Eine Reise in die Vergangenheit

Das Cover des Buches. (Foto: Wißner Verlag)
 
Das Viertel „Auf dem Berg“ Anfang des 20. Jahrhunderts (Foto: Archiv Radinger/Köstner)
 
Das Viertel „Auf dem Berg“ heute. (Foto: Wißner Verlag)
Kriegshaber, ein Stadtteil im Westen Augsburgs, hat heute circa 17.200 Einwohner. Doch wann ist dieser Teil der Stadt gegründet worden und was ist von dieser Zeit bis heute so passiert? Ein kleiner geschichtlicher Überblick.

Seit circa 100 Jahren ist Kriegshaber ein Stadtteil von Augsburg. Doch die Geschichte des Ortes ist viel älter. Durch Forschungen an archäologischen Ausgrabungen weiß man, dass an den Flussläufen wohl Menschen in der Jugendsteinzeit gehaust haben. Im Bereich des heutigen Friedhofes fand man Spuren, die bis 1500 vor Christus zurückreichen. Außerdem kann man Hügelgräber aus dem Jahr 800 vor Christus nachweisen. Daraus schließt man, dass es möglicherweise eine keltische Ansiedlung gegeben hat.
Wissenschaftlich datierbar sind die Spuren, die die Römer in Kriegshaber hinterlassen haben. Bereits zu Zeiten des Kaisers Augustus sind Münzen aus der Keltenzeit gefunden worden. Diese reichen bis 408 nach Christus. Wo sich der heutige Kobelweg befindet, war früher eine Römerstraße nach Günzburg. Hier, sowie am Friedhof und an der Grundschule wurden ebenfalls römische Siedlungsfunde gemacht.

Die Gründung

Im 6. oder 7. Jahrhundert führte wohl die alemannische Landnahme zur Gründung eines Dorfes. Seit dieser Zeit sind viele verschiedene Namen zu finden, wie beispielsweise Chrichisaveres, Kruegshafer, Chriechesgow oder Grueßhaber. Das heutige Kriegshaber taucht das erste Mal 1550 auf. Auch wenn schon im Mittelalter immer wieder Krieg herrschte und das Dorf teilweise sogar zerstört wurde, geht die Entstehung des Namens nicht auf den Krieg zurück. Hier gibt es drei vage Theorien.

Die Entstehung des Ortsnamens

Die erste Theorie bezieht sich auf ein Gefecht zwischen den Römern und den Kelten. Hier kämpften griechische Söldner auf der Seite der Römer. Unter ihnen Avar, der Sohn des griechischen Königs Bogud. Avar wurde von den Kelten gefangen und ihren Göttern geopfert. Angeblich an der Stelle, an der später der Ort Kriegshaber entstand.
Die Zweite Theorie ist eine sprachwissenschaftlich orientierte. Hier führt die Bezeichnung auf einen eingewanderten Bauern aus Rheinfranken namens „Chriech“ zurück. So bedeutet der Ortsname „Chriechs avaron“ in Altsächsischen „Nachfahren des Chriech“.
Und die dritte Theorie geht auf Johann Nepomuck Franz Anton von Raiser zurück. Demnach bezeichnet „Grieshaber“ einen Sandboden („Griesle“), auf dem nur Hafer („haber“) wächst.

Grenzgebiet

Um 1300 wurde ein großer Teil des Dorfes durch die vorderösterreichische Markgrafschaft Burgau zum Gerichtsvogteisitz und als Grenzort auch Zollannahmestelle. 1357 sind zwei Höfe in Kriegshaber datiert: Der Mittelbauerhof und der Argenhof, welcher noch im Jahr 1950 hinter der Kirche stand. Beide waren Eigentum gut betuchter Bürger, welchen Land als bischöfliches Lehen zugesprochen worden war. Der bis heute erhaltene Marstaller Hof hat seit 1413 eine eigene Gastwirtschaft.

Die Ulmer Straße

Auf alten Darstellungen fällt immer die lange und breite Hauptstraße des Dorfes auf. Diese hieß bis zur Eingemeindung auch noch Hauptstraße. Sie verband Augsburg mit Ulm und war Teil der Heeresstraße zwischen Paris und Wien. Heute heißt sie Ulmer Straße. Die ältesten Teile Kriegshabers sind der Marstaller Hof, das Viertel „Auf dem Berg“ und die Judenhäuser mit der Synagoge entlang der Ulmer Straße. Auch die erste Pfarrkirche wurde dort gebaut.

Der Marstaller Hof

Heute beherbergt der Marstaller Hof nur noch eine Schuhwerkstatt. Dabei ist der Hof eines der ältesten Gebäude Kriegshabers. 1357 wurde er als „Mayerhof“ zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Selbst einen Bombenangriff im zweiten Weltkrieg überstand das alte Bauernhaus. Dank eines sehr günstig gelegenen Hydranten wurden nur die Stallungen des Hofes Opfer der Flammen. Die Zeit hat Spuren hinterlassen, doch noch heute ist der Stadtteil stolz auf sein historisches Gebäude.

