Blauzungenkrankheit: Landkreise Augsburg und Dillingen werden zu Sperrbezirken

Rinder, Schafe, Ziegen und Gehegewild können durch Gnitzen mit dem Virus der Blauzungenkrankheit infiziert werden. Foto: Heath Johnson 123rf.com

Zum Schutz gegen die Blauzungenkrankheit wird ab Mittwoch, 27. Februar, der gesamte Landkreis Dillingen an der Donau und der Landkreis Augsburg vorerst zum Sperrgebiet erklärt. Grund für die Maßnahme ist das Auftreten der Krankheit im Rems-Murr-Kreis und die Einrichtung eines Sperrgebietes mit einem Radius von 150 Kilometer um den Ort des Krankheitsfalles. Von der Verordnung sind der Landkreis Dillingen, der Landkreis Augsburg und alle schwäbischen Landkreise bis auf Teile des Landkreises Ostallgäu betroffen.

Wer für die Krankheit empfängliche Tiere hält, zum Beispiel Wiederkäuer wie Rinder, Schafe, Ziegen oder Gehegewild, für den gilt, dass für den Transport von Tieren innerhalb des Sperrgebietes und aus dem Sperrgebiet heraus in freie Gebiete die entsprechenden Verbringungsregelungen zu beachten sind. Der Transport von Rindern, Schafen, Ziegen und Gehegewild innerhalb des Sperrgebietes muss dem Veterinäramt vorab gemeldet werden.

Dies ist auf den sogenannten "Tierhaltererklärungen" zu bestätigen. Die Formulare können beim Landkreis Dillingen online unter der Rubrik "Landkreis & Bürgerservice/Landratsamt/Formulare/Veterinärverwaltung" heruntergeladen werden. Das ausgefüllte Formular"Blauzungenkrankheit Tierhaltererklärung - Verbringung innerhalb Sperrgebiet" ist an Telefon 09071/51-246 per Fax zu versenden.

In diesem Zusammenhang weist das Landratsamt die Tierhalter darauf hin, dass unverzüglich das Veterinäramt zu informieren ist, wenn ein Tier einschlägige Krankheitsanzeichen aufweist.

Die Verfügungen sind einzusehen auf der Homepage des Landkreises Dillingen an der Donau unter www.landkreis-dillingen.de unter der Rubrik Aktuelles & Kurzinfos / Aus dem Landratsamt / Amtsblatt.

Der Landkreis Augsburg bereitet zur Zeit die Veröffentlichung der entsprechenden Maßnahmen vor.

Keine Sorgen muss sich der Verbraucher machen. Für den Menschen ist das Virus ungefährlich. (pm/leo)

Was ist die Blauzungenkrankheit?

Sperrgebiet und Impfungen als Vorsichtsmaßnahme gegen die Verbreitung der Infektionskrankheit.

Die Blauzungenkrankheit ist eine anzeigepflichtige Viruserkrankung der Wiederkäuer. Die Blauzungenkrankheit ist eine von Stechmücken (Gnitzen der Gattung Culicoides) übertragene Infektionskrankheit, an der in der Regel Schafe und auch Rinder ernsthaft erkranken und verenden können. Eine ausgeprägte Symptomatik zeigt sich oft bei Schafen. Die Tiere leiden an zu stark durchbluteten Kopfschleimhäuten, Schwellungen am Kopf, übermäßigem Speichelfluss und Blutungen an Hufen und Zitzen. Außerdem kann sich die Zunge blau-rötlich verfärben – daher auch der Name. Alle Haltungsbetriebe von Wiederkäuern müssen beim Veterinäramt gemeldet werden, falls noch nicht geschehen. Betroffen sind auch Ziegen, ebenfalls Rehe und Hirsche. Für den Menschen ist die Krankheit unbedenklich.

Ziel der Maßnahmen des Tierseuchenrechts ist, die Verbreitung des Virus’ der Blauzungenkrankheit (Blue Tongue, BT) zu verhindern und den Eintrag in weitere Nutztierbestände möglichst zu vermeiden. Ein vorbeugender Schutz der Tiere ist über eine freiwillige Impfung möglich. Die ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKoVet) am Friedrich-Loeffler-Institut empfiehlt, Rinder und kleine Wiederkäuer gegen die Blauzungenkrankheit zu impfen.

In Zentraleuropa und in Deutschland trat das Virus dieser ehemals „exotischen“ , anzeigepflichtigen Tierseuche (Ursprung in Afrika) erstmals 2006 auf. Nach den letzten Fällen in Jahr 2009 war Deutschland von 2012 bis Dezember 2018 offiziell frei von der Tierseuche. Im Dezember 2018 jedoch wurden erste Fälle von Infektionen in Baden Württemberg bestätigt.

Der Erreger kommt weltweit in tropischen und subtropischen Regionen (auch in den USA) vor. Die Übertragung von Tier zu Tier geschieht über blutsaugende Insekten (Gnitzen), in denen sich das Virus produktiv vermehren und längere Zeit verweilen kann. Auch in Deutschland heimische Gnitzen der Culicoides-Arten können Überträger der Viren sein.
Der Infektionszyklus ist abhängig vom Vorkommen der Gnitzen, die Infektion erfolgt also nicht von zum Beispiel Rind zu Rind sondern nur über die Gnitzen. Infizierte, auch nicht erkrankte Tiere, können eine über Wochen andauernde Virämie aufweisen und so ein Virusreservoir bilden.

In der Regel entwickeln sich nur bei Schafen schwere klinische Symptome. Eine schwere Allgemeinerkrankung mit hoher Sterblichkeit (etwa 30 Prozent) tritt dabei vor allem bei europäischen Schafrassen auf. Die Schwere der Symptomatik wird auch vom Serotyp und der Virulenz einzelner Virusisolate bestimmt. Bei erkrankten Schafen sieht man häufig Entzündungen der Kopfschleimhäute. Durch virusbedingte Zerstörung der Gefäßwände bilden sich Ödeme der Maul- und Nasenschleimhäute, in seltenen Fällen ist auch die Zunge so stark betroffen, dass eine sichtbare Blauverfärbung auftritt. Infizierte Rinder zeigen in der Regel weniger ausgeprägte Symptome, Aborte sind häufig die einzigen Anzeichen der Infektion beim Rind. Es gibt aber, je nach den Eigenschaften der Virusstämme und den jeweils infizierten Tierrassen, auch schwere Krankheitsverläufe. Es können die Kopfschleimhäute, das Flotzmaul, das Zahnfleisch und die Euterzitzen betroffen sein mit gravierend schlechtem Allgemeinbefinden, sodass eine Euthanasie nötig wird. (pm/leo)
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