Eine Zukunft nur mit Strom? Warum die Lechwerke noch immer auf Elektroautos setzen

Elektroautos haben in den vergangenen Jahren viel ihres Ansehens verloren. Der Augsburger Stromversorger Lechwerke setzt aber weiterhin auf die E-Mobilität. Die Vision: Eines Tages könnte alles auf Strom basieren. (Foto: Symbolbild: kasto-123rf.com)

In rund drei Jahren soll das Kernkraftwerk Gundremmingen abgeschaltet werden. Das betrifft auch regionale Energieversorger wie die Augsburger Lechwerke (LEW), die Teile ihres Reststroms von dem Atomkraftwerk beziehen. In den vergangenen 15 Jahren setzten sie immer stärker auf erneuerbare Energiequellen, deren Anteil am Stromverbrauch der Region von damals 20 Prozent auf heute über 70 Prozent angestiegen ist. Ihre Vision von der Zukunft ist elektrisch, auch im Verkehrsbereich. LEW-Vorstandsmitglied Norbert Schürmann glaubt: "Elektromobilität ist alternativlos."

Dabei hat das anfangs so gefeierte Elektroauto inzwischen für viele Verbraucher seinen Zauber verloren. Zu schlecht sei die CO2-Bilanz bei der Batterienproduktion, warnten Studien den klimabewussten Autokäufer. Zwar behaupten inzwischen auch einige Studien das Gegenteil, doch die gehen in der allgemeinen Desillusionierung unter. Wer weiß schon, ob in zwei Jahren nicht wieder eine Kehrtwende aufkommt, bekannt wird, dass Elektroautos doch schlimmer sind als der Diesel? Auf Nummer Sicher geht, wer beim Altbewährten bleibt: Dann halt doch wieder einen Benziner.

Dabei liegt das Problem des Elektroautos größtenteils in der Stromerzeugung selbst. "Es zeigen jetzt sehr viele Studien: Die CO2-Bilanz von Elektroautos ist deutlich niedriger, wenn - und das ist eine wichtige Voraussetzung - Elektromobilität dann auch Ökostrom nutzt", betont Norbert Schürmann. Im vergangenen Jahr zeigte etwa eine Untersuchung des Forschungsinstituts "International Council on Clean Transportation" (ICCT), dass Elektroautos heute schon klimafreundlicher sind als solche mit Verbrennungsmotoren.

Die "Schulden" der Batterieproduktion ausgleichen

Wie viel CO2 bei der Produktion der Batterien und auch beim späteren Betrieb des Fahrzeugs eingespart werden kann, liegt an dem verwendeten "Energiemix" - je mehr Strom durch erneuerbare Energien erzeugt wird, desto besser auch die CO2-Bilanz des Elektroautos. Laut ICCT können beim Betrieb die Ersparnisse gegenüber herkömmlichen Autos demnach zwischen 28 und 72 Prozent variieren, im Durchschnitt seien die "Schulden" der aufwendigen Produktion aber nach rund zwei Jahren Nutzung ausgeglichen.

Deutschlandweit haben erneuerbare Energien einen Anteil von 38 Prozent am verbrauchten Strom, so Schürmann. Bis 2030 soll dieser Anteil auf 65 Prozent erhöht werden. Würde Deutschland dann selbst seine Lithium-Batterien produzieren, wäre die Ökobilanz des Elektroautos wohl noch besser: Im Jahr 2016 wurden laut ICCT die meisten Batterien europäischer Elektroautos in Japan oder Südkorea produziert, wo die erneuerbaren Energien nur zwischen 25 und 40 Prozent ausmachen.

Zehntausende private Solaranlagen in Bayerisch-Schwaben

Die Lechwerke sind stolz darauf, dass sie die für 2030 geplanten Vorgaben in ihrem Stromnetz schon heute übertreffen. In der Region Augsburg stammen 70 Prozent ihres verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energien. Schürmann sieht einen "Trend zur Dezentralisierung". Außerdem sei bayerisch Schwaben ein "richtiges Sonnenland". Der Großteil des Stroms stammt von Photovoltaikanlagen, die meisten von ihnen auf Einfamilienhäusern. Insgesamt 75 000 solcher "dezentraler Energiequellen" sind mit dem LEW-Netz verbunden, speisen in dieses ein und werden dafür vergütet. Diese Zahl beinhaltet neben den Privat-Photovoltaikanlagen auch Wasser-, Bio- und Windkraftwerke.

Um den Anteil der erneuerbaren Energien weiter zu steigern, müsse es in der Zukunft vor allem gelingen, Überschussstrom zu verarbeiten. "Wir haben heute zum Beispiel Überschussstrom", meint Schürmann mit einem Blick nach draußen - es ist ein sonniger Tag, die Photovoltaikanlagen produzieren auf Hochtouren, mehr als die Abnehmer verbrauchen können. Der überschüssige Strom wird ins vorgelagerte Übertragungsnetz eingespeist. Dieser Strom könne aber auch verarbeitet werden. "Etwa, um ein Elektroauto zu betanken."

Überschussstrom besser verarbeiten

Doch das reiche noch nicht, sagt Schürmann nachdrücklich. Stattdessen müsste viel mehr Strom gespeichert werden - für die Nacht etwa, wenn keine Sonne scheint. "Das wird in Zukunft wichtig", so Schürmann. "Und dann gibt es Studien, die sagen: An die 100 Prozent kommt man ran." Dafür muss also in mehr Batterien für die Speicherung investiert werden. Und dann könnte vielleicht eines Tages alles auf Strom basieren: Die Elektrizität, Wärme, Mobilität.

Bis es so weit ist, lässt sich zumindest in Augsburg so klimaneutral wie nur möglich ein Elektroauto fahren: Sowohl die Ladestationen der Stadt- als auch der Lechwerke nutzen ausschließlich erneuerbare Energien.
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