Authentisch sein? Bloß nicht!

Körpersprache ist wichtig, erklärt Psychologin Monika Matschnig am Montagabend im Golden Amber in Friedberg. Man sollte sie bewusst einsetzen.
 
Rund 200 Interessierte genossen den Abend aus der Reihe Wissen Tanken. Sie erfuhren Wichtiges über Authentizität und Körpersprache.

Friedberg: „Sei du selbst und werde glücklich!“ Eine derzeit weit verbreitete Maxime. „Bullshit“, sagt Monika Matschnig. Die 44-jährige Psychologin gastierte am Montagabend im Golden Amber in Friedberg, im Rahmen der Reihe „Wissen Tanken“, in der die AICHACHER ZEITUNG, die STADTZEITUNG und das SPRECHERHAUS Top-Referenten für gleichsam unterhaltende wie informative Vortragsabende in die Region holt. Monika Matschnig empfiehlt: „Seien Sie bloß nicht authentisch. Seien Sie so, wie Sie wahrgenommen werden wollen.“ Der Schlüssel dazu: Körpersprache

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„Drehen Sie den Spiegel, bevor Sie andere beurteilen“, sagt die gebürtige Kärntnerin. Selbstreflexion als erster Schritt zur Besserung. „Menschen mögen Menschen, die so sind, wie wir gerne sein wollen.“ Wer sagt: „Ich will mich aber nicht verbiegen“, der müsse sich klar machen, ob er sich wirklich immer so gebe, wie ihm grade sei. „Wir alle spielen“, hat die 44-Jährige erkannt. „Wir alle sind Verwandlungskünstler. Und da ist nichts Schlimmes dran.“

„Was Sie denken, erzeugt Ihre Wirkung“

Ob Chef oder Angestellter, Führungskraft oder Verkäufer: „Wir alle haben eine Performance zu erfüllen.“ Die studierte Psychologin rät: „Be a fake of yourself. If possible, the best one.“ Man solle den Mut haben, die beste Interpretation seiner selbst zu sein. Nichts sei künstlicher als der Mensch, authentisch seien nur Tiere. Man denke nur an Familienfeiern, meint Monika Matschnig augenzwinkernd: „Das wird ein Desaster, wenn Sie da so sind, wie Sie sich fühlen.“ Chefs gibt sie mit auf den Weg: „Mitarbeiter kommen zu Unternehmen. Aber sie verlassen Ihren Vorgesetzten.“ Ein Ausrutscher etwa einer cholerischen Führungskraft könne das Verhältnis zum Angestellten für immer ruinieren. „Je höher die Position, desto höher muss die Contenance sein.“ Kontrolle schaffe Charisma, das keine „Gottesgabe“ sei. Man könne sehr wohl an seiner Wirkung arbeiten. „Sie werden nicht beobachtet, wenn die Sonne scheint, sondern wenn es kriselt und Fehler passieren. Der Eindruck vom Verhalten dann wird auf alles weitere übertragen.“ Im Positiven könne man es sich erlauben, spontan zu sein, doch niemals im Negativen.

Als zweiten „Trick“ für eine positive Wirkung und daraus resultierenden Erfolg auf ganzer Linie nennt die Österreicherin Expressivität, Körpersprache. Diese entscheide hauptsächlich darüber, ab jemand als charismatisch wahrgenommen werde oder nicht. „Was Sie denken, erzeugt Ihre Wirkung“, setzt sie an. Jeder Gedanke manifestiere sich körperlich. „Denke ich negativ, strahle ich das sofort aus, mein Gegenüber übernimmt es“, warnt Monika Matschnig. „Wenn Sie permanent Schlechtes denken, verseuchen Sie Ihre Umwelt und merken nicht, dass Sie damit am meisten gestraft sind.“ Dagegen müsse man ankämpfen. „Stehen Sie morgens auf und sehen Sie das Leuchten des Tages. Versuchen Sie, in jeder Person, der Sie begegnen, das Positive zu suchen.“ Sie zitiert Goethe: „Behandle den Menschen, wie er ist, und er wird schlechter. Behandle ihn, wie er sein könnte, und er wird besser.“

Gesten ganz bewusst einsetzen

Nonverbaler Rapport, das bewusste Einsetzen von Gesten: „Wir wirken immer, die Frage ist nur, wie“, erklärt die Referentin. Wer vor Menschen stehe und einen Vortrag halte, könne nur Erfolg haben, wenn er mit Gesten arbeite. Diese unterstützten das Gesagte.
Dritter Tipp für eine positive Wirkung: Sensibilität. „Bauen Sie eine Verbindung zu Ihrem Gegenüber auf. Reagieren Sie empathisch. Gleichen Sie sich der Umgebung an.“
Und was, wenn man sich elend und jämmerlich fühlt? „Fake it, until you become it.“ Beispiel: Einen Stift in den Mund stecken, quer, für eine Minute. Dann erhalte das Gehirn das Signal: Der Mensch lacht, es geht ihm gut. Das Gehirn sende nachgewiesen entsprechende Botenstoffe aus: „Und dann geht es plötzlich tatsächlich besser.“
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