Ein letztes Mal: Brechtfestival-Leiter Patrick Wengenroth über modernes Theater, neugierige Zuschauer und den Abschied von Augsburg

Der Regisseur und Schauspieler Patrick Wengenroth arbeitet in Berlin. Für das Brechtfestival verbrachte er in den letzten drei Jahren viel Zeit in Augsburg. Foto: Gianmarco Bresadola

Am 22. Februar beginnt das zehntägige Brechtfestival 2019 zum Thema "Städtebewohner*innen". Warum es überhaupt ein Festival für Bertolt Brecht gibt, ob sich das auch für Theater-Neulinge eignet und was man unbedingt gesehen haben sollte, erzählte uns Patrick Wengenroth, seit drei Jahren künstlerischer Leiter der Augsburger Kulturveranstaltung.

StadtZeitung: Abgesehen von dem lokalen Bezug - warum gibt es denn überhaupt ein Brechtfestival, und warum wird dabei nicht nur Brecht gespielt?

Patrick Wengenroth: Bertolt Brecht ist ja nicht nur ein Kind der Stadt Augsburg und einer der meistgespielten Dramatiker der Welt, sondern kann zudem als einer der zentralen formalen Vordenker und Wegbereiter des modernen Theaters betrachtet werden. Daher sehen wir es als Festival-Team als unsere Aufgabe an, eine größtmögliche Vielfalt an theatralen Stilen und Arbeitsweisen im Rahmen des Festivals zu präsentieren: Brecht mit unserer Gegenwart konfrontieren und unsere Gegenwart mit Brecht, das liegt uns am Herzen. Und nicht müde zu werden, zu betonen, dass in unseren Augen Kunst und Kultur wesentliche Motoren zu gesellschaftlicher Veränderung sind.

StaZ: Ist das Brechtfestival auch etwas für Leute, die sonst wenig ins Theater oder zu Kulturveranstaltungen gehen, sozusagen für "Theater-Neulinge"?

Wengenroth: Das vielfältige Programm des diesjährigen Brechtfestivals richtet sich an alle interessierten Städtebewohner*innen. Es geht hier nicht um Spezialistentum, sondern um die Fähigkeit, sich neugierig und ergebnisoffen auf die unterschiedlichen Angebote und künstlerischen Handschriften einzulassen. Ich kann nur jedem empfehlen, sich in diesen zehn Tagen in diesen Festival-Sog zu begeben - es lohnt sich.

StaZ: Das Thema lautet dieses Jahr "Brechtfestival für Städtebewohner*innen" - wie kam die Idee für gerade dieses Thema auf, und inwiefern greift das Programm das Thema auf?

Wengenroth: Ich habe in meiner dreijährigen Arbeit als Festivalleiter seit Frühjahr 2016 viel Zeit in Augsburg verbracht und sehr viele tolle Menschen und Orte kennenlernen dürfen. Bei meinem letzten Brechtfestival möchte ich daher die Stadt Augsburg in ihrer spannenden Vielfalt spiegeln und zugleich den Augsburgern mit einem hochkarätigen und abwechslungsreichen Programm für ihre Neugier und Freundlichkeit in den letzten Jahren danken. Wir sind an über 20 verschiedenen Orten in der Stadt mit unserem Programm präsent und laden die Augsburger und ihre Gäste ein, auf diese Weise ihre Stadt neu zu erkunden.

StaZ: Das ist nun Ihr drittes Festival als künstlerischer Leiter, und damit auch Ihr Letztes. Wie blicken Sie auf "Ihre" drei Festivals zurück?

Wengenroth: Meine Tätigkeit als künstlerischer Leiter war von Beginn an auf maximal drei Jahre ausgelegt. Ich halte das für sinnvoll, dass nun neue Menschen ihre eigene und andere Sichtweise auf Brechts Leben und Werk präsentieren. Es war eine aufregende, anregende und arbeitsreiche Zeit, die mir sehr viel Freude und schöne Erlebnisse beschert hat.

StaZ: Steht denn bereits ein Nachfolger in Aussicht?

Wengenroth: Die Theaterkünstler Jürgen Kuttner und Tom Kühnel werden ab 2020 die künstlerische Leitung des Brechtfestivals übernehmen. Sie sind ausgewiesene Brechtexperten und ich schätze beide sehr für ihre klugen und humorvollen Theaterarbeiten. Augsburg kann sich in meinen Augen glücklich schätzen, dass sich zwei so verdiente Künstler dieser Aufgabe in Zukunft widmen werden.

StaZ: Zum Schluss: Was ist ihr persönlicher Geheimtipp? Was sollte man beim Brechtfestival 2019 unbedingt gesehen haben, und warum?

Wengenroth: Es fällt mir sehr schwer, einzelne Produktionen besonders herauszuheben. Aber wirklich stolz bin ich auf die starke Präsenz der freien Theatergruppen in diesem Jahr: "SheShePop" - die übrigens jüngst auch zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurden - sowie "Andcompany&Co." und "turbopascal" sind allesamt frei arbeitende Theater-Kollektive, die seit Jahren hervorragende Theaterkunst machen. Diese im Rahmen eines einzigen Festivals in Augsburg präsentieren zu können, macht mich sehr glücklich.

Interview von Laura Türk
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