Diese Maschine aus Augsburg ermöglichte die Erfolgsgeschichte des bayerischen Biers

Die Dauerausstellung im Museum des Hauses der Bayerischen Geschichte wird aufgebaut. Auf der Bühne „Bayern industrialisiert mit Maß“ steht die Kältemaschine von Carl Linde für technische Innovationen im Bayern des ausgehenden 19. Jahrhunderts und den Erfolgszug des bayerischen Biers, umrahmt von zahlreichen Emaille-Werbeschildern, die das Bild Bayerns in der Welt über die Bierwerbung nachhaltig prägten. (Foto: © Haus der Bayerischen Geschichte)

Fast sechs Tonnen bringt die Original Linde-Kältemaschine auf die Waage. Carl Linde experimentierte sechs Jahre lang, bis dieser 4 Meter hohe, 5,30 Meter breite und 2,10 Meter tiefe Prototyp schließlich 1876 in der Maschinenfabrik Augsburg fertig gebaut und ab Januar 1877 in der Dreher’schen Brauerei in Triest eingesetzt werden konnte. Der geniale Erfinder revolutionierte die Bierherstellung und ermöglichte den Export bayerischen Bieres weltweit. Seine Maschine steht jetzt in Regensburg.

Die Ur-Maschine wurde jetzt aus Wien angeliefert und in fünf großen Einzelteilen in das erste Obergeschoss des Regensburger Museums des Hauses der Bayerischen Geschichte gebracht. Auf der Bühne „Bayern industrialisiert mit Maß“ steht die „Ur-Linde“ für technische Innovationen im Bayern des ausgehenden 19. Jahrhunderts und den Erfolg des bayerischen Biers, umrahmt von zahlreichen Emaille-Werbeschildern, die das Bild Bayerns in der Welt über die Bierwerbung nachhaltig prägten.

Revolution in der Braukunst

Die Linde-Kältemaschine legte mit den Grundstein für den weltweiten Erfolg des bayerischen Bieres. Vor ihrer Erfindung stellte die Kühlung des Gerstensaftes die Brauer vor große Schwierigkeiten. Untergäriges Bier wie Pils, Lager oder Helles gelingt nur bei Temperaturen unter neun Grad Celsius, und selbst natürlich kalte Felsenkeller schafften diese Voraussetzungen oft nicht über den ganzen Sommer.

Bis 1865 war in Bayern das Bierbrauen in den Sommermonaten sogar verboten. Die einzige zusätzliche Kühlung lieferte Natureis, das im Winter in großen Blöcken geschlagen und in Kellern eingelagert wurde. Das Eisschlagen war eine körperlich sehr harte, kräftezehrende und gefährliche Arbeit. Und Natureis war teuer: So musste die Münchner Großbrauerei Hacker-Pschorr im 19. Jahrhundert zeitweise jährlich 24.000 Tonnen Natureis ankaufen.

Kältemittel Ammoniak statt Natureis

Mit der Erfindung von Carl Linde wurde die Bierproduktion angekurbelt: Dank dem in seiner Maschine eingesetzten Kältemittel Ammoniak konnte untergäriges Bier nun problemlos ganzjährig gebraut werden.

Während große Brauereien ihren Brauprozess zunehmend industrialisierten und die innovative Kompressionskältemaschine einsetzten, wurde in zahlreichen Brauereien noch bis ins 20. Jahrhundert mit Natureis gekühlt. (pm)
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