CHARMANTE KLEINE KIRCHEN - Innenleben der Meringer und Kissinger Kapellen

Die Burgstallkapelle hat heute ihre ursprüngliche Farbgebung wieder. Foto: Monika Saller
 
Weiß und Blau wie der Winterhimmel – auch so sah die Kapelle eine Weile aus. Foto: Josef Weiß
 
Aufwändig ist der Innenraum mit Stuck und Pastelltönen gestaltet. Foto: Nicolé Hutzler

Sie sind Leonhard, Franziskus oder dem eher unbekannten Castulus geweiht, dienen Wallfahrern als Ort der Hoffnung oder innerer Einkehr. Die Kapellen in Kissing und Mering erzählen ihre eigenen Geschichten.

In Kissing und Mering gibt es zahlreiche, zum Teil aufwändig restaurierte und liebevoll gepflegte Kapellen und kleine Kirchen. Die meisten davon sind nur sehr eingeschränkt oder gar nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Meringer & Kissinger Geschichte(n) durften einen Blick ins Innere werfen.

Burgstallkapelle


Weithin sichtbar thront die Burgstallkapelle, die auch „Kapelle zur schmerzhaften Muttergottes“ heißt, auf ihrem künstlich am südlichen Ortsrand von Kissing errichteten Hügel. Dieser diente schon einer mittelalterlichen Burg als Basis, bevor 1685 Jesuiten den Barockbau einweihten. Die kleine Kirche ist üppig ausgestattet mit Fresken und Skulpturen, Stuck und einem geschmiedeten Gitter. Eine überlebensgroße Schmerzens-Madonna von 1865 schmückt den Altar. Bis ins 19. Jahrhundert war sie ein vielbesuchter Wallfahrtsort. Kissing wurde in den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkrieges von der allgegenwärtigen Zerstörung verschont. Seitdem gibt es von Mai bis Oktober monatlich eine Prozession. Damit sagen die Kissinger Dank für die Rettung in großer Gefahr, wie sie es in einem Gelübde versprochen hatten.
Besichtigt werden kann die Burgstallkapelle immer samstags und sonntags. Dann ist auch die Gruftkapelle mit dem Geißelheiland zugänglich. Zur Krippenzeit, wenn die überregional bekannte Weihnachtskrippe aufgebaut ist, hat das sehenswerte Kirchlein täglich geöffnet. Um es von allen Seiten anzusehen, kann man auch den etwa 6,5 Kilometer langen Spaziergang rund um den Hügel machen.

Kapelle der sieben Zufluchten


Als einziger der hier gezeigten Bauten, ist die Kapelle an der Bahnhofstraße in Kissing frei zugänglich. Die kleine Wegkapelle ist von dicken Lindenbäumen beschattet und hat ein interessantes Innenleben.
Ihren Namen hat sie vom Bild der "Sieben Zufluchten": das „Allerheiligste Sakrament des Altares“, die Heilige Dreifaltigkeit, Jesus am Kreuz, die Gottesmutter Maria, die Engel, die Heiligen und die Armen Seelen. Im 17. Und 18. Jahrhundert wurden sie von Gläubigen häufig um Hilfe gebeten. Ein Original des Bildes kann auf der Internetseite der Pfarrgemeinde Kissing angesehen werden.
Eine besondere Heilige zeigt auch das Kreuz, das bereits seit der Erbauung der Kapelle dort angebracht ist. Dargestellt ist die ans Kreuz geschlagene Heilige Kümmernis, auch Wilgefortis genannt. Sie trägt ein Kleid, nur einen Schuh und einen beachtlichen Vollbart. Die fromme Königstochter aus Portugal wollte keinen der vom Vater vorgesehenen Anwärter heiraten und bat Gott darum, sie zu entstellen. Als ihr daraufhin ein Bart wuchs, war der Vater so wütend, dass er sie ans Kreuz schlagen ließ. Ein Geiger – selbst wegen Diebstahls zum Tode verurteilt – spielte dem Mädchen ein Lied zum Trost. Er bekam einen ihrer goldenen Pantoffeln zugeworfen. Drei Tage dauerte der Todeskampf der Gekreuzigten. Andere Darstellungen der Geschichte zeigen den Geiger, in der Kissinger Kapelle ist er nicht zu sehen.
Gestiftet worden war die Kapelle und später das Bild, zu Beginn des 17. Jahrhunderts von den Brüdern Wörsching aus Friedberg, die sich damit für ihre Genesung bedankten.

Kapelle im Schloss Mergenthau

1599 kauften die Jesuiten das heutige Schloss Mergenthau. Im Erdgeschoss des geschichtsträchtigen Gebäudes befindet sich die Kapelle mit reichen Stuckarbeiten von 1714 von Matthias Lotter. Die Fresken schuf 1769 Vitus Rigl. Sie zeigen den Heiligen Wendelin, der vor den Herzen Jesu und Mariä betet. Im Besitz der Familie Fottner, die heute in Mergenthau zuhause ist, befinden sich auch alte Bibeln. Die Kapelle wird von der Familie genutzt und kann nicht besichtigt werden.

