Bürgertalk zur Bädersanierung: Wohin mit dem 50-Meter-Becken?

Das Sportbad am Plärrer besaß ein 50-Meter-Becken.
 
Bürger hefteten ihre Kritik zu den vorgestellten Varianten.

Vier Varianten zur Bädersanierung präsentiert Sportreferent Dirk Wurm am Mittwochabend in einem Bürgertalk im Augsburger Rathaus. Nach einer kurzen Begrüßung können sich die interessierten Bürger rund 90 Minuten lang detailliert die einzelnen Konzepte ansehen. Die zu Beginn angekündigte Diskussion im Plenum fand allerdings nicht mehr statt.

Ursprünglich wurden nur drei Konzepte in einer Machbarkeitsstudie geprüft, für die sich Wurm Anfang Oktober scharfe Kritik anhören musste. 23 Vereine aus Augsburg, Bobingen, Friedberg, Königsbrunn, Landsberg und Stadtbergen haben sich in einer „Arbeitsgemeinschaft 50-Meter-Hallenbad für Augsburg“ zusammengetan und stellten ein eigenes Konzept vor, das die Stadt nun ebenfalls prüfen ließ.

Diese Variante sieht ein wettkampftaugliches Sportbad mit 50-Meter-Becken am Standort des sanierungsbedürftigen Sportbades am Plärrer vor, das die Stadt vor zehn Jahren dicht machte. Der Neubau soll rund 25 Millionen Euro kosten. Das Vorhaben sieht außerdem eine Bestandssanierung vor.

Ausschließlich den bisherigen Bestand zu sanieren, ist ebenfalls eine Möglichkeit. Die Kosten für die Maßnahmen am Hallenbad Haunstetten,dem Spickelbad sowie dem Gögginger Hallenbad würden sich demnach auf circa 34 Millionen Euro belaufen.
„Die dezentralen Bäderstandorte wären für weitere 25 Jahre gesichert. Jedoch gäbe es keine Verbesserung des Angebots und der Bedarf an Wasserflächen wäre langfristig nicht gedeckt“, lautet die Einschätzung der Sportverwaltung und auch die Bürger finden: „Weder quantitativ noch qualitativ einer Metropole würdig!“. Zur Debatte steht auch der Neubau eines zentralen Sport- und Freizeitbades, das schätzungsweise 53 Millionen Euro kosten soll und daher eher unrealistisch ist.

Auf Zetteln können die Bürger ihre Meinung zu den jeweiligen Vorschlägen schreiben und anheften. Einige Gäste sind beim Thema Spaßbad konsequent und sagen: „Das brauchen wir nicht“. Sie verweisen beispielsweise auf die unrentable Königstherme in Königsbrunn, die geschlossen werden musste, sowie auf das zeitweise in die Krise geratene Titania in Neusäß. Weitere Kritikpunkte sind die hohen Kosten, die weiterhin ungeklärte Bestands-Sanierung und die Sportverwaltung räumt selbst ein: „Die Standortfrage zu lösen braucht viel Zeit“. Einen Nutzungskonflikt zwischen Freizeit- und Sportschwimmern sehe die Stadt obendrein programmiert.

„Ich halte eine zentrale Lösung für schwierig, weil sie unsere dezentrale Bäderstruktur zerstört“, sagt Wurm. Er bevorzugt die Modernisierung eines Bestand-Bades zu einem wettkampftauglichen Sportbad mit 50-Meter-Becken sowie den Neubau eines Familien- und Freizeitbades. Für dieses Vorhaben werden in der Machbarkeitsstudie Kosten in Höhe von etwa 66 Millionen Euro veranschlagt.

„Städte sollten Finger vom Spaßgeschäft lassen“

„Diese Variante ist keine Lösung, weil ein Bad für viele Jahre verloren geht“ und „Städte und Gemeinden sollten die Finger vom Spaßgeschäft lassen und sich auf ihre Pflicht konzentrieren“, fällt das harte Urteil einiger Bürger gegen das favorisierte Konzept des Sportreferenten aus.

„Die Stadt soll lieber das Sportbad sanieren. Seit zehn Jahren können wir nicht mehr ordentlich trainieren“, sagt einer der Anwesenden, der aus einer Schwimmerfamilie stammt und nicht namentlich genannt werden möchte.

Den größten Zuspruch findet an diesem Abend das vorgeschlagene Konzept der Vereine und der DLRG. Neben zusätzlichen Wasserflächen für alle Nutzergruppen spreche aus Sicht der Bürger vor allem der Standort am Plärrer für diese Lösung, da das Bad durch die Straßenbahnhaltestelle und den Plärrer-Parkplatz gut erreichbar sei. Als die 90 Minuten vorbei sind und auf den Stellwänden kaum noch freier Platz vor lauter bunter Zettel ist, bedankt sich Wurm und beendete die Veranstaltung – ohne vorab angekündigte Plenumsdiskussion.

Die Rückmeldungen der Bürger wolle Wurm nun mit in den Sportausschuss Anfang Dezember nehmen und darüber beraten. Als Ziel erklärt er einen Grundsatzbeschluss im ersten Quartal des kommenden Jahres. Der Sportreferent kündigt allerdings an, dass es sich bislang lediglich um Vorentwürfe handle und die Kosten noch um etwa 20 Prozent steigen würden.
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