"Eine win-win-win-win Situation": Wie Augsburger Restaurants die Verschwendung von Lebensmitteln bekämpfen

Gerichte können über die kostenlose App bestellt und bezahlt werden. (Foto: Helene Kuhn)

Beim Essengehen Geld sparen und dabei die Verschwendung von Lebensmitteln bekämpfen – das klingt fast zu gut, um wahr zu sein. Den Gründern der Handy-App „Too good to go“ zufolge, ist es das aber keineswegs. Das StartUp vernetzt gastronomische Betriebe und Kunden, so dass übriggebliebene Lebensmittel am Ende des Tages als reduzierte Gerichte von den registrierten Nutzern abgeholt werden können. Das Projekt hat nun auch zwei Augsburger Restaurants überzeugt.

Das Konzept ist relativ einfach: Nutzer laden die kostenlose App auf Handy oder Tablet herunter und registrieren sich über ein kurzes Anmeldeformular. Nach der Anmeldung sind alle partizipierenden Lokale, Bäckereien und Supermärkte nach Entfernung geordnet einzusehen. Die Bestellung und Bezahlung erfolgt ebenfalls über „Too good to go (TGTG)“ und die Kunden können ihre Portion im jeweiligen Restaurant abholen.
Die Idee des internationalen Gründerteams scheint zu funktionieren, seit 2015 konnten mehr als 700 000 „Lebensmittel-Retter“ aus sieben europäischen Ländern überzeugt werden. Auch in Augsburg sind schon zwei Anbieter dabei: Das „Salädchen“ in der Fuggerstraße und das „Dastan Restaurant“ in der Johannes-Haag-Straße.
„Salädchen“-Geschäftsführer Peter Heinzmann wurde vor einem halben Jahr über eine Freundin auf das Projekt aufmerksam, seitdem sind nach und nach alle Filialen dazugekommen. „Es werden circa ein Drittel aller Lebensmittel auf der Welt weggeschmissen. Dagegen leiden rund zehn Prozent der Weltbevölkerung an Hunger. Es ist schlichtweg eine logische Konsequenz, dass wir uns hier in einer Pflicht sehen, zumindest einen mini-kleinen Anteil daran zu haben, dass dieses Ungleichgewicht reduziert wird“, erklärt Heinzmann die Zusammenarbeit mit „Too good to go“.

Gerichte kosten im Schnitt zwischen zwei und vier Euro

Wenn abzusehen sei, was am Tag übrigbleibt, stellten sie eine bestimmte Anzahl Boxen in die App ein, erklärt der Geschäftsführer. Die Zutaten seien keineswegs schlecht oder verdorben, aber müssten sonst entsorgt werden, da sie am nächsten Tag nicht mehr zu verwenden seien. Nutzer können ihre Box, die meist Salate aber auch Suppen oder Wraps enthält, für rund drei Euro erwerben.
Das „Dastan Restaurant“ bietet täglich sogar zwei verschiedene Abholzeiten an, mittags und abends. Die Gerichte kosten über die App im Schnitt nur ein Drittel des Originalpreises. Angeboten werden hier, natürlich abhängig vom Tagesangebot, kalte und warme Vorspeisen, Grillspieße und vegetarische Gerichte. Am Sonntag haben Kunden zudem die Möglichkeit, sich eine Box am Frühstücksbuffet zusammenzustellen.
Ein Euro geht pro Bestellung, unabhängig vom Restaurant an TGTG. Augsburger nähmen das Angebot bei „Salädchen“„mal mehr mal weniger“ an, berichtet Heinzmann. „Wir sind ja auch noch ganz neu hier“, fügt er hinzu. Nicht nur anderen Restaurants, sondern auch allen Augsburgern rät er, sich ebenfalls zu beteiligen. Die Gründe lägen auf der Hand.

Burger kostet so viel Wasser wie 90-minütige Dusche

„Die jährlich verlorenen oder verschwendeten Lebensmittel sind zudem für 3,3 Milliarden Tonnen Treibhausgase verantwortlich und verbrauchen so viel Frischwasser, wie Europas größten Fluss, die Wolga, in einem Jahr hinunterfließt“, erklärt das Team der App auf seiner Website. Für die Herstellung eines Burgers werde beispielsweise die Menge Wasser verbraucht, die einer 90-minütigen Dusche entspräche. Landet derselbe Burger dann am Ende eines Tages auch noch im Müll, ergibt sich das wahre Ausmaß des Problems. Genau dort soll „Too good to go“ ansetzen.
Wie die Gründer betonen, seien bisher 2,6 Millionen Mahlzeiten europaweit gerettet und dadurch rund 6 000 Tonnen Kohlendioxid gespart worden.
„Ist doch selbstverständlich, dass wir da dabei sind“, fasst Salädchen Geschäftsführer Peter Heinzmann zusammen, „zumal wir einen Mehrwert für die Gesellschaft, TGTG, unsere Gäste und uns sehen – das ist eine win-win-win-win Situation“.
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