Ein Ersatz für den Menschen? Augsburger Studenten stellen Pflegeroboter "Pepper" vor

 

Pepper lässt den Blick durch den Raum schweifen. Sieht er ein Gesicht, hält er inne, fixiert sein Gegenüber und blinkt ihm mit den Lämpchen um seine Augen zu, als würde er freundlich zwinkern. Meist ist sein Kopf auf der Suche nach Gesichtern leicht nach oben ausgerichtet, denn der kleine Roboter ist nur 70 Zentimeter groß. Programmiert wurde Pepper von einer Forschungsgruppe der Uni Augsburg gemeinsam mit der C&S Computer und Software GmbH. In Zukunft könnte er als Pflegeroboter eingesetzt werden, um das Personal zu entlasten. In der Akademie für Gesundheits- und Sozialberufe am Berufsbildungszentrum Augsburg (BBZ) stellten die Studenten der Forschungsgruppe Pepper nun vor und diskutierten mit Beschäftigten aus dem Pflege- und Gesundheitsbereich über Chancen und Risiken solcher Roboter.

Pepper kann nicht nur Gesichter oder Hindernisse identifizieren und sich bewegen, er hat auch eine Sprachausgabe sowie -verarbeitung und kann verschiedene Gesten ausführen. Was er hingegen nicht kann, ist schwere Gegenstände heben, dafür reiche seine Kraft nicht aus, erklärt Alexander Poeppel vom Institut für Software und Systems Engineering der Universität Augsburg. „Eine Flasche Wasser geht vielleicht noch, aber dann ist Schluss“, sagt Poeppel. Um etwa Patienten aus dem Bett zu heben, ist Pepper also nicht geeignet. In Japan gebe es einen Pflegeroboter, der für solche Zwecke entwickelt wurde. Ein Mann im Rollstuhl, der im Publikum sitzt, sieht das mit einer gewissen Skepsis. Solange ein Mensch daneben stehe, der den Roboter steuere, sei das eine gute Sache. „Aber die Vorstellung, dass ein Roboter das autark macht und am Ende nicht weiß, wo mein Rollstuhl steht und mich fallen lässt – da wird mir ganz anders.“



Auch die rund 50 Pflegekräfte im Publikum sehen durchaus Risiken im Einsatz von Pflegerobotern. Aus ihrer Sicht müsse man genau abwägen, für welche Aufgaben sie in Frage kommen. Roboter könnten etwa mit Patienten spielen, sie unterhalten und beschäftigen, Notfälle erkennen und Hilfe holen oder Gespräche führen. Nicht zum Einsatz kommen sollten sie aus Sicht der Beschäftigten jedoch, um Menschen zu pflegen, Medikamente zu verabreichen oder in der Sterbebegleitung. „Sie können und sollen den Menschen nicht ersetzen“, lautet das Resümee der Pflegekräfte.

Auch bei der Entwicklung von Pepper sei es nicht das Ziel gewesen, einen Ersatz für den Menschen zu schaffen, wie Gwendolin Prins von der C&S Computer und Software GmbH sagt. „Pflegeroboter sollen unterstützen. Die Pflegekraft hat dann mehr Zeit fürs Zwischenmenschliche.“ Pepper soll etwa noch lernen, Gegenstände aufzuheben und heranzutragen. Damit könne er gerade ältere und Menschen mit Einschränkungen unterstützen. Aktuell diene der kleine Roboter vor allem zur Unterhaltung, und seine Spiele seien zum Beispiel zum Gehirnjogging geeignet, um das Gedächtnis im Alter fit zu halten.
Das probiert Husain Mahmoud, Abteilungsleiter Gesundheit und Soziales am BBZ, zum Abschluss gleich noch aus, ein Begriff-Ratespiel mit Pepper. „Was ist ein beliebtes Fortbewegungsmittel?“, fragt der kleine Roboter, nachdem er zuvor die Spielregeln erklärt hat. Mahmouds Antworten „Skateboard“ und „Flugzeug“ lässt er nicht gelten. Stattdessen fragt er konkreter nach: „Was hat einen Motor und vier Räder?“ Erst die richtige Antwort „Auto“ stellt Pepper zufrieden, und er belohnt den Abteilungsleiter mit einem grünen Haken auf dem Tablet, das er vor der Brust trägt.

Nach ein paar Runden ist das Spiel vorbei. Pepper hebt beide Arme, um Mahmoud zum Abschied zu winken.
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