Bilanz der Freilichtbühne: Fugger ist auch 2018 Garant für Erfolg

Chris Murray überzeugte als legendärer Kaufmann Jakob Fugger die Besucher der Freilichtbühne. Der Musicalstar, geboren in Braunschweig und aufgewachsen in New York, gewann die Herzen vieler Fans. Foto: Jan-Pieter Fuhr

Ein Musical über Jakob Fugger auf der Augsburger Freilichtbühne: Wer da zunächst nichts Besonderes erwartete, wurde positiv überrascht. "Herz aus Gold" garantierte beste Unterhaltung und tolle Musik. Die Geschichte des legendären Kaufmanns ist auch heute noch ein Erfolg. Vor allem Hauptdarsteller Chris Murray eroberte die Herzen des Publikums im Nu. Bei der Derniere am vorvergangenen Samstag verteilten seine Fans Leuchtstäbe, die die Zuschauer beim Titellied "Herz aus Gold" schwenkten.

Rund 35 000 Zuschauer lockte das Musical an, das von Stephan Kanyar komponiert wurde und für das Andreas Hillger die Texte schrieb. Es gab schon besser besuchte Aufführungen am Roten Tor, aber zu genieren braucht sich der neue Intendant André Bücker nicht. Allerdings muss er sich, unter anderem von Oberbürgermeister Kurt Gribl, Kritik gefallen lassen wegen seines Umgangs mit Sponsoren.

Am letzten Tag kamen noch einmal mehr als 2000 Besucher zur Freilichtbühne. Zum 21. und letzten Mal wurde dort an das Leben Jakob Fuggers erinnert, eines der bekanntesten Augsburger, der seinerzeit der reichste Mann der Welt war. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung rechnete einmal nach und kam auf ein Vermögen, das nach heutigen Maßstäben 300 Milliarden US-Dollar betragen würde. Damit wäre Jakob Fugger der reichste Privatmann aller Zeiten gewesen. Sein Imperium erstreckte sich über halb Europa bis in Teile der neuen Welt. Als erster Kaufmann überhaupt wurde er in den Adelsstand erhoben: Aus Jakob Fugger wurde Graf Fugger.

Wer war dieser Mann? Über sein Privatleben ist nur wenig bekannt. Dennoch machten es die Autoren zum Hauptthema im Musical. Chris Murray alias Jakob Fugger kommt nicht los von seiner Jugendliebe Sibylla. Als er nach Jahren aus Venedig zurückkehrt - dieser Aufenthalt ist historisch belegt - ist Sibylla vergeben. Sie beginnt eine Affäre mit Jakob und bringt ihn dazu, ihre Tochter zu heiraten.

Tatsächlich ehelichte Jakob Fugger mit fast 40 Jahren die erst 18-jährige Sibylla Artzt. Die Ehe blieb kinderlos. Nach seinem Tod am 30. Dezember 1525 heiratete seine Witwe nach nur sieben Wochen Konrad Rehlinger, einen Geschäftsfreund ihres Mannes, und trat zum protestantischen Glauben über. Das könnte durchaus darauf hindeuten, dass die Ehe mit Jakob Fugger eher unglücklich war, wie im Musical dargestellt.

Jakob Fugger wird als einsamer Wolf präsentiert, der Gefühle schwer zulassen kann. Leidenschaftlich besingt er sein "Herz aus Gold", die Zuschauer bejubeln den Song mit stehendem Beifall und Bravo-Rufen. Am letzten Tag hielt der Szenenapplaus so lange an, dass das Musical unterbrochen werden musste. Der Mix aus historischer Wahrheit, Dichtung und Liebesgeschichte wird als Erfolg in die Annalen des Theaters eingehen, doch 2017 lockte die Rocky Horror Picture Show 44 000 Besucher. Nicht so gut schnitten Jahre ab, in denen Opern gezeigt wurden, wie etwa 2011, als zwei Produktionen, nämlich "Il Trovatore" sowie "Abseitsfalle", eine Fußballrevue, auf dem Programm standen. Das wollten keine 12 000 Leute sehen.

Der neue Intendant, André Bücker, wollte nicht, wie in Augsburg üblich, eine Zwischenbilanz zur Freilichtbühnensaison veröffentlichen. Das habe er noch nie gemacht, hieß es, auch nicht an den Theatern, an denen er vor Augsburg arbeitete. Damit zog er sich den Unwillen des Oberbürgermeisters zu. Zudem war es bislang üblich, Sponsoren zu einem besonderen Empfang einzuladen. Außerdem genossen die Förderer der schönen Künste bestimmte Privilegien. Bücker beschnitt diese und lud nicht alle zur Party. Das verschnupfte den einen oder anderen Mäzen.

Auf dem Spielplan 2018/19 bekam "Herz aus Gold" keinen Platz. Als dieser im Mai vorgestellt wurde, meinte André Bücker, das Musical sei ein Wagnis, das man nicht zweimal hintereinander eingehen wolle. Denn Fugger ist teuer: Zwar brillieren Opernchor, Ballett und Philharmoniker, mangels eigener Musical-Profis wurden jedoch auswärtige Darsteller wie etwa Chris Murray verpflichtet. Deshalb werde man im kommenden Jahr Andrew Lloyd Webbers "Jesus Christ, Superstar" auf der Freilichtbühne geben, kündigte Bücker an. Soll Jakob Fugger nun in der Schublade verschwinden? Nach dem Erfolg will man das vermeiden. Der Intendant erklärt nun, es werde auf jeden Fall eine Wiederaufnahme geben, wenn es 2019 nicht mehr klappe, dann 2020 oder 2021. Auch eine CD und ein Video sind im Gespräch.

Chris Murray übrigens spielte schon mehrfach Hauptrollen in "Jesus Christ Superstar". Dem Vernehmen nach gefiel es dem 54-jährigen Tenor außerordentlich gut in Augsburg.
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Sabine Presnitz aus Schwabmünchen | 01.08.2018 | 19:56  
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