Bobinger Geschichten: Neues Leben für ein altes Haus

Die alte Aufnahme des Hauses in Bobingen diente als Vorlage für die Fassadensanierung. Foto: Norbert Herkner
 
Einst war das praktisch, aber nie schön: Vor dem Umbau sah der Bartl-Hof in Bobingen so aus. Foto: Norbert Herkner

Abreißen oder Sanieren war die Frage und beinahe wäre der
Bartl-Hof verschwunden. Das Bauernhaus in der Römerstraße 62 in Bobingen steht noch und sein Bewohner Karl Abt kann weiter in seinem Geburtshaus leben.

 
Wer das „Vorher“-Bild des Hauses in der Römerstraße 62 ansieht, kann ein wenig verstehen, dass die Stadt Bobingen darauf keinen Pfifferling setzte und stattdessen mit dem Grundstück liebäugelte, um es als dringend benötigten Parkplatz für das nahe gelegene Untere Schlösschen zu nutzen.
Und doch kam es anders. Norbert Herkner hat ein Faible für alte Dinge: Autos, Möbel, Geräte – und manchmal eben ein altes Haus mit viel Platz. Zum ehemaligen Besitzer des Anwesens hat er einen guten Draht, obwohl dieser in Australien lebt. Gerade deshalb kamen die beiden Herren aber über den alten Hof ins Gespräch, denn der Vater des Vorbesitzers, Karl Abt, lebt schon seit seiner Geburt vor fast 90 Jahren im Wohngebäude dort und wollte auch gar nicht umziehen. So wechselte der Bartl-Hof, zu dem neben dem Wohnhaus eine ehemalige Werkstatt und ein großer Stadel gehören, den Besitzer.

Historie bleibt ein Geheimnis

Die Geschichte des Hauses ist dem Bobinger Stadtarchiv – vermutlich während der Kriegsjahre – verloren gegangen. So prangt zwar an der Fassade groß die Jahreszahl 1907, doch die bezieht sich wohl auf den Anbau des Wohnteils oder dessen Renovierung. Der Hof selbst dürfte um einiges älter sein. Während der Umbauarbeiten fand man alte Getreidesäcke, die den „Oekonom“ Leonhard Abt 1886 und 1897 als Getreidelieferanten mit der Hausnummer 112 ausweisen. Die einzige Quelle über das ehemalige Aussehen des Gebäudes fand Herkner in einem Bilderrahmen: Eine Aufnahme, die etwa 1930 entstanden ist, zeigt den schmucken Hof mit Fensterläden und Fensterkreuzen. Der Zaun sieht 90 Jahre später genau so aus und auch der Hausbaum vor dem Eingang steht schon an seinem Platz.

Erneuerung mit Altem

Norbert Herkner machte sich auf die Suche: Die Fenster waren zugig und mussten raus. Das Dach war dringend renovierungsbedürftig, die schlecht isolierte Fassade verursachte hohe Heizkosten. Außerdem musste eine Menge Asbest vom Gebäude entfernt werden. So authentisch wie möglich wollte der neue Eigentümer das Haus wiederherstellen – und doch sollte es modernen Ansprüchen genügen. Die Vielzahl der Fenster und damit der benötigten Läden verhinderte, dass hier historisches Material verwendet werden konnte.
Doch hier und auch bei vielen anderen Tätigkeiten stellte Herkner eines fest: Handwerker, denen man ein Stück Geschichte anvertraut, gehen oft mit großer Leidenschaft, Fingerspitzengefühl und Kreativität ans Werk. So sehen die dunkelgrauen Läden aus wie die Vorbilder auf dem alten Bild. Die modernen Holzfenster sind perfekt wärmeisoliert und haben doch die Optik der historischen Vorlage. Auf dem Dach liegen nun stilechte Biberschwanzdachplatten. Eine kleine Änderung zum ursprünglichen Wohnhaus hatte sich Karl Abt gewünscht: ein Vordach über der Eingangstüre, damit man nicht gleich beim Verlassen der Wohnung im Regen steht, wollte der alte Herr gerne haben. Herkner fand ein passendes bei e Bay. Im Stadel und der ehemaligen Schreinerwerkstatt findet man Fenster vor, die aussehen, als wären sie seit dem ersten Tag des Hauses dort. Sie stammen aus anderen bayerischen Bauernhöfen und tragen zur glaubwürdigen Optik bei. Alte Balken, alte Türen – noch einige Schätze warten im Stadel auf eine Wiederverwendung. Doch dieser muss erst einmal selbst auf Vordermann gebracht werden. Es läuft eine Entfeuchtungsmaßnahme, denn dieser Teil des Hofes konnte gerade so vor dem völligen Verfall gerettet werden. Auch die ehemalige Schreinerei wartet noch auf eine neue Aufgabe. Doch Karl Abt, der seine gewohnten Wohnräume nun mit mehr Komfort nutzen kann, freut sich über das neue Aussehen seines Elternhauses.
Hier in seinem gewohnten Umfeld pflegen die Leute einen guten nachbarschaftlichen Umgang und man schaut auch vorbei, um nach ihm zu sehen und vielleicht ein Schwätzchen zu halten. Auch mit der Stadt Bobingen fand man eine prima Lösung: Während im Unteren Schlösschen Veranstaltungen laufen, kann der Innenhof der Römerstraße 62 als Parkplatz genutzt werden.
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