"Die Kunst der Utopie": Augsburg zeigt Plakatausstellung aus Israel erstmals in Deutschland

Der Mexikaner Alejandro Magallenes Gonzalez hat dieses Plakat für die Ausstellung "Kunst der Utopie" geschaffen. Neben ihm haben noch 30 weitere Künstler die Plakatausstellung gestaltet. Foto: Alejandro Magallenes Gonzalez

Augsburg - Zum Friedensfest heißt Augsburg die Besucher in diesem Jahr in Utopia willkommen. Zahlreiche Programmpunkte beschäftigen sich in Bild, Wort, Melodie, Theater und Film mit dem Motto "Utopie: Was wäre, wenn...?". Die teilnehmenden Künstler kommen dabei nicht nur aus Augsburg. Das Goethe-Institut Israel etwa nutzt die Veranstaltung und zeigt seine Ausstellung "Die Kunst der Utopie" zum ersten Mal in Deutschland.

Das Programm zum Hohen Friedensfest beginnt am Sonntag, 22. Juli, von 11.30 bis 14.30 Uhr traditionell mit der kleinen Friedenstafel am Oberhauser Bahnhof. Um 20 Uhr folgt dann im Goldenen Saal des Rathauses eine Abendveranstaltung mit Musik, Theater und einer Podiumsdiskussion. In der Gesprächsrunde treffen vier Kunstschaffende zusammen und diskutieren gemeinsam über ihre persönlichen Utopien und ihre Vorstellungen der Welt von morgen. Neben einem Schriftsteller, einem Künstler und einer Musikerin nimmt auch ein selbsterklärter Cyborg an der Diskussion teil. Stefan Greiner trage Technologie unter der Haut und wolle "alternative Visionen für eine Mensch-Maschine-Zukunft entwickeln", kündigt der Veranstalter an. Der Abend wird begleitet von szenischen Darstellungen aus dem Stück "1968".

Bereits ab dem 23. Juli und bis zum Hohen Friedensfest am 8. August zeigt dann das Goethe-Institut Israel seine Plakatausstellung zur Kunst der Utopie im Foyer der Stadtsparkasse in der Halderstraße. Die Ausstellung wurde 2017 in Tel Aviv initiiert und ist in der Friedensstadt erstmalig in Deutschland zu sehen. "2017 ist ein Jahr der Jahrestage. Jahrestage, an denen Utopien geboren oder Utopien begraben wurden", heißt es in der Programmvorstellung.

1897 berief Theodor Herzl in Basel den ersten Zionistenkongress ein, auf dem er seine Vision eines jüdischen Staates formuliert, die - wie Herzl es in seinem Roman Altneuland beschreibt - das gleichberechtigte Zusammenleben von jüdischer und arabischer Bevölkerung einschließt. Zwanzig Jahre später kommt es zur russischen Revolution, die eine gleiche und gerechte Gesellschaft für alle verspricht, jedoch in einem totalitären System endet.

1967 ist ein Umschlagspunkt in vielen Ländern: Israel erlangt im Sechstagekrieg die Kontrolle über das Westufer des Jordan, Ostjerusalem, die Golan-Höhen und die Sinai-Halbinsel und wird zur Besatzungsmacht. Im gleichen Jahr wird in Berlin bei einer Demonstration der Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen. Der Freispruch des Täters führt zu einer Radikalisierung von Teilen der Studentenbewegung. Ebenfalls 1967 wird in Bolivien Che Guevara exekutiert. Nach erfolgreichem Einsatz in Kuba gemeinsam mit Fidel Castro gelang es nicht, die Revolution in benachbarte Länder zu übertragen.


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Für die Ausstellung wurden insgesamt 31 Künstler aus 18 Ländern eingeladen, auf Plakaten zum Thema Utopie Stellung zu nehmen. Welche Werte, welche utopischen Ideen und Ziele sind heute noch relevant? Gibt es neue Utopien, die Anlass zur Hoffnung geben? Auf diese Fragen möchte die Ausstellung Antworten finden.

Die Plakate wurden von Dezember 2017 bis Februar 2018 im van Leer Institut Jerusalem gezeigt. Mit der Ausstellung während des Friedensfests sind die Werke das erste Mal außerhalb Israels zu sehen. Einzelne Exponate werden auch im öffentlichen Raum in der Augsburger Innenstadt gezeigt. Zur Vernissage am 23. Juli, um 11 Uhr, bietet der Gestalter und Plakatkünstler Götz Gramlich eine kostenlose Führung zu den Werken in der Innenstadt an. Treffpunkt ist die Bürger-Info am Rathausplatz.

Eine weitere Veranstaltung, die in diesem Jahr zum ersten Mal stattfindet, ist das Augsburger Gespräch zu Literatur und Engagement am Montag und Dienstag, 23. und 24. Juli. Zehn Autoren, Filmemacher und Künstler kommen zusammen, um über Möglichkeiten des Engagements, gerade im Hinblick auf Utopie, zu sprechen.

Interessant sei vor allem die "bunte Mischung" der Diskussionsteilnehmer, wie die Friedensbüroleiterin Christiane Lembert-Dobler ankündigt. Generationenübergreifend, von Jahrgang 1943 bis 1990, und spartenübergreifend, vom Autor über den Filmemacher bis hin zur Rapperin, seien die Teilnehmer. Das Format soll künftig jedes Jahr fortgesetzt werden.

Vier der Autoren nehmen bereits am Montag um 20 Uhr an einer öffentlichen Podiumsdiskussion in der Stadtbücherei teil. Die große öffentliche Abschlussdiskussion findet dann am Dienstag von 10.30 bis 12 Uhr ebenfalls in der Stadtbücherei statt. Schon am Montagnachmittag bieten die einzelnen Autoren, Künstler und Musiker an verschiedenen Stellen in der Innenstadt Lesungen, Konzerte und Vorführungen.
Weitere Informationen zum Programm des Friedensfestes finden Interessierte unter friedensstadt-augsburg.de. (Von Kristin Deibl)

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