„Auf dem Berg“

So heißt bei alteingesessenen Krieghabern das wohl älteste Viertel des Stadtteils. Es befindet sich rund um den Marstaller Hof und in der Gieseckestraße mit den ehemaligen Judenhäusern. Einst war dort der höchste Punkt Kriegshabers, heute ist von der Anhöhe jedoch nur noch wenig zu spüren.

Der Franzosenhof

Der zweitälteste Ortsteil Kriegshaber entstand um einen Gutshof herum und ist heute unter dem Namen Franzosenhof bekannt. Dieses wurde vermutlich zu Beginn des 19. Jahrhunderts errichtet. Dadurch entstand eine Lücke zwischen diesem Viertel und dem Kern Kriegshabers. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde diese jedoch geschlossen, da sich auf dem sogenannten Osterfeld Fabrikarbeiter ansiedelten. Diese zu unterschiedlichen Zeiten entstandenen Ortsteile bilden heute Altkriegshaber.

Das Zollhaus

Wie schon erwähnt, war Kriegshaber als vorderösterreichischer Grenzort von 1301 bis 1805 eine Zolleinnahmestätte. Hierzu wurde ein Zollhaus errichtet, das nach 450 Jahren einstürzte und durch den Baumeister Joseph Dossenberger 1778 neu errichtet wurde. Noch heute kann man das barocke Gebäude bewundern. Seine eigentliche Aufgabe als Zollhaus erfüllte es nur wenige Jahrzehnte. 1805 gingen bei einer Schlacht die vorderösterreichischen Gebiete an Bayern. Deshalb wurde 1807 aus dem Zollhause eine Schule für circa 150 Schüler des Dorfes. Als es dort zu knapp wurde, wurde nebenan ein neues Schulgebäude errichtet und das Zollhaus wurde für eine Jahre eine Polizeistation. Seit 1980 wird es als Begegnungsstätte, vor allem von der Arbeiterwohlfahrt, genutzt.

Die Wiege des FCA

An der heutigen Kreuzung Reinöhl-/Bürgermeister-Ackermann-Straße stand von 1364 bis 1806/09 der Galgen der Reichsstadt Augsburg. Lange Zeit stand dieser Ort für eine schauerliche Vergangenheit. Laut der Chronik wurden die Menschen dort solange hängen gelassen, bis sie verwesten und von selbst abfielen. Doch hundert Jahre nach Ende dieser furchtbaren Zeit, machten junge Fußballer an diesem Ort erste Erfahrungen in ihrem Sport. So wurde 1907 der FC Alemannia Augsburg gegründet. Deshalb sieht der FC Augsburg das Galgenteil als Wiege ihrer Vereinsgeschichte an.

Remilitarisierung und Kasernenbau

Nach der Entmilitarisierung Deutschlands nach dem ersten Weltkrieg wurde ein ehemaliger Exerzierplatz durch Landwirte und Sportvereine genutzt. Als im Zuge des NS-Regimes die Remilitarisierung stattfand, wurden dort einige Kasernen für Artillerieabteilungen und Panzerabwehreinheiten gebaut. Außerdem kam in die Sommestraße ein großes Offizierskasino, das heutige Kulturhaus abraxas.
Mit dem Einmarsch alliierter Truppen im Jahr 1945 begann die fast 50-jährige Präsenz der amerikanischen Streitkräfte in Kriegshaber. In den 1950er Jahren legte man die Kasernen dann zur Reese-Kaserne zusammengeschlossen. Diese wurde unter anderem zum ständigen Sitz des Standortkommandeurs. Trotz Um- und Neubau verloren die Kasernen bis heute nie den Charakter der Militärarchitektur der NS-Zeit.

Little America


Am 28.04.1945, nachdem die Stadt zur Hälfte zerstört wurde, rückten amerikanische Truppen in Kriegshaber ein. Dies führte bald zu Unruhen, da diese den unzerstörten Wohnraum für sich und später auch für ihre Familien beanspruchten. So wurde der Wohnraum knapp und die amerikanischen Truppen trotzdem immer weiter aufgestockt. Dass hieß, mehr Soldaten und somit brauchte man auch mehr Wohnmöglichkeiten. Zu dieser Zeit entstanden die Wohnblocks von Centerville und die der Siedlung Camerton.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Verbesserung der Infrastruktur. Die Bürgermeister-Ackermann-Straße entstand und somit die erste moderne Straßenautobahn Bayerns. In weniger als 10 Jahren war „Little America“ mit kompletter Infrastruktur entstanden.

Kriegshaber heute

Vor circa 100 Jahren wurde Kriegshaber ein Stadtteil der Stadt Augsburg. Dies geschah aufgrund der Überschuldung während des ersten Weltkrieges. Der Stadtteil liegt im Westen von Augsburg und fasst etwa 17.200 Einwohner. Durch die Geschichte und durch das, was Kriegshaber durchgemacht hat, ist es zu dem geworden, wie wir es heute kennen.

Diese Geschichte entstammt den Informationen des Buches „Kriegshaber in Bildern – Am Straßenrand der Weltgeschichte“ aus dem Wißner-Verlag.
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