Franziskuskapelle Mering

Dass die Franziskuskapelle, oder wie die Meringer sie nennen, Franzisk-Kapelle, der Wallfahrtskirche Maria Hilf in Klosterlechfeld ähnlich sieht, ist kein Zufall. Denn auch in Mering wollte man 1692 einen Ort zur Wallfahrt schaffen. Der Hochaltar, der den Heiligen Benno zeigt und bereits 1712 von Johann Georg Bergmüller angefertigt wurde, stammt aus der Schlosskapelle St. Benno. Eine Darstellung der Stigmatisation des Heiligen Franziskus, befindet sich in einer Seitenkapelle vor der Kirche.
Unser Titelbild zeigt das Votivbild aus der Franziskuskapelle. Laut Ortschronik hatten 1704 Engländer und Holländer Mering niedergebrannt. Die Kapelle und ihr Mesnerhaus blieben als einzige Gebäude von den Flammen verschont. Gut zu sehen ist auf diesem Gemälde auch, dass das Kirchlein damals auch einen Eingang aus Richtung Kissing hatte, der heute verschwunden ist.
Auch ein großer Schatz der Gemeinde Mering befindet sich in der Franziskuskapelle: Das Gemälde „Anbetung der Könige“ von Franz Sigrist dem Älteren zeigt eine außergewöhnliche Perspektive der Drei Könige und der Heiligen Familie in einem opulenten Rahmen.
An wenigen Tagen im Jahr gibt es Gottesdienste. Dann kann die Kirche besucht werden. Auch die Mesnerfamilie sperrt auf Wunsch die Türe auf.

St.-Leonhards-Kapelle Mering

Ebenfalls eine Wallfahrtskapelle ist die St.-Leonhards-Kapelle. Sie wurde im Jahre 1754 erbaut und ist nur noch an dem, dem Leonhardstag folgenden, Samstag im November der Öffentlichkeit zugänglich. Zu Ehren des heiligen Leonhards, Schutzpatron der Gefangenen und Fürsprecher des Viehs, vor allem der Pferde, wurde früher auch ein Leonhardiritt durch die Gemeinde organisiert. Erbaut wurde das Kirchlein mit dem charakteristischen Dachreiterturm 1754. Doch bereits 1596 gab es eine Vorgängerkirche an der gleichen Stelle.

St. Peter und Paul, Reifersbrunn

In Reifersbrunn, das zur Gemeinde Mering gehört, gibt es nur wenige Anwesen, viele Pferde und seit 1823 eine kleine Kapelle, die den beiden Heiligen Peter und Paul gewidmet ist. Gottesdienste zu speziellen Anlässen und Prozessionen finden an einigen Terminen im Jahr statt und dann öffnet sich auch die Kirchentüre. Die Meringer & Kissinger Geschichte(n) durften mit dem großen Schlüssel selbst aufsperren.

Samerkapelle, Mering

Mitten an der belebten Kreuzung Unterberger Straße und Herrmann-Löns-Straße steht die im Jahr 2010 liebevoll renovierte Samer-Kapelle. Die beiden Landwirte Josef Mayr und Johann Grätz – die Samerbauern – hatten sie gestiftet und so wurde sie 1842/1843 gebaut. Damals gab es hier noch keine Straße. Die Wegkapelle stand an einem Feldweg mitten in der Landschaft. Erst mit der Zeit ist der Ort um sie herum gewachsen. Umso mehr kommt ihr heute eine Bedeutung als Ort des Innehaltens zu. Einmal im Monat trifft sich ein Rosenkranzgebetskreis in dem kleinen Gebäude. Dafür wird vorher der Blumenschmuck erneuert.
Die Meringer Feldkreuzfreunde hatten sich des verfallenen Kirchleins angenommen. Seitdem glänzt es mit neuem Dach, einer neuen Tür und frischer Farbe. Bauch die Madonna auf dem Altar bekam ein neues Kleid. Besonders die Erschütterungen des LKW-Verkehrs und ein Unfall hatten den Mauern zugesetzt und Risse erzeugt. Die abgeschlossenen Bauarbeiten wurden 2010 mit einem großen Fest für die Meringer gefeiert.

St. Castulus, Baierberg
Weil auch die Castulus-Kirche in Baierberg die meiste Zeit des Jahres ihre Türen geschlossen hat, reiht sie sich hier in die Riege der Meringer und Kissinger Kapellen ein. An der Stelle der heutigen Kirche stand bereits eine hölzerne Vorgängerversion, die 1632 oder 33 von den Schweden niedergebrannt wurde. 1681 baute man die heutige Kirche mit dem achteckigen Dachturm. Das üppige Barock-Altarbild zeigt den Kirchenpatron. Außerdem dominiert eine Rosenkranzmadonna den Raum.
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