Dritter Hochschulcampus rückt näher: Graffiti an der ehemaligen Justizvollzugsanstalt

Bernhard McQueen, alias BRNZN gestaltete das Graffiti. (Foto: Laura Türk)
 
In dieses Gebäude soll die Verwaltung der Hochschule nächstes Jahr ziehen. (Foto: Laura Türk)

Immer mehr Studenten schreiben sich an der Hochschule Augsburg ein, der Platz wird immer knapper. Für Tatjana Dörfler, Kanzlerin der Hochschule, ist es deshalb ein wahrer Glücksfall, dass der Freistaat Bayern die ehemalige Justizvollzugsanstalt (JVA) im Hochfeld an die Hochschule übertragen hat. Dort soll ein dritter Campus entstehen, in fußläufiger Entfernung zu den bereits bestehenden Standorten.

"Wenn alles gut läuft und die beantragten Gelder bewilligt werden, wollen wir mit dem ersten Bauabschnitt bereits nächstes Jahr beginnen", sagt Dörfler. Der denkmalgeschützte Backsteinbau auf dem Gelände der ehemaligen JVA soll dann zuerst in Angriff genommen werden, da hierfür die nötigen Genehmigungen bereits eingeholt werden konnten. Nicht studentennahe Bereiche der Verwaltung sollen in Zukunft in dem Gebäude untergebracht werden. "Der neue Campus ist natürlich ein langfristiges Projekt", erklärt Tatjana Dörfler, "wenn aber die Verwaltung schon bald in das Gebäude der JVA umziehen kann, dann gibt es an den herkömmlichen Standorten sofort mehr Platz für die Studenten." Auch sie selbst wird dann wohl in dem Backsteinbau arbeiten.

In der Zukunft soll der 6000 Quadratmeter große Bereich allerdings auch Forschungs- und Lehrbauten enthalten. "Besonders dringend brauchen wir zum Beispiel einen neuen Audimax Hörsaal", sagt Dörfler. "Außerdem wollen wir eine Community Area einrichten, und uns dort auch etwas nach außen öffnen."

Zu dem Gelände der JVA gehört auch eine 50 Meter lange Mauer, die noch immer mit Stacheldraht bestückt ist. Aufgrund der Größe der Wand hat diese sich als beliebter Ort für illegales Graffiti etabliert. "Das wollten wir aber nicht", sagt Dörfler. "Die Wand sollte irgendwie auch etwas mit uns zu tun haben." Vor einem halben Jahr schrieb die Hochschule gemeinsam mit dem Förderverein für Graffiti-Kultur "Die Bunten" einen Wettbewerb für die Gestaltung der Wand aus.

Das Sieger-Graffiti gestaltete Bernhard McQueen, alias BRNZN. In fünf verschiedenen Abschnitten, die jeweils in Zweierteams von Sprayern des Vereins umgesetzt werden sollen, interpretiert das Design Forschungsbereiche der Hochschule Augsburg: Autonomes Fahren, Logistik, Mensch-Maschine-Interaktion, Bauen und Wohnen der Zukunft sowie IT-Sicherheit und Daten-Forensik.

"Innerhalb unserer Szene ist es wichtig, dass bei einem solchen Projekt jeder die Chance hat, sich im Rahmen eines Wettbewerbs zu bewerben, dass nicht einfach der Verein entscheidet", erklärt Daniel Tröster, Vorstand von Die Bunten. "Wir wollten auch nicht, dass nur eine Person die Wand bemalt, sondern dass sich möglichst viele Künstler einbringen können." Die Grundierung des ersten Abschnitts hätten zum Beispiel bereits die jüngeren im Verein übernommen, erklärt Tröster.

Bereits dieses Wochenende sollen die ersten drei Abschnitte, das autonome Fahren, das Bauen und Wohnen der Zukunft und die Logistik, fertiggestellt werden. Tatjana Dörfler freut sich besonders, dass sie durch die Kunstaktion mit den Nachbarn des zukünftigen Campus ins Gespräch kommt. "Viele der Anwohner haben bereits Wünsche geäußert, wie sich der Campus entwickeln könnte." Das sei für sie sehr wertvolles Feedback. Die Reaktionen auf das Projekt seien bisher sehr positiv, sagt Tröster. "Alle freuen sich eigentlich darüber. Wir hoffen, dass am Ende jedem der Nachbarn zumindest eine der fünf Wände gut gefällt."
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