Der Singoldkanal: Ein Meisterwerk der römischen Wasserbauingenieure

Nach 2000 Jahren noch erkennbar: Der Singoldkanal im Hurlacher Forst.

Ein Problem hatten die Römer in Augsburg: Das hohe Gefälle zwischen dem Lauf von Lech, Wertach sowie Singold und der viel höher gelegenen Römerstadt erlaubte keinen natürlichen Wassertransport. Und das innerhalb der Stadt geförderte kostbare Brunnenwasser reichte gerademal für die Versorgung mit Trinkwasser. Doch die römischen Wasserbauingenieure waren findig und auch die gute Singold zeigte sich recht hilfsbereit. Sie war damals ziemlich kräftig veranlagt: Sie dürfte das drei- bis vierfache der heutigen Wassermenge im nassen Reisegepäck gehabt haben und sie umfloss noch - den Rosenauberg umgehend - Augsburg. Erst in Oberhausen wurde sie gnädigerweise von der Wertach aufgenommen.

Die Bestimmung einer Ableitstelle weit im Süden der Römerstadt - im 35 Kilometer entfernten Ostallgäuer Örtchen Großkitzighofen - wurde zu einem hydrologischen Meisterwerk, erklärt der Augsburger Stadtarchäologe Sebastian Gairhos: "Nur von dort aus gestattete das sehr abgesenkte Landschaftsrelief der Hochterrasse zwischen den Talungen von Lech und Wertach die Führung eines künstlichen Kanals." Und: "Auch ein einigermaßen gleichmäßiges Gefälle von etwas unter drei Promille bis hinunter zu der für die Römer wichtigen Provinzialhauptstadt Augusta Vindelicum ist von dort aus vorhanden."

Diesen geografischen "Hotspot" sowie die exakte Kanalführung zu bestimmen, erforderte ein exzellentes Fachwissen und auch viel praktische Erfahrung. Ein kleines Rinnsaal war der Kanal nicht: Mit vier Metern Breite und drei Metern Tiefe wird er mit dem heutigen Lochbach zu vergleichen sein. Die Archäologen schätzen seinen Durchfluss auf immerhin 3000 Liter pro Sekunde, was etwa die Hälfte der heutigen Wassermenge der Singold darstellt. Auf heutiger Augsburger Flur führten die Römer den Kanal vom Areal der Fußballarena - bei den Bauarbeiten kam das Kanalbett zum Vorschein - über den Gögginger Burgfrieden und die Imhofstraße zum römischen Stadtkern.

Kostbare Sammlung römischer Goldmünzen

Südlich von Augsburg ist der Wassergraben im Hurlacher Forst noch mit bloßem Auge zu erkennen. Hut ab, vor den Leistungen der römischen Wasserbauingenieure! Aber auch vor jenen, die den Kanal auszuheben hatten. Für die Gögginger hat Stadtarchäologe Sebastian Gairhos noch einen historischen Leckerbissen parat: Schon in den 1960er Jahren wurde südlich der heutigen Bayerstraße bei einer Baumaßnahme der Kanal offengelegt. Und dabei ist eine kostbare Sammlung römischer Goldmünzen zum Vorschein gekommen Damit ist erwiesen: Arme Schlucker waren die Gögginger wohl schon damals nicht.

(Von Dr. Heinz Münzenrieder )
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