„Dem Eidechsenkrimi auf der Spur…“

Foto: Bernhard Hanke
 
Foto: Bernhard Hanke

So 

beginnt der ehemalige und langjährige Vorsitzende der Ortsgruppe BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN), Günter Bretzel, seinen Kurzvortrag beim Offenen Treffen

Im Anna-Café am Abend des 26. September lauschen die Gäste mit Interesse und Spannung dem „Eidechsenkrimi“ von Günter Bretzel. Tatort sind der Bahnpark und die Flugplatzheide. Was ist da geschehen und um welche Eidechsen handelt es sich? Günter Bretzel: „Ich war auf der Flugplatzheide, als ich drei Herren traf, die dieses Gelände untersuchten. Sie prüften diesen Standort für eine Umsiedelung der heimischen Zauneidechsen aus dem Bahnpark.“ Die heimische Zauneidechse steht u.a. in Deutschland auf der Roten Liste (Vorwarnstufe) gefährdeter Arten, sie ist nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie), Anhang IV und nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) eine streng zu schützende Art. „Das bedeutet, ihr Vorkommen darf nicht reduziert werden, sie müssen z.B. bei Bebauung ihrer Habitate umgesiedelt werden“, erklärt Dr. Günter Bretzel. Warum und von wem wird da eine Umsiedelung der vermutlich mehreren Hundert niedlich aussehenden und schnellen Tiere geplant? Christine Kamm, 1.Vorsitzende der BN-Ortsgruppe: „Weder die Obere, noch die Untere Naturschutzbehörde wissen davon etwas, Günter und ich haben uns kundig gemacht“. Die detektivischen Natur- und Tierschützer vermuten die Auftraggeber für die Untersuchung eines Standortwechsels der liebenswerten Echsen bei der ISARIA Wohnbau AG mit Hauptsitz in München. Diese Firma hat das Gelände des Bahnparks gekauft und will vermutlich Wohnungen bauen. Bebauungsplan geschweige denn eine Genehmigung ist jedoch nicht vorhanden. Das Problem aus Sicht des Naturschutzes ist, wie Christine Kamm sagt: „Wir müssen mit den Umsiedelungen auf bereitete Biotope vorsichtig umgehen. Umso seltsamer, dass noch vor irgendeiner Bebauungsplanung und weit vor einer eventuellen Baugenehmigung Umsiedlungen in Angriff genommen werden. Die wenigen Studien über den Erfolg von Umsiedlungen zeigen, dass sich oftmals Bestände bei Umsiedelungen nicht dauerhaft halten können. Das ist gegen die strengen Auflagen, die ausdrücklich verlangen, dass bei einer Umsiedelung die Art in ihrer Größe erhalten werden muss. Außerdem hat im Bahnpark der Denkmalschutz auch noch mitzureden.“ Die Ehrenamtlichen des BN werden die Zauneidechsenhabitate am Bahnpark weiterhin im Blick haben.

Ein weiteres Thema dieses Treffens waren die Bäume in unserer Stadt


Augsburg hat 80-120 000 Bäume im öffentlichen Raum. Mancher Baum ist nicht widerstandsfähig genug für die Häufung der heißen Temperaturen im Sommer, und den sonstigen Belastungen wie Luftverschmutzung und verdichteten, befahrenen Erdreich. Ihre Vitalität reicht nicht für den oft schonungslosen Umgang mit ihnen bei Bauarbeiten. „Einige Fugger-Linden, aber auch die Platane am Königsplatz ist in einem kümmerlichen Zustand.“, meint Christine Kamm. Ärgerlich ist auch, dass beim Bau der Rote-Tor-Umfahrung die zahlreichen Bäume, mit denen für das Projekt auf den Planzeichnungen geworben wurde, nun ein schütteres Dasein fristen. Offenbar wurden beim Straßenbau diese Baumstandorte zu stark verfestigt, mit Baumaterial verunreinigt. Die Stadt und die Mitarbeiter des Amtes für Grünordnung bereiten nun für Neupflanzungen die Böden gründlich vor, damit die Bäume die Standortbedingungen der Stadt verkraften. Auf Nachfrage zählt Christine Kamm geeignete Arten auf: „Ulmen in bestimmten Abständen, Feldahorn, Hainbuchen, Linden und Robinien. Wünschenswert sind aus Insektenschutzsicht natürlich auch Obstbäume in der Stadt.“
Einer der Gäste, Dr. Eduard B., erwähnt: „Auf den Platz vor der Stadtbücherei gehören dringend Bäume gepflanzt.“
Bei diesem Thema entsteht der Wunsch der Naturschützer, dass die Bürger von städtischer Seite aus mehr mitwirken können: „Wo brauchen wir in Augsburg Bäume?“ Der BN Augsburg will Wunschstandorte sammeln und diese an die städtischen Ämter weiterleiten. Bürgerinnen und Bürger können fehlende Bäume an ihrer Straße auch direkt an agnf@augsburg.de melden. Klar ist, dass mehr Bäume unserem Stadtklima gut tun. Auch versiegelte Flächen können – wenn keine unterirdischen Leitungen dem entgegenstehen, wieder in Baumstandorte umgewandelt werden.

D

as Thema „Mähen der städtischen Grünflächen“

brachte Hans A. ins Spiel. Er berichtete: „Ich verstehe nicht, dass bei uns in Göggingen, die Wiesen im Frühjahr in der gesamten Fläche gemäht worden wären, so dass nichts Blühendes für die Insekten übrigbleibt. Ich habe den Arbeiter angesprochen, ihm erklärt, wie wichtig Wiesen für unsere Insekten sind und er hat dann auch ein Stück stehen lassen.“ Über sein vorbildliches Vorgehen freuten sich die Ehrenamtlichen des BN und hoffen weiterhin auf seine tatkräftige Unterstützung und das nicht nur als Einzelkämpfer, sondern z.B. bei der Biotopflege, für die Peter Häußinger, Leiter der Biotoppflege bei der Ortsgruppe BN, wirbt: „Wir brauchen immer wieder neue Helfer.
Wer Zeit, Lust und Laune hat, vielleicht auch um nur einen Versuch zu wagen, wie das so ist, möge sich doch bitte melden!“
Peter Häußinger: Tel.-Info unter 0821-93814. Die Ortsgruppe kann in verschiedenen Bereichen Hilfe gebrauchen, nähere Infos hier:
https://augsburg.bund-naturschutz.de/ortsgruppen/a...

Das nächste Offene Treffen wird am Do, 24. Oktober um 19:30 Uhr, im Anna Café sein.
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