Das Augsburger Friedensfest: für Frieden und Freiheit

8. August in Augsburg: Mehrere Hundert Menschen kamen auf dem Rathausplatz zur Friedenstafel zusammen.
 
Oberbürgermeister Kurt Gribl sprach mit Vertretern der Seebrücke Augsburg darüber, warum die Stadt nicht dem Bündnis "sichere Hafenstadt" beitreten kann.

Augsburg: Das Augsburger Friedensfest soll gefeiert werden als ein Tag, an dem die verschiedenen Religionen und Kulturen die Freiheit genießen, die die Fuggerstadt ihnen bietet, indem alle miteinander auf dem Rathausplatz das Essen teilen und ins Gespräch kommen. Nachdem im vergangenen Jahr der Landsberger Seenotretter Claus-Peter Reisch unangekündigt gesprochen hatte, wurde der Tag auch heuer zum Politikum. Die Organisation „Seebrücke Augsburg“, der Flüchtlingsrat und rund 30 weitere Gruppierungen verfassten im Vorfeld einen offenen Brief an Oberbürgermeister Kurt Gribl und den Stadtrat. Sie fordern, Augsburg solle eine sichere „Hafenstadt“ für Flüchtlinge werden. Die Stadt solle sich für die Seenotrettung einsetzen. Unterstützer waren aufgefordert, in orangefarbener Kleidung zur Friedenstafel zu kommen.

Bunt geht es jedes Jahr ohnehin zu, wenn sich mehrere Hundert Menschen aus verschiedenen Kulturen und Religionsgemeinschaften, Kinder, Familien und Senioren, an Tische auf dem Rathausplatz setzen. Doch heuer waren viele Teilnehmer zu sehen, die Schilder der Seebrücke hochhielten oder zumindest ein orangefarbenes Accessoire trugen, ob es ein Schal war, ein Hummer am Hut oder ein Kissen auf dem Rollator.
In ihrer Eigenschaft als OB-Kandidatin der CSU hatte sich Vizebürgermeisterin Eva Weber noch am Mittwoch kritisch zu den im Brief dargelegten Forderungen geäußert. Die Friedenstafel sei nicht die richtige Plattform, um das Thema Seenotrettung zu diskutieren. „Das Hohe Friedensfest hat einen anderen historischen Kern, der dadurch Gefahr läuft, entwidmet zu werden“, sagte sie. Die Debatte gehöre ins Rahmenprogramm, auch wenn sie selbst die Seenotrettung „ohne Wenn und Aber als humanistische Pflicht“ ansehe.
Oberbürgermeister Kurt Gribl erklärte sich gestern ähnlich. Nachdem er die Friedenstafel eröffnet hatte und Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften Friedensgrüße gesprochen und sich bedankt hatten, dass sie in Augsburg ihren Glauben frei leben können,, nahm er zu der Forderung Stellung, Augsburg solle sich als sichere Hafenstadt deklarieren und dem entsprechenden Bündnis beitreten. 

Augsburg wird Bündnis sichere Hafenstadt nicht beitreten

Derartige „Symbolpolitik“ stehe im Kontrast zu den gesetzlichen Regelungen, sagte Gribl. Er kritisierte, das Bündnis nenne etwa München als eine von 80 Städten, die beigetreten seien, dabei habe München sich nur drei von acht Punkten angeschlossen. Das Dach „sichere Hafenstadt“ sei ein starkes Symbol, doch „auf ein Symbol möchte ich die Stadt nicht reduzieren“, so Gribl, und er wolle selbst auch nicht „für Symbolpolitik in Anspruch genommen werden“.
Das Stadtoberhaupt berief sich auf geltendes Bundes- und Europarecht, dem sich die Kommune nicht widersetzen werde. Die Initiative hingegen ziele auf die Nichteinhaltung geltender Asyl- und Aufenthaltsregelungen ab. Das „Etikett sichere Hafenstadt“ sei mit nicht überschaubaren Inhalten verbunden, die sich zudem ständig änderten, rügte Gribl. Aktuell finde er auf der Homepage schon wieder andere Forderungen als noch im offenen Brief vom 5. August. Anschließend diskutierte er noch neben der Bühne mit Vertretern der „Seebrücke“, die meinten, Augsburg sei als Friedensstadt prädestiniert, sich zum „sicheren Hafen“ zu erklären.

"Trennung der Konfessionen wird noch in unserer Zeit enden"

Die Trennung der Konfessionen werde enden, und zwar nicht in einer „unerreichbaren fernen Zukunft einiger Jahrhunderte, sondern in unserer Zeit“: Davon ist Matthias Türk, früheres Mitglied im päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen und persönlicher Referent des Würzburger Bischofs, überzeugt. Er predigte gestern Vormittag in der Annakirche beim ökumenischen Festgottesdienst zum Friedensfest. „Einheit ist nicht menschliche Leistung, nicht unser Werk, sondern ein Geschenk des Heiligen Geistes“, sagte er. Das Bemühen um die Einheit der Christen sei „ein herausragender Weg zum Frieden“, so Türk. Er mahnte Theologen: „Dialog zielt nicht in erster Linie darauf ab, den Dialogpartner zu ändern, sondern eigene Defizite zu erkennen.“ Dann gewinne der Einigungsprozess eine eigene Dynamik. Der Augsburger Diözesanadministrator Bertram Meier sagte, Religionsfreiheit sei ein Grundrecht. Christen sollten dazu beitragen, dass Religionsfreiheit für alle gelte: „Das bedeutet, den Respekt und die Achtung voreinander zu fördern.“
Am Nachmittag fand in Zoo und Botanischem Garten das Kinderfriedensfest statt. Darüber berichten wir morgen.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.