Die Welt ist bunt - auch in der Carotte

Wolfgang Lipp ist der Abteilungsleiter der Gärtnerei Carotte und ihr Namensgeber.
 
Wolfgang Lipp und M. Bauer ernten die selbst angebauten Gurken.

Der Gärtnerei-Laden Carotte der Ulrichswerkstätten Augsburg unterstützt und beschäftigt Menschen die sich auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht durchsetzen können. Wolfgang Lipp, Abteilungsleiter der Carotte, und sein Team ermöglichen ihnen eine Teilhabe am Arbeitsleben, unterstützen ihre Stärken und integrieren sie so in die Gesellschaft. Damit leistet die Carotte als Teil der Ulrichswerkstätten, die am 20. Juli ihr 50-jähriges Jubiläum feiern, einen Beitrag zu einer offenen und humanen Gesellschaft. Am Samstag, 16. Juni, findet deutschlandweit ein Aktionstag für eine offene Gesellschaft statt.

J. Mayr und M. Bauer arbeiten in der Carotte. Beide hatten zuerst versucht sich auf dem ersten Arbeitsmarkt zu behaupten und fanden hier eine Anstellung. Nach einem Förderlehrgang und einer Schnupperlehre kam J. Mayr, der an einer leichten Lernschwäche leidet, zur Carotte und arbeitet dort mittlerweile seit 16 Jahren im Verkauf. Anfangs war es für ihn schwierig sich zu integrieren und er spielte mit dem Gedanken sich wieder bei anderen Firmen zu bewerben. Aber verschiedene Anforderungen, beispielsweise ein Führerschein, beendeten diese Gedankenspiele. Heute verwendet er, der als einer der wenigen in einer eigenen Wohnung lebt, keine Gedanken mehr an einen Wechsel. "Hier habe ich Freunde gefunden und eine Arbeit die mir Spaß macht. Klar gibt es mal Stress, wenn viele Lieferungen an einem Tag reinkommen, oder auch mal mit anderen Mitarbeitern. Aber wenn es Probleme gibt helfen die Vorgesetzten einem immer."

Die gelernte Gemüsefachgärtnerin M. Bauer (22) ist erst seit September 2017 in der Gärtnerei der Ulrichswerkstätten. Dorthin wurde sie vom Arbeitsamt aufgrund ihrer körperlichen Behinderungen an Arm und Bein vermittelt. M. Bauer arbeitet in der Gärtnerei weitgehend selbstständig, soweit das in einem Team möglich ist, und kümmert sich um die Pflanzenpflege, Kundenberatung oder jätet das Unkraut. Für 2019 plant sie in eine eigene Wohnung zu ziehen, derzeit wohnt sie noch bei den Eltern. Damit das klappen kann, macht sie zurzeit an zwei Tagen pro Woche ein Praktikum in einer Blumengärtnerei und hofft auf eine baldige Festanstellung.

Es menschelt in der Carotte

In der Gärtnerei begleiten die Schützlinge von Lipp die Pflanzen von der Aussaat bis zur Ernte und seit einigen Jahren werden diese auch im eigenen Gärtnerei-Laden Carotte, Hanreiweg 9, verkauft. Dort stehen von Montag bis Freitag, die frisch von den eigenen Feldern geernteten Produkte zum Verkauf. Angeboten wird hauptsächlich Gemüse, wie Paprika, Gurke, Zucchini, Oberschiene, Tomaten, Zuckerrüben oder Mangold und viele mehr. Außerdem gibt es viele frische Salate und Kräuter - die auch als ganze Pflanze für den eigenen Garten und Balkon gekauft werden können. Die Mitarbeiter stellen außerdem auf Wunsch Blumen- und Grabgestecke her oder übernehmen Gartenarbeiten, beispielsweise bei einer älteren Dame zu Hause.

Man merkt den Mitarbeitern an wie wichtig ihnen die Arbeit ist und wie viel Herzblut sie reinstecken. Die Verkäufer an der Kasse begrüßen die Kunden oftmals mit Namen, wissen genau was sie brauchen und helfen die Sachen zum Auto zu bringen.

Integration durch Arbeit

1986 startete das integrative Arbeitsprojekt Gärtnerei der Ulrichswerkstätten Augsburg mit zehn Beschäftigten und zwei Betreuern. Ziel war es Menschen die Kraft haben, die belastbar sind und Ausdauer haben, aber im Büro oder im sitzen nicht durchhalten, würden eine gute Beschäftigung zu geben. Die meisten, die hier arbeiten, haben irgendeine Form von Behinderung oder Lernschwäche, die ihnen den Zugang zum ersten Arbeitsmarkt verwehrt. Sie sind überfordert mit den komplexen Arbeitsprozessen in der Industrie oder mit dem hohen Leistungsdruck. In den Ulrichswerkstätten werden ihre Stärken analysiert und sie dementsprechend eingesetzt. "Wir versuchen ihre Stärken auszubauen und nicht ihre Schwächen auszumerzen. Das führt oft nur zu Frust und Abwehrhaltung," so Wolfgang Lipp. Die Regelarbeitszeit beträgt täglich 6,75h plus Pause und das fünf Tage die Woche. Dafür erhalten die Mitarbeiter ein kleines Gehalt, das alle zwei Jahre neu festgelegt wird und ein kostenfreies Mittagessen. Der Arbeitgeber übernimmt auch den vollen Anteil an der Kranken- und Rentenversicherung.

Die Ulrichswerkstätten, die zur Caritas Augsburg Betriebsträger gGmbH gehören, unterstützen die Mitarbeiter, die häufig bei ihren Eltern, in Wohngruppen oder in Heimen wohnen, zusätzlich zur mit Förderkursen, beispielsweise für die bessere Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs, zur Entspannung oder den Umgang mit "Liebe, Freundschaft und mehr". Es gibt auch viele Sportangebote, wie Fußball oder Nordic Walking. In der Mittagspause wird zur Zeit besonders gern Fußball gespielt.
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