die Dult, die den Einkauf zum Erlebnis mache und einfach „Kult“ sei. Er versprach, man werde der Jakobervorstadt weiterhin viel Aufmerksamkeit widmen und das Sanierungskonzept Schritt für Schritt umsetzen, um den geschichtsträchtigen Stadtteil behutsam und nicht radikal zu verändern.
Eine deutliche Veränderung hat die Bäckergasse erfahren. Dort wurde der Abschluss der Sanierungsarbeiten am Samstag gefeiert. Rüdiger Frank an der Hammondorgel, Gitarrenklängen, Kasperltheater, Textilworkshops und Feuermagie bildeten das Programm.
Während es in der Bäckergasse noch so übersichtlich blieb, dass Ordnungsreferent Dirk Wurm sogar ein bisschen Tischkicker spielen konnte, schoben sich auf dem Rathausplatz die Menschenmassen, um das Turamichele zu erleben.

Turamichele lockt Menschenmassen auf den Rathausplatz

Stündlich kam Erzengel Michael aus dem blumenumkränzten Fensterchen am Perlachturm, um dem Teufel in Gestalt des bösen Drachen den Garaus zu machen. „Eins, zwei, drei...“, begeistert zählten Eltern und Kinder die Stiche mit, bevor sie – übrigens biologisch abbaubare – Luftballone in den Stadtfarben in den Himmel steigen ließen. Schiffschaukeln, Karusselle und Würstel trugen zusätzlich zur heiteren Atmosphäre bei.
Zu heiß darf es nicht sein, hat Irene Pirthauer in all den Jahrzehnten herausgefunden, aber regnerisch auch nicht. Das Wetter am Wochenende, der sonnige Altweibersommer, war perfekt für Freiluftveranstaltungen wie die Dult. Doch weder Händler noch Kunden lassen sich von zapfigen Temperaturen wie heute die Laune verderben. Das beweist, dass bis heute deutlich mehr Beschicker um einen Stand bewerben als Plätze vergeben werden. Da fällt Marktamtsleiter Fritz Wüst die Auswahl oft nicht leicht. Sein Händchen dafür kann er bald wieder beweisen: Er ist auch für den Christkindlmarkt zuständig. Und der beginnt ja schon in genau acht Wochen.
1
Einem Autor gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.