Der Meitinger Maibaumklau, der keiner war?

(Foto: Peter Heider)

Erlinger Burschen klauten den Meitinger Maibaum – das Maibaumfest fiel aus. Hat ein regulärer „Maibaumklau“ vorgelegen? Wolfgang Wagner erklärt seine Sicht der Dinge.

„Es hing nur noch ein Zettel mit der Nachricht, wann und wo über die Auslöse des Maibaums gesprochen werden soll, an der Halterung“, erklärt Wolfgang Wagner, Vorsitzender des Kultur- und Brauchtumsvereins Meitingen. Der Baum war in einer Meitinger Lagerhalle eingesperrt. Schon vor zwei Jahren habe der Halleneigentümer erklärt, er drücke über den Diebstahl des Maibaumes durch Erlinger Burschen aus der Halle noch einmal ein Auge zu, aber nächstes Mal wolle er Anzeige erstatten, berichtet Wagner, und so kam es wie angekündigt.
Der Halleneigentümer hatte Anzeige bei der Polizei in Gersthofen gegen die Maibaumdiebe erstattet, die noch am gleichen Abend zum Tatort kamen.
„Als Vertreter des Vereins für Kultur- und Brauchtumspflege erschien ich zum Auslösegespräch am Rathausplatz“, erklärt Wagner den Vorgang. Auch der Eigentümer der Halle und Vertreter der Polizei seien in zivil dabei gewesen.
„In einem ruhigen, aber bestimmten Gespräch wollte ich zunächst einen Beweis dafür, dass ich auch mit ’meinen’ Maibaumdieben rede und fragte nach, wie sie in das verschlossene Gelände gekommen seien, aber diese Antwort blieben die Burschen größtenteils schuldig, so Wagner. Der Eigentümer der Halle fragte ebenfalls nach, weil er wissen wollte, ob er den Leuten (Angestellte), die Schlüssel zu den Anlagen haben, trauen könne. Ansonsten müsste er entsprechende Konsequenzen ziehen.
Aber die Burschen sollen nicht mit dem „wie“ herausgerückt haben. Zeit und Gelegenheit zum Reden sei genug gewesen, meint Wagner.
Es sei ruhig und keineswegs in erboster Atmosphäre gesprochen worden, so wie in den Medien zu lesen war. Der Halleneigentümer erklärte, dass er Anzeige erstattet habe und die Polizisten sollen sich dann zu erkennen gegeben und die Personalien aufgenommen haben.
Vor zwei Jahren haben „wir als Verein den Baum ausgelöst, er wurde zurückgegeben und wir haben schön gefeiert“, so erinnert sich Wagner, und der Hallenbesitzer habe damals erklärt, dass beim nächsten Mal eine Anzeige erfolgen werde.
Aber beim diesjährigen Diebstahl ist Wagner ganz wichtig: „Unter diesen Umständen sagte ich, dass das nichts mit Brauchtum zu tun habe und wir deswegen keine Auslöse für den Baum bezahlen werden. Über die Höhe der Auslöse wurde nie gesprochen.“
Die Burschen sollen Bedenkzeit bis 21 Uhr desselben Tages gehabt haben, da der Verein je nach Reaktion der Burschen eine Entscheidung über die Maifeier zu treffen hatte. Bis 23 Uhr soll die außerordentliche Vorstandschaftsitzung des Kultur- und Brauchtumsvereins Meitingen nichts von den Maibaumdieben gehört haben.
Optionen
Der Verein hatte mehrere Optionen:
•Maibaum zurück – alles gut, Maifeier.
•Baum nicht zurück, einen neuen Baum zu schlagen wäre personell schwierig gewesen, der Baum wäre im Saft und schwer gewesen, es sollte kein Risiko bezüglich der Sicherheit eingegangen werden, siehe der Unfall in Treuchtlichen. Auch müsse der Baum in die Halterung auf dem Platz exakt eingepasst werden.
• Feier ohne Baum machen? Das habe für die Meitinger nichts mehr mit Brauchtum zu tun und hätte als reine Profitgier ausgelegt werden können.
• Folglich kam der Verein zur Entscheidung:
Wenn der Baum unbeschädigt bis 8 Uhr am Freitag, 27. April, an der Halle auftaucht, wird gefeiert, wenn nicht, wird die gesamte Maifeier abgesagt, trotz der vielen Vorbereitung, der geplanten Auftritte von Gruppen, Gesangsvereinen, Kapellen. Die Maifeier wurde abgesagt.
„Für den Verein ist es mehr als 20 Jahre lang eine Ehre gewesen, dieses erste Fest im Jahr in Meitingen durchführen zu dürfen. Wir haben es alle gerne gemacht. Dass nun jedoch derartig gegen uns Stimmung gemacht wird, die Wahrheit nur wenige interessierte und viele sich leichtfertig der, sagen wir mal ’lückenhaften’ Berichterstattung anschließen, hätten wir nicht erwartet“, bemerkt Wagner enttäuscht.
„Es wäre mit Sicherheit leichter gewesen, alles stillschweigend hinzunehmen, so zu tun, als wäre das alles Brauchtum und das Fest abzuhalten, aber das widerspricht einfach unserer tiefsten Überzeugung dessen, was Brauchtum ist“, fügt Wagner hinzu.
Allerdings sollte der Maibaum auch so gelagert sein, dass zur Brauchtumserfüllung kein „Einbruch“ und somit eine Straftat erfolgen muss. Diesen Vorwurf muss sich der Verein machen lassen, der über etwa 20 aktive Mitglieder verfügt. Ein Maibaum muss bewacht werden und einer der Bewacher habe immer eine Hand auf dem Baum. Das war in Meitingen wohl auch nicht der Fall. Gewalt dürfe eh nie angewandt werden.
„Wir sind einfach zu wenige Personen im Verein, wir konnten es nicht anders organisieren, auch keine Wache“, gibt Wagner zu.

Was ist Brauchtum?

Auch Brauchtum unterliegt einiger Regeln und Bedingungen, nach Region zu Region unterschiedlich gehandhabt. Manche für Bayern wohl gültige Regeln führen diesen Maibaumklau allerdings ad absurdum:
• Maibaum stehlen darf nur jemand, der in seinem Dorf auch den Maibaum aufstellt. Erlingen habe keinen.
• Maibaum darf nicht innerhalb der Gemeinde gestohlen werden – Erlingen gehört zur Gemeinde Meitingen.
• Der Maibaum ist tabu, wenn er in einem verschlossenen Gebäude aufbewahrt wird. Er war in einer verschlossenen Halle.
• Da sich der Baum noch innerhalb der Gemeindegrenze befinden soll, wäre er ja noch nicht einmal geklaut.
• Und der Baum wurde nicht bewacht, so wie gefordert.
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