Bergwerke und Silbermünzen: Neue europäische Fuggerstraße führt bis in die Slowakei

Der Aufstieg der Fugger begann in Banská Bystrica in der heutigen Slowakei. In einem ehemaligen Fuggerhaus am Marktplatz befindet sich heute ein Museum. Foto: Martin Kluger/Context Verlag Augsburg

Auch noch nach einem halben Jahrtausend fasziniert der kometenhafte Aufstieg der Handelsmarke Fugger, die die Familie bald reich genug machte, um selbst Kaisern Kredit zu gewähren. Weniger bekannt ist, dass die Fugger ohne Tiroler Startkapital und Bergknappen, ohne Erz und Ingenieurwissen aus der heutigen Slowakei, nie so weit gekommen wären. Eine Kulturreiseroute, initiiert von der Regio Augsburg Tourismus, soll nun neben Augsburg auch die Bedeutung weiterer europäischer Städte für die Händlerfamilie Reisenden näher bringen.

Die "Europäische Fuggerstraße" führt zu Partnern in der Slowakei, Deutschland, Österreich und Italien, in einstige Berbauzentren des Konzerns, der sein Vermögen mit Kupfer, Silber, Blei, Quecksilber, Eisen, Gold, Zinn und Zink machte. Das Imperium der Fugger begann 1490 mit Gold- und Silberbergbau im Salzburger Land und endete 1663 mit letzten Grubenanteilen am Schneeberg bei Sterzing.

Die Idee, aus dieser Verbindung mit zahlreichen europäischen Städten eine Tourismusroute entstehen zu lassen, hatte Augsburgs Tourismusdirektor Götz Beck 2003. Den entscheidenden Anstoß zur Umsetzung habe dann aber der Besuch einer Delegation aus dem slowakischen Banská Bystrica bei Oberbürgermeister Kurt Gribl gegeben. Jetzt geht die "Fuggerstraße" an den Start und führt vorerst neben Augsburg an fünf weitere Orte, die einen wichtigen Einfluss auf den Fuggerkonzern hatten.

Route der Fugger führte in sieben Länder

Ginge es nach Götz Beck, könnte aber im Laufe der Zeit auch noch der ein oder andere Bergbauort zur Europäischen Fuggerstraße hinzustoßen. So gewann die Familie auch in Spanien, Polen und Tschechien Bodenschätze. Würden alle Standorte und Transportrouten in die Tourismusroute miteinbezogen werden, wäre diese aber wohl noch um einiges ausgedehnter, würde um Afrika herum bis an die indische Westküste reichen. So weit soll die "Europäische Fuggerstraße" aber nicht geführt werden.

Stattdessen soll die Reiseroute vor allem die Bergwerkgeschichte der frühen Neuzeit anschaulicher machen. Stadtführungen, Schaubergwerke, Lehrpfade und Museen in den Partnerstädten beschäftigen sich mit der Wirtschaft und Politik im 16. und 17. Jahrhundert. Die Darstellungen erzählen vom harten Alltag der Bergarbeiter und ihrer Familien. Doch auch in den Bergbauorten stößt man auf Fuggerhäuser und andere Denkmäler der Familie. In Augsburg verwandeln sich die Erträge des Konzerns schließlich in Architektur, Kunst, und nicht zuletzt in Stiftungen wie die 1521 begründete Fuggerei.

Aufstieg des Fuggerkonzerns begann in der heutigen Slowakei

Der steile Aufstieg des Konzerns begann allerdings mit silberhaltigem Kupfererz aus Gruben bei Banská Bystrica, auf Deutsch Neusohl, in der heutigen Slowakei. 1496 konnten die Fugger dort in Kooperation mit dem Bergwerksingenieur Hans Thurzo Erzgruben ausbeuten. Familienmitglieder wurden verheiratet, um auch die Geschäftsbeziehungen zu festigen.

Die Fugger-Thurzo-Gesellschaft besaß drei Häuser am Marktplatz. Das sogenannte "Mittlere Haus" blieb erhalten und enthält heute ein Museum. In einem nahen Bergdorf erinnern ein Bergbaumuseum und ein Bergwerkslehrpfad an den Kupferbergbau.

Schaubergwerke, Schmieden, Museen

Ein Höhepunkt der Route soll auch das Schaubergwerk im österreichischen Schwaz werden. Tausende Bergleute arbeiteten zur Zeit der Fugger in dem damals als "Mutter aller Bergwerke" bekannten Silberbergwerk. Auch zwei ehemalige Fuggerhäuser sind in der Altstadt erhalten.

Ein Fuggerhaus gibt es auch in Bad Hindelang, ebenso wie drei historische Hammerschmieden, die das Eisenerz der Fugger weiterverarbeiteten. In Hall erinnern zwei Museen an die Bergbautradition und die Herstellung von Silbermünzen in der Burg Hasegg.

Und in Sterzing, das sich selbst auch "Fuggerstädtchen" nennt, befanden sich die höchstgelegenen Erzgruben Europas. Über die jahrzentelange Bergarbeit am Schneeberg informieren das Südtiroler Landesmuseum Bergbau und ein Erlebnisbergwerk. (pm)
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