Brecht und die Stadt: Programm des Augsburger Brechtfestivals 2019 vorgestellt

In dem Stück "Auf der Straße" des Berliner Ensembles stehen neben den Schauspielern auch Obdachlose auf der Bühne. Foto: Julian Röder

Augsburg - Das Brechtfestival, das im kommenden Jahr vom 22. Februar bis zum 3. März stattfinden wird, widmet sich diesmal ganz Bertolt Brechts Gedichtzyklus "Aus dem Lesebuch für Städtebewohner". Deshalb dreht sich in den Theaterproduktionen, Lesungen und Vorträgen auch alles um die Stadt und ihre Bewohner. Den Anfang macht ein Stück, das die Augsburger "Städtebewohner" zum Nachdenken anregen soll: Im Gastspiel des Berliner Ensembles "Auf der Straße" am 22. Februar stehen neben zwei Schauspielern auch drei Laien auf der Bühne, die von Obdachlosigkeit betroffen sind.

Der Lyrikzyklus "Aus dem Lesebuch für Städtebewohner" beinhaltet Gedichte Brechts, die 1926 und 1927 entstanden sind. Darin beschreibt Bertolt Brecht einen Archetyp des Städtebewohners, der sich an die Großstadt anpassen muss, um darin zu überleben und erfolgreich zu sein. Das Thema der Städtebewohner ist laut Kulturreferent Thomas Weitzel durchaus aktuell. Die Bevölkerungszahl in Deutschland sei zwar rückläufig, doch im Gegenzug dazu zögen immer mehr Menschen in die großen Städte. Das Festival beschäftige sich nun unter anderem mit der Frage, inwiefern die Wahrnehmungen und Erfahrungen eines Städtebewohners aus der Zeit Brechts auch heute noch aktuell sind.

Mit einem genreübergreifenden Programm aus Theater, Performance, Literatur, Musik, Vorträgen und Workshops beschäftigen sich die Kulturschaffenden nun im Februar zehn Tage lang mit dem Thema. Die Veranstalter um den künstlerischen Leiter Patrick Wengenroth legen hierbei einen Schwerpunkt auf Produktionen, die Brechts Theatertheorie weiterführen. "Es ist aber auch wichtig, Brecht immer wieder einem Update zu unterziehen und einen Bezug zur Gegenwart herzustellen", sagte Wengenroth während einer Pressekonferenz am Montag. Wert legen die Veranstalter ausdrücklich auf einen feministischen Ansatz.

Das soll laut Wengenroth schon der Name verdeutlichen: "Brechtfestival für Städtebewohner*innen". Das Staatstheater inszeniert außerdem Brechts erstes Stück "Baal", das heute manchmal für das dargestellte Frauenbild kritisiert wird. Den Titelhelden besetzt Regisseurin Mareike Mikat allerdings mit einer Frau, während alle ursprünglich weiblichen Charaktere von Schauspielern verkörpert werden. Das Stück feiert am 23. Februar während des Brechtfestivals im Ofenhaus Premiere.

Weitere Theaterinszenierungen spielen unter anderem das Augsburger "Sensemble" und das Junge Theater Augsburg, "Bluespots Productions" werden an den zehn Festivaltagen jeweils ein Gedicht aus dem "Lesebuch für Städtebewohner" an zehn verschiedenen Orten in Augsburg vortragen.

Mehrere Musiker treten in der Langen Brechtnacht am 1. März im Textilviertel auf. Als Geheimtipp bezeichnet Kurator Girisha Fernando das Duo "Let's eat Grandma", bestehend aus den jungen englischen Künstlerinnen Jenny Hollingworth und Rosa Walton. Ihr 2018 erschienenes Debut-Album konnte in England zahlreiche Preise abräumen. Die Wienerin Gustav schreibt deutschsprachigen Pop mit politischen Texten und präsentiert zur Langen Brechtnacht mit ihrer Band neben eigenen Songs auch Musikstücke aus der "Proleten-Passion" und der Produktion "Alles Walzer, alles brennt" des Wiener Volkstheaters. Auch die eigens für das Brechtfestival gegründete Band "Städtebewohner" mit Augsburger Jazz- und Hip-Hop-Musikern tritt während der Langen Brechtnacht auf.

Weitere Informationen zum Programm und Vorverkauf, der am Montag gestartet hat, finden Interessierte unter www.brechtfestival.de.
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